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Rauchstopp tut auch der Seele gut

Schritt zum Nichtrauchen kann mentale Gesundheit und psychisch-soziales Wohlbefinden fördern

Zigarette
Wer mit dem Rauchen aufhört, tut langfristig auch seiner Psyche etwas Gutes. © solidcolours/ iStock

Gesund auch für die Psyche: Mit dem Rauchen aufzuhören ist nicht nur gut für den Körper, es kann auch das psychische Wohlbefinden erhöhen und die mentale Gesundheit verbessern, wie nun eine Übersichtsstudie nahelegt. Demnach gingen bei Probanden, die mit dem Rauchen aufhörten, Ängste sowie Depressionen und Stress langfristig leicht zurück. Zudem konnte der Ausstieg auch positive Gefühle und das soziale Wohlbefinden fördern.

Dass Rauchen süchtig macht und für den Körper ungesund ist, ist längst bekannt. Die Inhaltsstoffe des Tabakrauchs schaden den Gefäßen und beeinträchtigen das Gehirn und erhöhen das Risiko für unzählige Krebserkrankungen wie vor allem Lungenkrebs. Sie stehen sogar unter Verdacht, Raucher anfälliger für Infektionen mit dem Coronavirus zu machen. Dennoch ist es für viele schwer, auf den Glimmstängel zu verzichten.

Das Problem: Trotz der gesundheitlichen Risiken haben manche Menschen Angst, dass der Rauchstopp Stress und psychische Probleme eher verstärken könnte. Zudem machen sich einige Raucher auch Sorgen, dass der Tabak-Ausstieg negative Auswirkungen auf ihr Sozialleben und ihre Freundschaften haben könnte, wenn darunter beispielsweise viele Raucher sind.

Angst vor Rauchstopp berechtigt?

Ob das der Fall ist und wie ein Rauchstopp die mentale Gesundheit und die sozialen Beziehungen beeinflusst, hat nun ein internationales Forscherteam um Gemma Tylor von der University of Bath geprüft. Vorherige Studien zeigten bereits, dass ein Rauchstopp Ängste und Depressionen reduzieren kann und somit die psychische Gesundheit der Raucher sogar verbessert statt verschlechtert.

Für ihre Analyse werteten die Forscher die Ergebnisse von rund 100 Beobachtungsstudien mit über 150.000 Probanden aus. Darunter waren etwa 60 Studien, die die Veränderungen der psychischen Gesundheit bei Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, mit Rauchern verglichen. Weitere zehn Studien erfassten beispielsweise, wie viele Personen nach einem Rauchstopp und wie viele Raucher eine psychische Störung entwickelten. Alle Studien liefen von sechs Wochen bis zu sechs Jahre lang.

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Nach sechs Wochen positive Effekte

Es zeigte sich: Ein Rauchstopp könnte tatsächlich positive Effekte auf die mentale Gesundheit haben. So stellten die Forscher fest, dass schon ein Nichtrauchen von mindestens sechs Wochen bei den Studienteilnehmern Depressionen und Ängste verringerte. Die Angstzustände nahmen dabei um 28 Prozent ab, Symptome der Depression verringerten sich um rund 30 Prozent. Auch gemischte Angstzustände und Depressionen verbesserten sich.

Die psychischen Probleme wurden laut der Studienergebnisse nicht nur nach dem Rauchstopp geringer, sondern es kam auch seltener zu neuen. Die Häufigkeit neuer Angstzustände sank nach dem Rauchstopp um 62 Prozent. Ähnliches stellten die Forscher bei gemischten Angstzustände und Depressionen fest.

Stimmung und Wohlbefinden verbessert

Zudem erlebten die Menschen, die mit dem Rauchen aufhörten, insgesamt ein besseres psychisches Wohlbefinden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Rauchstopp im Durchschnitt mit kleinen bis mäßigen Verbesserungen der Stimmung verbunden war“, so Taylor. Daten aus rund 20 Studien ergaben eine Besserung des psychischen Wohlbefindens nach dem Rauchstopp um elf Prozent, der Stress sank langfristig im Schnitt um 19 Prozent und die positive Stimmung nahm um rund 22 Prozent zu

„Dieser Nutzen der Rauchentwöhnung scheint bei verschiedenen Gruppen ähnlich zu sein“, erklärt Taylor. Selbst bei Studienteilnehmern, die unter einer psychischen Krankheit litten, bestand nur eine geringes Risiko für eine langfristig verschlechterte Stimmung. „Es gibt also keinen Grund zu befürchten, dass sich der Gesundheitszustand von Menschen mit psychischen Erkrankungen verschlechtert, wenn sie mit dem Rauchen aufhören“, resümiert die Forscherin.

Auch die Sorge, dass infolge des Rauchstopps die sozialen Beziehungen gestört würden und man sich einsam fühlen könnte, stellte sich laut Taylor und ihren Kollegen als unberechtigt heraus. „Der Rauchstopp scheint keine negativen Auswirkungen auf die soziale Lebensqualität zu haben“, so Taylor. Stattdessen deuteten die Studienergebnisse darauf hin, dass der Rauchstopp mit einer leichten Verbesserung des sozialen Wohlbefindens verbunden ist – allerdings lag dieser Wert nur bei drei Prozent.

Insgesamt aber nur mäßige Aussagekraft

Dass ein Rauchstopp die psychische Gesundheit offenbar fördern kann, statt sie zu verschlechtern, sollte künftig mehr Menschen dazu ermutigen, mit dem Rauchen aufzuhören, so die Wissenschaftler. Sie hoffen, dass ihre Erkenntnisse manche Menschen davon abhalten, überhaupt mit dem Rauchen anzufangen.

Dennoch sind die Studienergebnisse nur begrenzt aussagekräftig. „Unser Vertrauen in die genaue Größe des Nutzens ist aufgrund der Art und Weise, wie die Studien angelegt waren, begrenzt“, erklären Taylor und ihr Team. „Zukünftige Studien, die diese Probleme überwinden, können die Evidenz über die Auswirkungen einer Rauchentwöhnung auf die psychische Gesundheit erheblich stärken.“ (Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021, doi: 10.1002/14651858.CD013522.pub2)

Quelle: Cochrane Deutschland

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