Sonografie könnte häufiger das Mittel der ersten Wahl sein Mehr Ultraschall statt Röntgen? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Sonografie könnte häufiger das Mittel der ersten Wahl sein

Mehr Ultraschall statt Röntgen?

In Deutschland wird sehr viel geröntgt, doch in vielen fällen könnte Ultraschall die schonenendere Bildgebung sein © Pablo K/ thinkstock

Wird in Deutschland zu viel geröntgt? Nach Ansicht einiger Mediziner schon. Denn in kaum einem anderen europäischen Land werden so viele Röntgenaufnahmen gemacht wie bei uns. Dabei gäbe es in vielen Fällen eine weniger strahlenbelastende Alternative: Ultraschall-Aufnahmen. Gerade bei Baucherkrankungen, Knochenbrüchen und Rheuma seien Ultraschalluntersuchungen ebenbürtig – oder sogar überlegen – meinen zumindest Ultraschall-Spezialisten.

Rund 1,7 Röntgenanwendungen erhält jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr – damit belegt die Bundesrepublik europaweit einen der vorderen Plätze. Angesichts der Tatsache, dass die energiereiche Röntgenstrahlung Zell- und DNA-Schäden verursachen kann, ist dies nicht unbedingt positiv. Zwar sind viele Aufnahmen medizinisch notwendig – aber längst nicht alle: Erst kürzlich kritisierte eine Studie, dass bbei Rückenschmerzen zu viel und zu früh geröntgt oder eine Tomografie gemacht wird.

Schall statt Strahlung

Aber was ist, wenn eine Bildgebung unbedingt nötig ist? Hier könnte es in vielen Fällen eine strahlungsärmere Alternative geben: Ultraschall. Die Strahlenschutzkommission (SSK) empfiehlt beispielsweise Medizinern, im Einzelfall sorgfältig zu prüfen, ob nicht eine Ultraschalluntersuchung eine röntgen- oder nuklearmedizinische Untersuchung ersetzen kann.

Der große Vorteil: „Bei der Ultraschalldiagnostik werden ausschließlich Schallwellen zur Erzeugung der Bilder verwendet, die – anders als ionisierende Strahlen – keine negativen Wirkungen auf menschliches Gewebe haben“, erklärt Wolfgang Hartung von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). „Somit kann eine Ultraschalluntersuchung theoretisch beliebig oft durchgeführt werden, ohne den Patienten zu belasten.“

Ultraschalltechnik verbessert

Bisher allerdings galt der Ultraschall für viele Anwendungen als zu ungenau und dem Röntgenbild unterlegen. Doch wie die Experten berichten, hat sich die Ultraschalltechnik in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. „Es ist nicht mehr nur möglich verschiedenste Gewebetypen darzustellen, sondern auch die Durchblutung von Extremitäten und Organen zu quantifizieren“, erläutert Hartung. „Somit kann der Ultraschall zum Beispiel im Bereich der Bauchorgane – sowohl bei akuten als auch bei chronischen Erkrankungen – eingesetzt werden.“

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Unklare Beschwerden könnten daher in vielen Fällen zunächst mit Ultraschall abgeklärt werden. Allerdings seien der Ultraschalluntersuchung auch physikalische Grenzen gesetzt, die sich von denen anderer bildgebender Verfahren grundlegend unterscheiden, räumt der Mediziner ein. „Luft ist ein natürlicher Feind der Ultraschalluntersuchung, da sie aufgrund ihrer Reflexionseigenschaften die Bildgebung erheblich stört“, so Hartung.

Vergleich von Röntgebild und Ultraschall bei einem Bruch des Oberarmknochens © DerWikinutzer1/ CC-by-sa 4.0

Sinnvoll auch bei Knochenbrüchen

Neben Baucherkrankungen können auch Knochenbrüche inzwischen gut mittels Sonografie erkannt werden. ´Bisher kommt hier jedoch noch häufig die Röntgenstrahlung zum Einsatz. „Nahezu ein Drittel aller veranlassten Röntgenuntersuchungen betreffen das Skelett“, so Hartung. „Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass bei bestimmten Knochenbrüchen die Ultraschalluntersuchung mindestens ebenbürtig – oder sogar überlegen ist.“

Der Arzt sieht vor allem bei Kindern gute Möglichkeiten, den Einsatz von Röntgenstrahlen zu vermeiden. „In naher Zukunft werden Unterarm- und Oberarmbrüche bei Kindern überwiegend durch eine Ultraschalluntersuchung diagnostiziert“, prognostiziert Hartung. Das sei besonders relevant, da der Organismus besonders im Wachstumsalter empfindlich für ionisierende Strahlen sei.

„Rheumatisch bedingte Defekte am Knochen können durch die Ultraschalluntersuchung im Schnitt sechs Monate früher erkannt werden als durch eine konventionelle Röntgenuntersuchung“, sagt Hartung. Auch hier trage der Ultraschall dazu bei, Röntgenuntersuchungen zwar nicht ganz zu ersetzten, aber die Anzahl der Untersuchungen doch deutlich zu reduzieren.

Was kann ich als Patient tun?

Nach Ansicht des Mediziners könnten künftig nicht nur Ärzte, sondern auch Patienten selbst dazu beitragen, die Anzahl unnötiger Röntgenaufnahmen und damit ihre Strahlenbelastung zu verringern. „Bei jedem Arztbesuch sollten Patienten ihren Röntgenpass mitführen, damit jede neue Untersuchung eingetragen werden kann“, rät Hartung. „Wichtige Voraufnahmen sollten ebenfalls mitgebracht werden, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden und eventuell einen Vergleich des aktuellen Befundes mit früheren zu ermöglichen.“

Zudem sollten Patienten bei ihrem Arzt nachfragen, ob die angedachten Untersuchungen tatsächlich sinnvoll sind. Darüber hinaus sollten sie sich die Notwendigkeit der Untersuchungen – und das damit verbundene Risiko – stets genau erläutern lassen.

(Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), 01.09.2017 – NPO)

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