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Mikroplastik: Schon Säuglinge sind kontaminiert

Kleinkinder haben zehnmal mehr PET-Mikroplastik im Stuhl als Erwachsene

Säugling
Schon Säuglinge und Kleinkinder nehmen große Mengen an Mikroplastik auf, wie jetzt Analysen von Kotproben belegen.© malyshkamju/ Getty images

Besonders belastet: Im Kot von Kleinkindern haben Forscher zehnmal höhere Konzentrationen von PET-Mikroplastik nachgewiesen als bei Erwachsenen. Selbst der erste Stuhlgang von Neugeborenen enthielt bereits Mikroplastikpartikel. Zur Kontamination der Kleinkinder tragen wahrscheinlich plastikhaltige Fläschchen, Beißringe und Spielzeuge bei. Ob und welche gesundheitlichen Auswirkungen das aufgenommene Mikroplastik hat, ist noch unklar.

Mikroplastik ist allgegenwärtig: Wir nehmen es mit Nahrung und Trinkwasser auf und selbst der Staub in unserer Atemluft enthält die winzigen Partikel. Ein Teil des Mikroplastiks passiert unseren Körper und wird mit dem Kot wieder ausgeschieden, ein anderer Teil reichert sich in Geweben und Organen an. Obwohl die gesundheitlichen Effekte bislang unklar sind, deuten erste Laborstudien darauf hin, dass die Plastikpartikel Zellen schädigen und zu Entzündungsreaktionen führen können.

In welchem Maße schon Kinder belastet sind, war bislang unklar. Eine frühere Studie hat bereits gezeigt, dass Plastikfläschchen eine mögliche Expositionsquelle darstellen. Ein Team um Junjie Zhang von der New York University hat nun in einer Pilotstudie Stuhlproben von drei Neugeborenen, sechs einjährigen Kindern und zehn Erwachsenen aus New York auf zwei häufige Arten von Mikroplastik untersucht: Polyethylenterephthalat (PET) und Polycarbonat (PC).

Mikroplastik in allen Stuhlproben

Das Ergebnis: „Wir haben Mikroplastik in allen Stuhlproben von Kleinkindern und Erwachsenen gefunden“, berichten die Forscher. Sogar der erste Stuhlgang von Neugeborenen enthielt bereits kleine Mengen Mikroplastik, was darauf hindeutet, dass die Babys bereits im Mutterleib den winzigen Plastikpartikeln ausgesetzt waren.

Die sechs Stuhlproben von Kleinkindern enthielten im Mittel 36 Mikrogramm PET-Mikroplastik pro Gramm Trockengewicht. Bei Erwachsenen stellten die Forscher PET-Mikroplastik in acht von zehn Stuhlproben fest, wobei der mittlere Gehalt bei 2,6 Mikrogramm pro Gramm Trockengewicht lag – also mehr als zehnmal niedriger als bei Kleinkindern. Die Polycarbonat-Konzentration im Stuhl war bei Kleinkindern und Erwachsenen ähnlich, mit durchschnittlich 78 Nanogramm bei Kleinkindern und 110 Nanogramm bei Erwachsenen.

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Von Fläschchen und Spielzeug abgelutscht

Das weckt die Frage, warum schon Kleinkinder eine so hohe Belastung mit Mikroplastik aufweisen. Wo kommt der Kunststoff her? „Die hohen Mikroplastikkonzentrationen im Stuhl von Einjährigen können wahrscheinlich darauf zurückgeführt werden, dass die Kinder viele Plastikprodukte nutzen und in den Mund nehmen, darunter Babyfläschchen, Becher, Löffel, Beißringe und Spielzeug aus Plastik“, so die Forscher. Hinzu kommen ebenso wie bei Erwachsenen Mikroplastikpartikel aus der Nahrung.

Anhand der Konzentration im Kot schätzten die Forscher ab, wie viel Mikroplastik die Untersuchten wahrscheinlich täglich zu sich nehmen. Demnach liegt die tägliche Mikroplastikaufnahme bei einjährigen Kindern bei 83 Mikrogramm PET und 0,86 Mikrogramm PC pro Kilogramm Körpergewicht, bei Erwachsenen bei 5,8 Mikrogramm PET und 0,2 Mikrogramm PC pro Kilogramm Körpergewicht.

Weitere Studien erforderlich

Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse nur Stichproben darstellen und daher noch in größeren Studien validiert werden müssen. Dabei könnten dann auch andere Plastikarten miteinbezogen werden. „Die meisten Plastikprodukte für Kinder bestehen aus Polypropylen (PP), sodass die Konzentration von PP-Mikroplastik im Stuhl der Kinder noch höher sein könnten als von PET und PC“, schreiben sie.

Den Polypropylen-Gehalt haben Zhang und seine Kollegen in ihrer Studie nicht untersucht, um Verzerrungen auszuschließen. Die Stuhlproben der Kinder stammten nämlich aus vollen Windeln – und diese bestehen aus ebenfalls Polypropylen. (Environmental Science & Technology Letters, 2021; doi: 10.1021/acs.estlett.1c00559)

Quelle: American Chemical Society

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