Erreger eines hämorrhagischen Fiebers erstmals auch im Nachbarland Neues Hantavirus in den Niederlanden - scinexx | Das Wissensmagazin
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Erreger eines hämorrhagischen Fiebers erstmals auch im Nachbarland

Neues Hantavirus in den Niederlanden

Hantaviren unter dem Elektronenmikroskop © CDC

Virus auf dem Vormarsch: In Europa breitet sich ein neues Hantavirus aus. Es kann beim Menschen hämorrhagisches Fieber auslösen und wurde nun erstmals auch bei wilden Ratten in den Niederlanden nachgewiesen. Das Virus kann auch ohne direkten Kontakt mit einer Ratte übertragen werden, warnen Forscher. Sie fordern eine bessere Aufklärung der Bevölkerung und eine stärkere Überwachung der europäischen Rattenpopulationen.

Hantaviren sind bei uns kaum bekannt, es kommen aber auch in Deutschland einige Arten dieser Virengruppe vor. Meist gehören sie zum sogenannten Puumala-Virus. Dieses wird von Rötelmäusen und anderen Nagetieren auf den Menschen übertragen und löst dort Fieber, grippeartige Symptome und bei schweren Verläufen auch Nierenschädigungen bis hin zum plötzlichen Nierenversagen aus. Auch neurologische Symptome können auftreten.

Virus kann hämorrhagisches Fieber auslösen

Jetzt haben Forscher in den Niederlanden erstmals eine weitere Art des Hantavirus bei wilden Ratten nachgewiesen. Das Seoul-Virus ist bisher vor allem in Asien verbreitet und kann in schweren Fällen auch hämorrhagische Fieber auslösen – Blutungen wie sie ähnlich auch bei Ebola oder dem Marburg-Virus bekannt sind. In ein bis zwei Prozent der Fälle sterben Patienten an der Infektion.

Hauptwirte des Seoul-Virus sind die Hausratte (Rattus rattus) und die Wanderratte (Rattus norwegicus) – und damit Nagetiere, die sowohl intelligent sind, als auch nahezu überall vorkommen. Deshalb gilt auch das Seoul-Virus unter den bisher bekannten Varianten des Hantavirus als die einzige Art, die das Potenzial für eine weltweite Verbreitung besitzt. Entdeckt wurde das Virus in den Niederlanden in Ratten, die sich in von Wassermanagement-Behörden aufgestellten Bisamrattenfallen gefangen hatten.

In den USA werden Hantaviren nur in Laboren der Sicherheitsstuffe 4 untersucht - ähnlich wie Ebola und Marburg. © CDC

Hohe Dunkelziffer bei Infektionen

„Die Entdeckung des Seoul-Hantavirus in den niederländischen Ratten und zuvor schon in England, Frankreich, Belgien und Schweden macht diesen Erreger zu einer neuen Herausforderung für die öffentliche Gesundheit in weiten Teilen Europas“, konstatieren Åke Lundkvist vom Zoonosis Science Centre der Universität Uppsala in Schweden und seine Kollegen.

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Bisher sind zwar nur eine Handvoll Fälle bekannt, bei denen sich Menschen durch wilde Ratten mit dem Hantavirus angesteckt haben. Die Forscher gehen aber davon aus, dass es eine große Dunkelziffer geben könnte. Denn bei leichten Verläufen kann das Fieber auch mit einer Grippe oder anderen Virusinfekten verwechselt werden. In Frankreich und Großbritannien hat es jedoch auch schon einige Fälle von hämorrhagischem Fieber gegeben. „Es ist daher dringend nötig, die Bevölkerung und das medizinische Personal über das Vorkommen dieses Hantavirus zu informieren“, so Lundkvist und seine Kollegen.

Virus überlebt auch außerhalb der Ratten

Zudem kann das Virus kann außerhalb der Ratte bei Raumtemperatur bis zu zwei Wochen lang überleben und infektiös bleiben. „Ein physikalischer Kontakt zwischen Ratte und Mensch ist daher für die Übertragung gar nicht nötig“, so die Forscher. Vor allem Schädlingsbekämpfer und andere Menschen, die in nahen Kontakt mit Ratten oder rattenbefallenen Umgebungen kommen, sollten daher zu ihrem Schutz Gesichtsmasken und Handschuhe tragen.

Wie die infizierten Ratten selbst nicht krank werden, können sie das Seoul-Hantavirus unerkannt weit verbreiten. „Solche Reservoire machen eine Ausrottung einer Krankheit unrealistisch, wenn sie sich einmal etabliert hat“, erklären die Forscher. „Unsere Ergebnisse bestärken die Notwendigkeit, die europäische Rattenpopulation stärker zu überwachen, damit wir das Risiko für die Bevölkerung besser abschätzen können.“ (Infection, Ecology & Epidemiology, 2015; doi: 10.3402/iee.v5.27215)

(Co-Action Publishing, 18.02.2015 – NPO)

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