Trauben-Inhaltsstoff schützt Muskeln vor dem Effekt verringerter Schwerkraft Resveratrol für Mars-Astronauten? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Resveratrol für Mars-Astronauten?

Trauben-Inhaltsstoff schützt Muskeln vor dem Effekt verringerter Schwerkraft

Mars-Astronauten
Der Trauben-Inhaltsstoff Reservatrol könnte künftige Mars-Astronauten gegen die Effekte der verringerten Schwerkraft schützen. © NASA/JSC/Pat Rawlings, SAIC

Schützender Reiseproviant: Der in Rotwein und Weintrauben enthaltene Inhaltsstoff Resveratrol könnte künftige Astronauten gegen Muskelschwund schützen – und so ihre Fitness auf Missionen zum Mars erhalten helfen. Denn die Substanz kann zumindest einen Teil des Muskelabbaus in geringer Schwerkraft verhindern, wie nun Versuche mit Ratten nahelegen. Bei täglicher Gabe von Resveratrol behielten die Tiere trotz fehlender Belastung ihre Greifkraft und einen Großteil ihrer Muskelmasse.

Der Pflanzeninhaltsstoff Resveratrol ist in Trauben, Rotwein und auch Blaubeeren enthalten – und er gilt als Gesundmacher mit vielfältigen Effekten. Denn das Antioxidans wirkt entzündungshemmend, soll gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und sogar Krebs hemmen können. Die gesundheitsfördernden Effekte von Nahrungszusätzen mit Resveratrol sind allerdings umstritten, möglicherweise, weil bei diesem Mittel viel nicht immer viel hilft, wie kürzlich eine Studie nahelegte.

REsverartrol
Reservatrol ist unter anderem in roten Trauben enthalten. © Andreas Kermann/ iStock

Resveratrol als Schwerkraftersatz?

Eine weitere potenzielle Wirkung des Resveratrols haben nun Marie Montreux von der Harvard Medical School in Boston und ihr Team näher untersucht: den Schutz gegen Muskelabbau bei verringerter Schwerkraft. Hält sich ein Mensch längere Zeit in der Schwerelosigkeit des Alls auf, verliert er rapide sowohl Kraft als auch Muskelmasse. Gezieltes Training kann diesen Muskelschwund zwar eindämmen, aber nicht komplett verhindern.

Ähnliches gilt für den Aufenthalt auf dem Mond oder Mars – beides Ziele künftiger Raumfahrtmissionen. Auf ihnen ist die Schwerkraft nur ein Sechstel beziehungsweise ein Drittel so stark – und auch das führt ohne Gegenmaßnahmen zum Muskelabbau. Ob die tägliche Einnahme von Resveratrol gegen diesen Muskelschwund schützen kann, haben die Forscher nun mit Ratten untersucht.

Griffkraft bleibt erhalten

Im Experiment wurden die Tiere 14 Tage lang in speziellen Geschirren so aufgehängt, dass ihre Beinmuskeln nur noch zu 40 Prozent belastet wurden – dies entspricht etwa der Marsschwerkraft. Eine Hälfte der Ratten bekam täglich eine Dosis von 150 Milligramm Resveratrol pro Kilogramm Körpergewicht, die andere nicht. Vorher und nachher testeten die Forscher Greifkraft, Muskelmasse und Zahl der Muskelfasern in den Beinmuskeln der Tiere.

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Das Ergebnis: Nach zwei Wochen hatten die unbehandelten Kontrolltiere wie erwartet deutlich an Muskelmasse und an Griffkraft verloren. Nicht jedoch die Ratten, die täglich Resveratrol bekommen hatten: Bei ihnen war zwar die Muskelmasse ebenfalls leicht geschrumpft, ihre Griffkraft an Vorder- und Hinterbeinen aber war trotz verringerter Belastung gleich geblieben, wie die Forscher berichten. Auch der Verlust von Muskelfasern war bei diesen Tieren signifikant geringer.

Wirkung über den Zuckerhaushalt?

Wie dieser positive Effekt zustande kommt, ist bisher noch unklar. Die Forscher vermuten aber, dass die Wirkung des Resveratrols auf den Zuckerhaushalt dafür eine Rolle spielen könnte. „Resveratrol fördert das Muskelwachstum bei diabetischen Mäusen, indem es die Insulin-Sensitivität und die Glukoseaufnahme in die Muskelfasern steigert“, erklärt Moreau.

Dieser Mechanismus könnte dazu beitragen, dem Muskelschwund bei verringerter Schwerkraft entgegenzuwirken. „Unsere Ergebnisse unterstreichen das therapeutische Potenzial von Resveratrol“, erklären die Forscher. Denn frühere Studien hatten einen ähnlich muskelschützenden Effekt des Resveratrols auch bei völliger Schwerelosigkeit beobachtet.

Hilfsmittel für Astronauten

Nach Ansicht von Moreau und ihrem Team ist es gut möglich, dass sich diese positiven Effekte des Resveratrols zum Schutz von Astronauten auf Marsmissionen oder bei längeren Aufenthalten auf dem Mond nutzen lassen. Die Gabe der Substanz als Nahrungsergänzungsmittel könnte dann beispielsweise den muskelerhaltenden Effekt von körperlichem Training unterstützen.

Zuvor aber seien noch weitere Studien nötig. „Wir müssen noch herausfinden, welche Mechanismen involviert sind und welche Effekte verschiedene Dosen des Resveratrols auf Männer und Frauen haben, sagt Moreau. „Zudem ist es wichtig zu bestätigen, dass Resveratrol keine schädlichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten der Astronauten haben wird.“ (Frontiers in Physiology, 2019; doi: 10.3389/fphys.2019.00899)

Quelle: Frontiers, Beth Israel Deaconess Medical Center

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