Neuer Ansatz könnte Problem der Spätabstoßung nach Transplantationen lösen Niere: Organabstoßung langfristig verhindert - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neuer Ansatz könnte Problem der Spätabstoßung nach Transplantationen lösen

Niere: Organabstoßung langfristig verhindert

Arbeiten die Nieren nicht mehr, sind Patienten lebenslang auf Dialyse oder ein Spenderorgan angewiesen © Hywards/ thinkstock

Abstoßung verhindert: Spendernieren werden oft noch Jahre nach der Transplantation abgestoßen – Wissenschaftler haben nun ein Mittel erprobt, das diese Reaktion verhindern könnte. Der Wirkstoff unterdrückt die Produktion bestimmter Antikörper und zeigte sich in Tests mit Ratten erfolgreich. Das Besondere: Im Gegensatz zu anderen Medikamenten wirkt das Mittel zielgerichteter und verursacht deshalb keine starken Nebenwirkungen.

Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, sind Patienten lebenslang auf die Dialyse angewiesen – oder sie bekommen ein Spenderorgan. Für viele Betroffene bedeutet eine neue Niere nicht nur eine Verbesserung der Lebensqualität. Oft steigt im Vergleich zur Blutwäschebehandlung auch die Lebenserwartung.

Doch es gibt einen Haken: Selbst wenn die Transplantation zunächst erfolgreich war, kommt es bei etwa der Hälfte der Patienten im Verlauf von zehn Jahren zu einer sogenannten Spätabstoßung: Der Körper akzeptiert die Niere nicht mehr. Schuld an dieser Reaktion sind in der Regel bestimmte Antikörper. Medikamente, um sie zu verhindern, gibt es kaum. Und die Mittel, die es gibt, sind nur bedingt einsetzbar.

Selektive Hemmung

Bisher verfügbare Medikamente setzen das sogenannte Proteasom außer Kraft. Dieser Proteinkomplex fungiert gewissermaßen als Qualitätskontrolle in den Zellen. Unter anderem stellt er dem Immunsystem Informationen über Eindringlinge zur Verfügung, damit dieses besser zwischen Freund und Feind unterscheiden kann – und fördert auf diese Weise die Produktion von Antikörpern.

Daneben hat das Proteasom aber auch die Aufgabe, Zellmüll zu recyceln und beispielsweise fehlgefaltete Proteine zu entsorgen. Wird es nun komplett ausgeschaltet, kann es diese Funktion nicht mehr erfüllen. Es kommt zu starken Nebenwirkungen. Besser wäre es daher, nur bestimmte Teile des Proteasoms außer Gefecht zu setzen, die dem Immunsystem bei der Erfüllung seiner Aufgaben helfen. Genau diesen Ansatz haben Marcus Groettrup von der Universität Konstanz und seine Kollegen nun erfolgreich an Ratten getestet.

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Kaum noch Antikörper

Die Wissenschaftler behandelten die transplantierten Nager mit einem selektiv wirkenden Medikament namens ONX 0914, das gezielt nur einen Teil des Proteasoms hemmt. Das erfreuliche Ergebnis: Durch die Behandlung reduzierte sich bei allen Tieren die Anzahl von B-Zellen und Plasmazellen, die die Antikörper gegen die Transplantatniere produzieren. Zu starken Nebenwirkungen kam es nach Angaben der Forscher nicht.

„Die Ergebnisse sind ein voller Erfolg. Wir können die Abstoßung komplett bei allen Tieren verhindern und sehen, dass die Antikörper, die gegen das Transplantatorgan gebildet werden, praktisch kaum mehr vorhanden sind. Die Entzündungsparameter in der transplantierten Niere sind deutlich zurückgegangen und die Nierenfunktion der Empfänger ist exzellent“, berichtet Groettrup.

„Vielversprechender Ansatz“

Für die Forscher ist dies ein Hinweis darauf, dass die Immunproteasomhemmung ein vielversprechender Therapieansatz bei der Behandlung chronischer, durch Antikörper verursachter Abstoßung sein kann. In Zukunft könnten solche Hemmstoffe das Problem der Spätabstoßung verhindern, ohne zugleich das gesamte Immunsystem des Körpers zu schwächen, schließt das Team. (Kidney International, 2017; doi: 10.1016/j.kint.2017.09.023)

(Universität Konstanz, 08.12.2017 – DAL)

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