Studie bestätigt Zusammenhang zwischen vorgeburtlicher Nikotinbelastung und ADHS Mütterliches Rauchen fördert ADHS beim Kind - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mütterliches Rauchen fördert ADHS beim Kind

Studie bestätigt Zusammenhang zwischen vorgeburtlicher Nikotinbelastung und ADHS

Rauchen
Rauchen der Mutter erhöht das ADHS-Risiko für ihr ungeborenes Kind. © Artem Furman/ thinkstock

Fatale Spätfolge: Wenn Mütter in der Schwangerschaft rauchen, steigt das ADHS-Risiko ihres Kindes bis auf das Dreifache, wie nun eine Studie bestätigt. Je höher der Gehalt des Nikotin-Abbauprodukts Cotinin im Blut von Schwangeren war, desto höher war später die ADHS-Rate bei den Kindern. Diese dosisabhängige Korrelation legt nahe, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem mütterlichen Rauchen und der ADHS-Erkrankung bei Kindern gibt.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung ADHS ist inzwischen die häufigste psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Betroffene sind meist hyperaktiv und haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren und sich zu konzentrieren. Doch was dieses Syndrom verursacht, ist noch immer strittig. Als mögliche Auslöser gelten genetische Faktoren, gesundheitliche Probleme der Mutter in der Schwangerschaft aber auch vorgeburtliche Belastungen mit Umweltgiften.

Blutwerte verraten Nikotinkonsum der Mütter

Einen weiteren Risikofaktor haben nun Andre Sourander von der Universität Turku und sein Team bestätigt: Nikotin. Bereits zuvor haben Studien erste Hinweise darauf erbracht, dass Mütter, die in der Schwangerschaft rauchen, häufiger Kinder mit ADHS bekommen. „Allerdings wurde die Kausalität dieses Zusammenhangs in Frage gestellt“, erklären die Forscher. Einer der Gründe dafür: Alle Studien beruhten auf der Selbstauskunft der Mütter zu ihrem Nikotinkonsum – und diese spielen ihr Rauchen meist herunter.

Deshalb haben Sourander und sein Team nun einen anderen Ansatz gewählt: Sie werteten Blutproben aus, die Ende der 1990er Jahre tausenden schwangeren Frauen entnommen und konserviert worden waren. Diese Proben analysierten die Forscher auf den Gehalt von Cotinin, dem im Körper entstehenden Abbauprodukt des Nikotins. Dadurch erhielten sie objektive Daten über den tatsächlichen Nikotinkonsum der Mütter. Diese Daten verglichen sie für 1.079 Mütter, deren Kinder später ADHS entwickelten und 1.079 Mütter gesunder Kinder.

ADHS-Rate bis zum Dreifachen erhöht

Das Ergebnis: „Es gab einen signifikanten Zusammenhang zwischen den mütterlichen Cotinin-Werten und ADHS bei ihrem Nachwuchs“, berichten Sourander und sein Team. Dieser Zusammenhang blieb auch dann erhalten, wenn andere Einflussfaktoren wie Alter und Gesundheitszustand der Mutter und des Vaters und der sozioökonomische Status der Eltern berücksichtigt wurden.

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Auffallend auch: Je höher der Nikotinkonsum der schwangeren Mütter, desto häufiger litten ihre Kinder später an ADHS. In der Gruppe mit den höchsten Cotininwerten war die ADHS-Häufigkeit sogar um das Dreifache höher als bei den Nichtrauchern, wie die Forscher berichten. Eine solche dosisabhängige Korrelation gilt als ein mögliches Indiz für einen echten kausalen Zusammenhang.

Indiz für kausalen Zusammenhang

Nach Ansicht der Forscher deuten ihre Ergebnisse daraufhin, dass das Rauchen in der Schwangerschaft die Hirnentwicklung des Kindes stören und so ADHS fördern kann. „Angesichts der Tatsache, dass noch immer viele Frauen in der Schwangerschaft rauchen, erfordern diese Ergebnisse weitere Studien zur Wechselwirkung von Rauchen, Umweltfaktoren sowie Genen und epigenetische Faktoren auf ADHS“, konstatiert Sourander. (Pediatrics, 2019; doi: 10.1542/peds.2018-3144)

Quelle: University of Turku

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