H5N1 auf weitere Säugetierart „übergesprungen“ Rügen: Auch Steinmarder mit Vogelgrippe - scinexx | Das Wissensmagazin
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H5N1 auf weitere Säugetierart „übergesprungen“

Rügen: Auch Steinmarder mit Vogelgrippe

Bei einem in Schaprode auf der Insel Rügen gefundenen Steinmarder hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit eine Infektion mit dem Vogelgrippevirus H5N1 festgestellt. Damit ist der Erreger auf eine weitere Säugetierart "übergesprungen". Vorher starben bereits drei Katzen an dem auch für den Menschen gefährlichen Virus.

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Der jetzt positiv getestete Steinmarder war am 2. März 2006 mit Symptomen einer Erkrankung, aber noch lebend gefunden und gefangen worden. Mittlerweile wurde das Tier eingeschläfert.

Das Landesuntersuchungsamt Rostock führte die ersten Tests auf eine Infektion mit Influenzaviren durch, die weitere Charakterisierung und Bestätigung für H5N1 erfolgte am FLI. "Obwohl mit diesem Fund eine weitere Säugetierart erstmals betroffen ist, ändert sich die grundsätzliche Einschätzung der Seuchensituation nicht", kommentierte der Präsident des FLI, Professor Dr. Thomas Mettenleiter den neuen Vogelgrippefall.

Der Steinmarder stamme wie die drei Katzen, bei denen eine Infektion mit H5N1 festgestellt wurde, aus dem Zentrum des Seuchengeschehens auf der Insel Rügen. Es ist daher, so Mettenleiter, auch davon auszugehen, dass es sich bei dem Virus um die hoch pathogene Variante handelt. Es sei aber schon bemerkenswert, dass sich das Spektrum der von H5N1 infizierten Säugetierarten damit ausgeweitet habe. Weltweit war bisher keine Infektion von Marderartigen mit H5N1-Virus beschrieben worden.

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NABU: Ursachenforschung zur Vogelgrippe in der Sackgasse?

Unterdessen hat der Naturschutzbund NABU davor gewarnt, sich bei der Bekämpfung der Vogelgrippe ausschließlich auf Wildvögel zu konzentrieren. "Die Ursachenforschung zur Ausbreitung der Geflügelpest darf nicht in eine Sackgasse geraten", sagte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. In der Bevölkerung würden Zugvögel noch immer und zu Unrecht als Gefahrenquelle Nummer Eins wahrgenommen.

Der NABU beobachtet die dadurch um sich greifenden Reaktionen vieler Menschen zu Lasten der Vögel mit großer Sorge. So sind in Berlin bereits Anträge auf Entfernung von Mehlschwalbennestern gestellt worden. Auch in Gärten werden mancherorts Nistmöglichkeiten gezielt beseitigt und Kinder davor gewarnt, Vögeln generell zu nahe zu kommen.

Die aktuelle Entwicklung zeigt aber, dass die Zahl der Infektionen bei Wildvögeln auf sehr niedrigem Niveau verbleibt. Die Anzahl nachgewiesener Fälle der gefährlichen H5N1-Viren wächst nur langsam. Drei Wochen nach bekannt werden der Krankheit rund um die Insel Rügen sind den Viren bundesweit nur etwa 150 Vögel zum Opfer gefallen. Trotz einzelner Nachweise aus weiteren Regionen Deutschlands klingt die Ausbreitung unter Wildvögeln,so der NABU bereits merklich ab.

Für die 180 bis 200 Millionen in Deutschland lebenden Vögel habe sich die Seuche damit bisher zu keinem ernsthaften Problem entwickelt. Auch in Asien und Südosteuropa hatte die Seuche unter Wildvögeln nur punktuell und nur für kurze Zeit um sich gegriffen.

Verseuchter Kot als Dünger?

Vor diesem Hintergrund weist der NABU auf eine andere Gefahrenquelle für die Ausbreitung der Seuche hin: Abfall und verseuchte Produkte der Geflügelindustrie. "Aktuelle Hinweise über gängige Praktiken im weltweiten Handel mit Geflügelprodukten und -abfällen geben alarmierende Signale, wo tatsächlich massive Risiken bestehen könnten", betonte Nipkow.

So sei bekannt geworden, dass Massentierhaltungen in China ihr Fäkalien-Entsorgungsproblem vielfach dadurch lösten, dass sie den Kot als Dünger in der Fischereiwirtschaft, aber auch in der Landwirtschaft verkaufen. Dabei sei noch unklar, auf welchen Wegen und in welchem Umfang dieser Handel zwischen asiatischen Ländern und auch in Europa stattfinde. "Es wäre fatal, wenn zur Bekämpfung der Geflügelpest nun Maßnahmen ergriffen werden, die der weiteren Industrialisierung der Geflügelhaltung auf der ganzen Welt Vorschub leisten", so Nipkow.

(idw – Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMELV, NABU, 10.03.2006 – DLO)

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