Mütter geben Erfahrungen gefühlsbetonter wieder – so entwickeln die Kinder emotionale Fähigkeiten Mütter erzählen anders als Väter - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mütter geben Erfahrungen gefühlsbetonter wieder – so entwickeln die Kinder emotionale Fähigkeiten

Mütter erzählen anders als Väter

Wie in der Familie Erinnerungen geteilt werden, hängt offenbar davon ab, ob Vater oder Mutter sie erzählt. © NIC

Bisher ging man nicht davon aus, dass es keinen Unterschied zwischen Vätern oder Müttern gibt, wenn sie Erinnerungen mit ihrem Nachwuchs teilen. Nun haben amerikanische Wissenschaftler nachgewiesen, dass es doch einen gibt. Mütter beziehen ihre Kinder stärker in den Erzählprozess mit ein und gehen mehr auf Emotionen ein. Dabei helfen sie den Kindern mehr als die Väter, Gefühle zu verstehen und besonders mit schwierigen Situationen umgehen zu lernen. Die Ergebnisse ihrer Studie stellten die Forscher jetzt im Fachmagazin „Sex Roles“ vor.

Schon seit längerem weiß man, dass das gemeinsame Erinnern an Erlebtes wichtig für die Entwicklung des Kindes ist. Es versetzt die Kinder in die Lage, Erfahrungen zu interpretieren und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einen Zusammenhang zu bringen. Auch gab es bereits Hinweise darauf, dass Mütter sich mehr Mühe beim Erzählen und gemeinsamen Erinnern geben und die Kinder stärker mit einbeziehen als es Väter tun. Diese Hypothese, sowie die Annahme, dass Eltern weniger zum Ausschmücken von Erinnerungen und Geschichten neigen, wenn sie mit ihren Söhnen statt mit den Töchtern sprechen, haben Widaad Zaman von der University of Central Florida und Robyn Fivush von der Emory University in Atlanta nun genauer untersucht.

Hausbesuche

Um ihre Hypothesen zu prüfen, baten die Forscher insgesamt 42 Familien darum, sie beim gemeinsamen Erinnern beobachten zu dürfen. Dazu besuchten zwei Wissenschaftler jede Familie zwei Mal zu Hause. Bei beiden Besuchen wurde einer der beiden Elternteile gebeten, sich mit dem Kind über vier zurück liegende Ereignisse zu unterhalten und das Gespräch aufgezeichnet. Dabei sollten die Eltern jeweils ein trauriges, ein erfreuliches Ereignis sowie zwei Konfliktsituationen – eine mit einem Altersgenossen des Kindes, die andere mit dem Elternteil selbst – auswählen und mit dem Kind darüber sprechen.

Die Auswertung der Gespräche erfolgte nur anhand der transkribierten Tonbandaufzeichnungen, damit die auswertenden Wissenschaftler nicht durch das Geschlecht oder andere Merkmale der Eltern beeinflusst werden konnten. Um die Unterschiede in der Interaktion und der Erzählweise bewerten zu können, hatten die Forscher vorab ein fünfstufiges Bewertungssystem festgelegt. Auf dieser Skala bewerteten sie das Einfühlungsvermögen und die Art und Weise wie die Eltern versuchten, die Kinder intellektuell zum Erzählen anzuregen. Dabei wurde für letzteres etwa eine niedrige Punktzahl für Eltern vergeben, die ihrem Kind nur Ja-Nein-Fragen, wie: „Waren wir gestern bei Chucky Cheese?“ oder „Du mochtest das, oder?“ stellten. Höher bewertet wurden dagegen offene Fragen, wie „Wie hat sich das angefühlt?“ oder „Was haben wir gestern unternommen, das dich glücklich gemacht hat?“. Denn diese Art von Fragen erlauben dem Kind, eine eigene Version der Situation zu entwickeln. Das hilft nach Einschätzung der Forscher den Kindern dabei, emotionale Erlebnisse zu interpretieren und zu bearbeiten.

Die Kinder in die Erzählung einzubeziehen ist wichtig für deren Entwicklung. © SXC

Gemeinsam ist besser

Das Einfühlungsvermögen in die Situation und auch inwieweit beide Gesprächspartner in die Erzählung involviert waren, bewerteten die Forscherebenfalls. Eine hohe Punktzahl erhielten hier Gespräche, bei denen Kind und Mutter oder Vater über die Erinnerung miteinander sprachen und bei Uneinigkeiten über das Erlebte diese durch gemeinsames Überlegen lösten. Niedrige Punktzahlen wurden vergeben, wenn Eltern und Kinder eine völlig andere Version des gleichen Ergebnisses zeigten und die Uneinigkeiten nicht gemeinsam gelöst wurden, sondern beide Gesprächspartner wenig Einfühlungsvermögen in die Perspektive des anderen zeigten.

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Das Ergebnis: Die Mütter schmückten die vergangenen Ereignisse mehr aus als die Väter – und dies unabhängig davon, ob ihr Kind ein Junge oder Mädchen war.. Zudem neigten die Mütter generell dazu, sich emotionaler auszudrücken als die Väter. „Mütter, die offene Fragen stellen wie beispielsweise ‚Warum warst du wütend?‘ und auf die Antworten ihres Kindes eingehen, ermöglichen es diesem, über seine Gefühle zu reflektieren und damit in Zukunft vielleicht anders umzugehen“, erklären die Forscher. Das trage zum emotionalen Wohlbefinden der Kinder bei und zeige ihnen zudem, dass die eigenen Sichtweisen und Meinungen wichtig sind und ernstgenommen werden.

Mütter helfen bei der Aufarbeitung

Die Autoren gehen davon aus, dass Mütter durch die stärkere Interaktion ihren Kindern die Aufarbeitung des Erlebten erleichtern, gleichgültig, um welche Art von Erlebnis es sich handelt. Dies geht möglicherweise einher mit dem instinktiven Bemühen der Mutter, ihrem Kind den Umgang mit schwierigen Emotionen zu erleichtern. „Unsere faszinierenden Ergebnisse helfen uns zu verstehen, wie elterliche Erzählungen über die Vergangenheit zur geschlechtsspezifischen Sozialisation der Kinder beitragen und wie Jungen und Mädchen die Geschlechterrollen dann in ihre eigenen Berichte und ihr Leben integrieren“, so die Autoren.(Sex Roles, 2013; doi:10.1007/s11199-013-0270-7)

(Sex Roles, 28.03.2013 – KBE)

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