Nikotin-abbauendes Enzym könnte Entzugserscheinungen verringern und Rückfällen vorbeugen Rauchen: Neue Entwöhnungshilfe in Sicht? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Nikotin-abbauendes Enzym könnte Entzugserscheinungen verringern und Rückfällen vorbeugen

Rauchen: Neue Entwöhnungshilfe in Sicht?

Das Rauchen endlich sein zu lassen, fällt vielen Abhängigen schwer. © Artem Furman/ thinkstock

Schluss mit der Sucht: Ein neuer Wirkstoff könnte Rauchern künftig beim Aufhören helfen. Das Enzym baut das abhängig machende Nikotin bereits im Blut ab – und hat sich nun in Versuchen mit süchtigen Ratten als wirkungsvoll erwiesen. Demnach reduzierte die Substanz Entzugserscheinungen und schien auch das Rückfallrisiko zu minimieren, wie Forscher im Fachmagazin „Science Advances“ berichten.

An Gründen, mit dem Rauchen aufzuhören, mangelt es eigentlich nicht: Tabakkonsum fördert auf Dauer Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kann den Spermien schaden sowie Zahnausfall und Rheuma begünstigen – eine Liste, die sich noch lange fortführen ließe. Den meisten Rauchern sind diese Risiken durchaus bewusst. Trotzdem greifen sie immer wieder zur Zigarette. Denn von der Sucht loszukommen, ist alles andere als einfach. Schätzungsweise 75 bis 80 Prozent aller Raucher scheitern daran: Sie werden wieder rückfällig.

Schuld daran ist vor allem das im Tabak enthaltene Nikotin. Diese Substanz löst im Gehirn die Ausschüttung von Botenstoffen wie dem „Glückshormon“ Dopamin aus und verursacht so ein wohliges Gefühl. Dieses Gefühl prägt sich mit jeder Zigarette weiter ein, sodass das Rauchen alsbald mit Lust und Glück assoziiert wird – der Weg in die Abhängigkeit ist geebnet.

Ein Enzym gegen die Sucht?

Forscher suchen schon länger nach Möglichkeiten, Raucher besser beim Aufhören zu unterstützen. In letzter Zeit ist dabei ein Wirkstoff in den Fokus gerückt, der Nikotin bereits im Blut abbauen kann. Dieses von dem Bakterium Pseudomonas putida produzierte Enzym ist somit dazu in der Lage, die problematische Substanz unschädlich zu machen, bevor sie ihren Wirkort im Gehirn überhaupt erreicht. Würde sich dieses Enzym als Mittel gegen Nikotinsucht eignen?

Um dies herauszufinden, haben Marsida Kallupi vom Scripps Research Institute in La Jolla und ihre Kollegen nun Versuche mit nikotinabhängigen Ratten durchgeführt. Dafür kreierten sie eine modifizierte Version des Enzyms, NicA2-J1, die stärker wirkt, länger im Blut bleibt und weitere für eine pharmakologische Anwendung wichtige Eigenschaften hat.

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Weniger Entzugserscheinungen

Die tierischen Probanden hatten im Experiment zunächst 21 Stunden täglich Zugang zu einer Kammer, in der sie sich durch die Betätigung eines Hebels intravenös mit Nikotin versorgen konnten. Nach zwölf Tagen gewährten die Forscher ihnen dann jedoch nur noch alle 48 Stunden Zugang zu dem begehrten Stoff. Dies führte dazu, dass die Ratten Entzugserscheinungen entwickelten und immer dann, wenn sie die Möglichkeit hatten, exzessiv viel Nikotin konsumierten.

In dieser Phase bekam ein Teil der Nager vor jeder Nikotin-Session eine Dosis NicA2-J1 verabreicht. Dabei zeigte sich: Die Ratten versorgten sich zwar weiterhin mit Nikotin. In ihrem Blut war davon jedoch nur wenig zu sehen, denn das Enzym baute einen Großteil der abhängig machenden Moleküle erfolgreich ab. Als Folge zeigten behandelte Tiere in Zeiten ohne Nikotin-Zugang weniger Entzugserscheinungen, wie Kallupi und ihr Team berichten.

Verlangen lässt nach

Auch das Verlangen nach Nikotin konnte die Gabe des Enzyms reduzieren – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: dann, wenn mit dem simulierten Zug an der Zigarette eine potenzielle Bedrohung verbunden war. Präparierten die Wissenschaftler den Nikotin-Hebel so, dass er den Ratten in 30 Prozent der Fälle einen Elektroschock gab, drückten mit NicA2-J1 behandelte Nager immer seltener auf den Hebel. Ihre unbehandelten Artgenossen ließen sich von dieser Gefahr dagegen nicht beeindrucken. Die Lust auf Nikotin war bei ihnen offenbar stärker als die Angst vor Schmerzen.

In einem weiteren Versuch testeten Kallupi und ihre Kollegen außerdem, wie sich das Enzym auf das Rückfallrisiko nach dem Aufhören auswirkt. Dafür entzogen sie den Ratten zehn Tage lang sämtliches Nikotin – um ihr Verlangen danach mit einer Injektion erneut zu wecken. Unbehandelte Nager drückten danach sofort wieder oft auf den Hebel, behandelte Tiere taten dies deutlich seltener.

Vielversprechende Unterstützung?

Diese Ergebnisse sprechen den Forschern zufolge dafür, dass NicA2-J1 womöglich eine vielversprechende Unterstützung für aufhörwillige Raucher ist. „Unser Ansatz könnte die Nikotinabhängigkeit reduzieren und Entzugserscheinungen minimieren. Außerdem wirkt er im Blutkreislauf und nicht im Gehirn, was die Gefahr problematischer Nebenwirkungen verringert“, konstatiert Kallupis Kollege Olivier George.

Zwar müssen künftige Studien die Effektivität des Enzyms zunächst weiter untersuchen. Danach, so die Hoffnung, könnte die Substanz jedoch bald in klinischen Studien mit Menschen getestet werden. (Science Advances, 1018; doi: 10.1126/sciadv.aat4751)

(AAAS/ Scripps Research Institute, 18.10.2018 – DAL)

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