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Neuer Therapieansatz gegen Katzenallergie

Hilfsstoff könnte die Hyposensibilisierung gegen das Katzenallergen erfolgreicher machen

Katze
Katzen sind die beliebtesten Haustiere in Deutschland – aber sie können bei manchen Menschen eine Allergie auslösen. © Julija/ iStock

Hilfe für Katzenallergiker? Ein spezieller Zusatzstoff könnte Immuntherapien gegen das wichtigste Allergen von Katzen erfolgreicher machen. In einem Versuch mit allergischen Mäusen war die Hyposensibilisierung mit einer Kombination aus dem Allergen und diesem Adjuvans erfolgreich und sorgte dafür, dass die Allergiesymptome rasch zurückgingen. Ob die Therapie auch bei Menschen funktioniert, müssen nun klinische Studien zeigen.

Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren des Menschen. Doch mehr und mehr Personen reagieren überempfindlich auf bestimmte Eiweiße, die die Stubentiger produzieren. Besonders häufig ist eine Allergie gegen das Protein Fel d 1, das typischerweise in Speichel, Drüsen, Haut und Fell der Katzen vorkommt. Schon kleinste Mengen können bei Betroffenen schwere Symptome auslösen – von Hautreizungen und Niesanfällen bis hin zu Asthma.

Bei leichteren Fällen können Medikamente wie Antihistaminika helfen, die Symptome zu lindern. In schweren Fällen dagegen – insbesondere, wenn sich der Kontakt zu Katzen nicht vermeiden lässt – hilft nur eine Hyposensibilisierung, eine sogenannte allergenspezifische Immuntherapie (AIT). Dabei bekommt der Allergiker typischerweise über mehrere Jahre hinweg steigende Dosierungen des Allergens unter die Haut gespritzt, damit sein Körper nach und nach lernt, den Fremdstoff zu tolerieren.

Helfermolekül für die Hyposensibilisierung

Forscher um Cathy Leonard vom Luxembourg Institute of Health (LIH) haben nun an Mäusen getestet, inwieweit ein spezielles Adjuvans-Molekül die Immuntherapie gegen das Katzenallergen effektiver machen kann. Als Adjuvans werden in der Immunologie Hilfsstoffe bezeichnet, die die immunstimulierende Wirkung eines Impfstoffs oder Medikaments verstärken. „Wir haben neue Wege erforscht, um die entzündungshemmende Aktivität der allergenspezifischen Immuntherapie mit dem bekannten immunmodulatorischen Adjuvans CpG zu erhöhen“, erklärt Leonard.

Dazu führten die Forscher bei Mäusen, denen eine Katzenallergie angezüchtet worden war, verschiedene Varianten einer Hyposensibilisierung durch. Einige Mäuse bekamen das Allergen Fel d 1 in Kombination mit hochdosiertem CpG gespritzt. Andere erhielten nur das Allergen, wie es bei einer klassischen Hyposensibilisierung der Fall ist, wieder andere nur hochdosiertes CpG. Eine Kontrollgruppe durchlief keine Hyposensibilisierung.

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Toleranz gegenüber dem Allergen

Die Idee dahinter: Die Kombination aus Adjuvans und Allergen soll die Aktivität der T- und B-Zellen des Immunsystems so optimieren, dass zum einen Antikörper gegen das Allergen Fel d 1 produziert werden, während zum anderen die Entzündungsreaktion minimiert wird. So soll das Immunsystem besser lernen, das Allergen zu tolerieren.

Und tatsächlich: „Alle Hauptmerkmale der allergischen Reaktion wurden durch die Immuntherapie in Kombination mit hochdosiertem CpG aufgehoben“, berichten die Forscher. Die mit dieser Kombination behandelten Mäuse reagierten auf Katzenproteine kaum stärker als nicht allergische Artgenossen und zeigten auch in Gegenwart des Allergens eine annähernd normale Lungenfunktion.

Wirksam als Therapie und Vorbeugung

Auch Blutuntersuchungen bestätigten den Befund: Im Vergleich zu unbehandelten allergischen Tieren wiesen die nach dem neuen Schema behandelten Mäuse mehr Immunzellen auf, die an der Allergieregulation und -toleranz beteiligt sind, darunter natürliche Killerzellen sowie regulatorische T- und B-Zellen. Außerdem hatten sie weniger IgE-Antikörper, die für allergische Reaktionen verantwortlich sind, und mehr Antikörper der Typen IgA und IgG, die entzündungshemmende Eigenschaften haben können.

Erfolgte die Hyposensibilisierung mit dem Allergen allein, waren die schützenden Effekte schwächer. Das Adjuvans CpG ohne Allergen hatte wie erwartet keine protektive Wirkung. „Wir zeigen zum ersten Mal, dass die Verwendung der maximalen Dosis von CpG, die beim Menschen toleriert wird, die Fähigkeit hat, die allergische Reaktion zu modulieren, wenn sie mit dem Fel-d-1-Allergen kombiniert wird“, sagt Leonards Kollege Markus Ollert.

Die Kombination aus dem Katzenallergen und dem Adjuvans CpG wirkte im Experiment nicht nur gegen eine bereits bestehende Allergie, sondern auch vorbeugend: Verabreichten die Forscher diese Kombination Mäusen, die zuvor noch nie dem Fel-d-1-Allergen ausgesetzt waren, also trotz der genetischen Veranlagung noch keine Allergie ausgeprägt hatten, wirkte die Therapie wie ein Impfstoff. „Diese Tiere zeigten keine Unterschiede zu gesunden Kontrollmäusen“, so die Forscher.

Vorbereitung auf Studien an Menschen

Für ihre Studie hatten die Forscher den Mäusen die jeweiligen Injektionen zunächst ins Bauchfell gespritzt. Um die Anwendung beim Menschen zu erleichtern, entwickelten sie die Injektionen so weiter, dass sie auch unter die Haut gespritzt werden können. Ein erneuter Test an Mäusen bestätigte, dass die Kombination auch bei dieser Verabreichungsform ähnlich wirksam war.

Nach Ansicht der Forscher sind diese Versuche damit ein gutes Modell, um die Immuntherapie gegen Katzenallergie im Tierversuch weiter zu testen. Weitere Tests dieser Art können dann den Weg zu klinischen Studien mit Menschen ebnen. Da sich die Gabe des Adjuvans auch bei hoher Dosierung bislang als verträglich und sicher erwiesen hat, sehen Leonard und ihr Team dafür gute Chancen.

Basierend auf ihren Daten erhoffen sich die Forscher, dass ihr neuer Ansatz in Zukunft zu besseren Immuntherapien gegen Allergien beim Menschen führt. (Allergy, 2021; doi: 10.1111/all.14716)

Quelle: Luxembourg Institute of Health

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