Probanden produzieren nach der Impfung Antikörper und T-Zellen gegen SARS-CoV-2 Positive Resultate für zwei weitere Corona-Impfstoffe - scinexx | Das Wissensmagazin
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Positive Resultate für zwei weitere Corona-Impfstoffe

Probanden produzieren nach der Impfung Antikörper und T-Zellen gegen SARS-CoV-2

Impfstoff
Weitere zwei Impfstoffkandidaten haben jetzt vielversprechende Ergebnisse erbracht. © Manjurol/ iStock

Wichtiger Schritt: Es gibt positive Ergebnisse für zwei weitere Impfstoff-Kandidaten gegen SARS-CoV-2. Beide Vakzinen lösten bei den Probanden eine Immunantwort aus, bei der sowohl Antikörper als auch T-Zellen gegen das Coronavirus produziert wurden. Bei beiden Impfstoffen schleust ein Trägervirus die genetische Bauanleitung für das Spike-Protein in die Zellen ein. Ob der dadurch ausgelöste Immunschutz aber vor einer Infektion schützt und wie lange er anhält, muss erst noch getestet werden.

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 läuft auf Hochtouren. Weltweit sind bereits rund 250 Kandidaten in der Entwicklung, knapp 20 werden zurzeit in klinischen Studien getestet. Das Spektrum der Impfstrategien reicht dabei von klassischen Totimpfstoffen über modifizierte Trägerviren bis hin zu neuartigen mRNA-Vakzinen, wie sie die Firmen CureVac, Biontech und Moderna zurzeit in der Entwicklung haben.

In den bislang laufenden klinischen Studien der Phasen 1 und 2 geht es zunächst darum, die Verträglichkeit der Substanzen zu überprüfen und zu testen, ob sie die gewünschte Immunreaktion bei den Empfängern auslösen. Als entscheidend dafür gilt eine ausreichende Produktion von neutralisierenden Antikörpern sowie eine zelluläre Immunantwort, beispielsweise in Form von T-Zellen.

Ad5: Ein Erkältungsvirus als Träger

Jetzt gibt es erste Ergebnisse zu zwei Impfstoffkandidaten, die jeweils in Phase-2-Studien getestet wurden. Beide Teams verwendeten modifizierte Adenoviren als Träger, deren Erbgut um die genetische Bauanleitung für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 ergänzt worden war. Dieses Protein nutzt das Coronavirus, um an menschliche Zellen anzudocken. Im Körper schleusen die Trägerviren die Bauanleitung in die Zellen ein und diese produzieren darauf hin die viralen Proteine, die dann eine Immunreaktion auslösen.

Das Team um Feng Cai Zhu vom Jiangsu Provincial Center for Disease Control and Prevention in Nanjing verwendete als Träger für ihre Vakzine ein Adenovirus, das beim Menschen harmlose Erkältungen auslöst. Das geschwächte und genetisch modifizierte Virus verabreichten die Forscher 508 Probanden verschiedenen Alters. 253 Teilnehmer erhielten eine hohe Dosis von rund 100 Milliarden Impfviren pro Milliliter Vakzin, 129 bekamen eine geringere Dosis von 50 Milliarden Impfviren und der Rest erhielt ein Placebo.

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Antikörper und T-Zellen, aber Schwächen bei älteren Probanden

Es zeigte sich: 28 Tage nach der Impfung hatten bis zu 90 Prozent der Teilnehmer T-Zellen gegen SARS-Cov-2 entwickelt. Mehr als 96 Prozent wiesen Antikörper gegen das Virus im Blut auf, von diesen lösten rund die Hälfte eine Virusneutralisation aus, wie Zhu und sein Team berichten. Nebenwirkungen der Impfung waren Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle, aber auch Fieber, Kopfschmerzen und Erschöpfung.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist ihr Ad5-Vektorimpfstoff demnach immunologisch effektiv und verträglich. Allerdings: Gerade bei den älteren Teilnehmern fiel die Immunantwort deutlich schwächer aus. Wie die Forscher erklären, liegt dies daran, dass diese Personen im Laufe ihres Lebens schon Kontakt mit dem Adenovirus hatten und daher ihr Immunsystem dieses Trägervirus schon kennt. Dies hemmt offenbar auch die Wirkung des veränderten Ad5-Virus.

