Gesamtaufnahme kann gesundheitlich unbedenkliche Mengen deutlich übersteigen Nehmen wir gefährlich viel Aluminium auf? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Nehmen wir gefährlich viel Aluminium auf?

Gesamtaufnahme kann gesundheitlich unbedenkliche Mengen deutlich übersteigen

Aluminiumschale
Aluminium kann zum Beispiel über solche Menüschalen in unseren Körper gelangen. © kwasny221/ istock

Bedenkliche Belastung: Teile der deutschen Bevölkerung nehmen wahrscheinlich regelmäßig mehr Aluminium auf als gesundheitlich unbedenklich ist. Dies enthüllt eine neue Schätzung, die erstmals nicht nur die Aluminiumaufnahme über Lebensmittel, sondern auch die Belastung durch Kosmetik, Medikamente und Verpackungen berücksichtigt hat. Die tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemengen können demnach in allen Altersgruppen deutlich überschritten werden.

Aluminium kann in hohen Mengen toxisch auf den menschlichen Körper wirken: Große Dosen des Leichtmetalls können Schäden an Nieren, Leber und Knochen verursachen und zu neurologischen Ausfallerscheinungen führen. Zunehmend zeichnet sich zudem ab, dass selbst geringe Mengen womöglich auf Dauer krankmachen. Aluminium steht unter anderem im Verdacht, an der Entstehung von Alzheimer und Brustkrebs beteiligt zu sein.

Umso besorgniserregender ist, dass das Leichtmetall regelmäßig in unseren Organismus gelangt. So sind beispielsweise Lebensmittel wie Tee, Schokolade und bestimmte Gemüsesorten natürlicherweise mit dem Element belastet. Außerdem können sich Aluminiumionen unter dem Einfluss von Salz und Säure aus Verpackungen lösen und dann in unser Essen übergehen. Und auch über die Haut nehmen wir das Leichtmetall auf – beim Gebrauch von Deos, Sonnenschutzmitteln und anderer aluminiumhaltiger Kosmetik.

Auch in manchen Deos steckt Aluminium. © Anetlanda/ istock

Erstmals Gesamtaufnahme abgeschätzt

Doch nehmen wir über diese Wege wirklich bedenkliche Aluminiummengen auf? Bisher existierten vor allem Schätzungen dazu, wie viel des Leichtmetalls über Lebensmittel den Weg in unseren Körper findet. Thomas Tietz vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin und seine Kollegen haben nun erstmals die gesamte orale und dermale Aufnahmemenge für die deutsche Bevölkerung abgeschätzt – also auch das Aluminium, das wir über Pflegeprodukte, Medikamente und Materialien wie Alufolie aufnehmen.

Für ihre Studie stützten sich die Wissenschaftler unter anderem auf Daten der sogenannten Pilot-Total-Diet-Studie und der Nationalen Verzehrstudie II. Ihre Ergebnisse verglichen sie dann mit der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) definierten „tolerierbaren wöchentliche Aufnahmemenge“. Sie liegt bei einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht. Das bedeutet: Eine 60 Kilogramm schwere Person sollte pro Woche nicht mehr als 60 Milligramm Aluminium aufnehmen.

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Empfehlung deutlich überschritten

Die Auswertungen enthüllten jedoch: Allein über die von uns verzehrten Lebensmittel nehmen wir im Durchschnitt schon 50 Prozent dieser Menge auf. Kosmetik, Medikamente und unbeschichtete Bedarfsgegenstände aus Aluminium mit eingerechnet ergibt sich dann eine Exposition, die deutlich über den Empfehlungen der EFSA liegen kann – und zwar in allen Altersgruppen, wie die Forscher herausfanden.

Als besondere Risikogruppen für eine erhöhte Aluminiumaufnahme identifizierten Tietz und seine Kollegen Säuglinge und Kleinkinder, die spezielle hypoallergene Nahrung gefüttert bekommen. Auch Menschen, die sich sehr häufig von Lebensmitteln ernähren, die in Gegenständen aus unbeschichtetem Aluminium verpackt, erhitzt oder warmgehalten wurden, sind demnach besonders gefährdet. Bei Jugendlichen und Erwachsenen spielt darüber hinaus der Gebrauch von Antitranspirantien sowie aluminiumhaltigen weißenden Zahncremes eine bedeutende Rolle für das Risiko bedenklicher Aufnahmemengen.

Sparsam sein mit Deos und Co

Welche Folgen solche erhöhten Aufnahmemengen haben, ist den Forschern zufolge noch nicht hinreichend bekannt. „Es bestehen noch wissenschaftliche Unsicherheiten, besonders bei der Einschätzung der Langzeitfolgen“, erklärt BfR-Präsident Andreas Hensel. Aus diesem Grund rät das BfR Verbrauchern dazu, die Aluminiumaufnahme aus allen vermeidbaren Quellen so gut es geht zu verringern.

Konkret bedeutet das: Wer weniger Aluminium aufnehmen will, sollte sparsam mit unbeschichteten Lebensmittelkontaktmaterialien, Antitranspirantien und aluminiumhaltigen kosmetischen Produkten umgehen. Von der Zubereitung und Lagerung von sauren und salzigen Lebensmitteln aus unbeschichteten Aluminiumbehältnissen oder Alufolie raten die Experten grundsätzlich ab.

Tee und Schokolade besonders belastet

Zusätzlich lässt sich die Aluminiumaufnahme durch die Wahl der verzehrten Lebensmittel beeinflussen. Zu den besonders belasteten Produkten gehören Tee, Kaffee, Gewürze und kakaohaltige Lebensmittel wie Schokolade. Doch auch Hülsenfrüchte, Gemüse und Getreide können größere Mengen an Aluminium enthalten.

Wer im Alltag auf diese Dinge achtet und seine Aluminiumaufnahme so reduziert, muss laut BfR wahrscheinlich keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen befürchten. (Archives of Toxicology, 2019; doi: 10.1007/s00204-019-02599-z)

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

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