„Weil gerade ältere Menschen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf und Tod bei Covid-19 haben, sind sie eine wichtige Zielpopulation für eine Impfung“, räumt Co-Autor Wei Chen vom Institut für Biotechnologie in Peking ein. Er und sein Team wollen nun testen, ob eine zweite Impfstoffgabe die Immunantwort älterer Personen auf das Vakzin verstärken kann.

ChAdOx1: Schimpansen-Virus als Impfstoffbasis

Der zweite Impfstoffkandidat könnte das Problem der Vorimmunisierung möglicherweise umgehen. Denn er beruht auf einem nicht beim Menschen vorkommenden Trägervirus: „Das neue Vakzin verwendet ein Erkältungsvirus, das Schimpansen befällt. Dieses wurde abgeschwächt, so dass es beim Menschen keine Krankheit verursachen kann und dann genetisch so verändert, dass es den Code des Spike-Proteins in sich trägt“, erklärt Studienleiter Andrew Pollard von der University of Oxford.

Dieses modifizierte Trägervirus – ChAdOx1 getauft – verabreichten die Forscher 543 gesunden Probanden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren. 534 weitere Teilnehmer erhielten als Kontrolle einen Impfstoff gegen Meningokokken.

Deutliche Immunantwort

Das Ergebnis hier: Auch dieses Vakzin regte sowohl die Produktion von Antikörpern als auch von T-Zellen gegen Sars-CoV-2 an. 28 Tage nach der Impfung hatten 91 Prozent der Probanden neutralisierende Antikörper gebildet, die T-Zellen erreichten bereits 14 Tage nach der Impfung einen Höchststand, wie die Wissenschaftler berichten. Da bei ihren Teilnehmern jedoch die Altersgruppe der über 55-Jährigen fehlte, sind noch keine Aussagen darüber möglich, ob und wie gut dieser Impfstoff-Kandidat bei älteren Menschen wirkt.

Dennoch sehen die Forscher in diesen Ergebnissen einen wichtigen ersten Erfolg. „Noch ist einige Arbeit zu leisten, bevor wir bestätigen können, dass unser Vakzin helfen wird, die Covid-19-Pandemie einzudämmen“, sagt Co-Autorin Sarah Gilbert von der University of Oxford. „Aber diese ersten Ergebnisse sind vielversprechend.“ Angesichts der positiven ersten Ergebnisse sind für beide Impfstoffkandidaten bereits Phase-3-Studien in Vorbereitung.

„Viel Potenzial“

Ähnlich positiv sehen auch nicht an den Studien beteiligte Wissenschaftler die Resultate. „Die Ergebnisse beider Studien verheißen Gutes für die folgenden Phase-3-Tests“, schreiben Naor Bar-Zeev und William Moss vom International Vaccine Access Center in Baltimore in einem begleitenden Kommentar. „Impfstoffe mit Adenoviren als Vektoren haben viel Potenzial, auch wenn diese Träger erst am 1.Juli 2020 bei einer Ebolaimpfung von der Europäischen Kommission erstmals zugelassen worden sind.“

Gerade die Tatsache, dass ganz verschiedene Typen von Vakzinen in der Entwicklung sind, hält dagegen Alex Harris von Wellcome für wichtig: „Dass innerhalb weniger Monate vielversprechende Resultate von mehreren Kandidaten vorliegen, ist bemerkenswert“, sagt er. Denn angesichts der Tatsache, dass Milliarden von Impfdosen gebraucht werden, sei wahrscheinlich mehr als ein Impfstoff nötig um die weltweite Nachfrage zu decken.

Dennoch bleibt bei bislang allen Kandidaten noch einiges unbekannt, darunter die Langlebigkeit der Immunantwort und die Immunwirkung gerade bei älteren Erwachsenen. (The Lancet,2020; doi: 10.1016/S0140-6736(20)31605-6; doi: 10.1016/S0140-6736(20)31604-4)

Quelle: The Lancet

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