Langzeitstudie weist erhöhtes Risiko vor allem für männliche Raucher nach Mehr Lungenkrebs durch Vitamine B6 und B12 - scinexx | Das Wissensmagazin
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Langzeitstudie weist erhöhtes Risiko vor allem für männliche Raucher nach

Mehr Lungenkrebs durch Vitamine B6 und B12

Viele Vitamin-Präparate sind viel zu hoch dosiert. Bei langanhaltender Einnahme von B6 und B12 kann dies das Lungenkrebsrisiko fördern. © The Ohio State University Comprehensive Cancer Center

Männer aufgepasst: Wer längere Zeit die Vitamine B6 oder B12 hochdosiert einnimmt, kann sein Lungenkrebs-Risiko deutlich erhöhen. Darauf deutet eine US-Studie mit gut 77.000 Teilnehmern hin. In ihr erhöhte die Einnahme dieser Vitamine die Lungenkrebsrate bei Männern um das Doppelte, bei männlichen Rauchern sogar um das Drei-bis Vierfache, wie die Forscher berichten. Bei Frauen blieb diese zuvor unerkannte Nebenwirkung seltsamerweise aus.

Vitamine sind für uns lebensnotwendig. Doch längst nicht immer gilt bei ihnen „Viel hilft viel“ – im Gegenteil. So kann das als Knochenvitamin gepriesene Vitamin D Nahrungsmittel-Allergien fördern und das Sturzrisiko älterer Menschen erhöhen. Zu viel Vitamin E schadet den Knochen und selbst Vitamin C kann bei massiver Überdosierung Nierensteine fördern.

B6 und B12 – harmlose Nervenvitamine?

Als bisher eher harmlos galten daher die Vitamine B6 und B12. Beide werden als „Nervenvitamine“ und als „Booster“ für die geistige Fitness intensiv beworben. Tatsächlich kann ein Mangel an Vitamin B12 im Alter die Konzentrationsfähigkeit schwächen und im Alter sogar das Demenzrisiko erhöhen, wie Studien nahelegen. Um dies zu vermeiden, nehmen viele gerader ältere Menschen diese Vitamine in hochdosierter Form als Nahrungsergänzungsmittel zu sich.

Doch das kann – zumindest für Männer – schwerwiegende Folgen haben, wie nun Theodore Brasky von der Ohio State University und seine Kollegen berichten. Sie haben die Daten einer US-Langzeitstudie zu Vitaminen und Lebensweise ausgewertet. Für 77.000 Teilnehmer zwischen 50 und 76 Jahren ermittelten sie, ob und in welcher Dosierung sie in den letzten zehn Jahren Vitamin B6 oder B12 eingenommen hatten und prüften die Zahl der Lungenkrebsfälle.

Zwei- bis vierfach höheres Risiko

Das Ergebnis: Die männlichen Teilnehmer, die über lange Jahre hinweg hochdosiertes Vitamin B6 oder B12 eingenommen hatten, erkrankten doppelt so häufig an Lungenkrebs wie die Männer ohne Vitaminkonsum. Potenzielle Einflussfaktoren wie der Lebensstil, Alter, Rauchen oder erbliche und umweltbedingte Vorbelastungen waren hier schon herausgerechnet.

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Noch größer war das Lungenkrebs-Risiko für männliche Raucher, die zehn Jahre lang täglich ein Mehrfaches der empfohlenen Tagesdosis dieser Vitamine eingenommen hatten. „Bei diesen Rauchern war das Risiko um das Drei- bis Vierfache erhöht“, berichtet Brasky. Bei Frauen dagegen -egal ob rauchend oder nicht – konnten die Forscher keine vermehrten Lungenkrebsfälle durch die Vitamin-Einnahme feststellen.

Dosierungen der Pillen oft viel zu hoch

Die empfohlene Tagesdosis für Vitamin B6 liegt für erwachsenen Männer bei 1,5 Milligramm, für B12 liegt die Tagesdosis bei rund drei Mikrogramm. Doch in vielen als Nahrungsergänzungsmitteln verkauften Vitaminpräparaten ist deutlich mehr B6 und B12 enthalten. „Sie werden in Dosierungen von bis zu 5.000 Mikrogramm pro Tablette verkauft – was den empfohlenen Tagesbedarf bei weitem übersteigt“, sagt Brasky.

Die Mediziner raten daher eher zu einem „Finger weg“ von hochdosierten Vitamin-B-Präparaten. „Wir bekommen bei uns ausreichend Vitamin B durch Fleisch, Kichererbsen oder auch Cerealien mit Vitaminzusatz“, so der Forscher. „Es gibt daher in der Regel keinen Grund, diese Vitamine hochdosiert noch zusätzlich einzunehmen – und auf jeden Fall nicht über Jahre hinweg.“

Gerade ältere Menschen sollten hochdosiertes B6 und B12 nur im Absprache mit ihrem Arzt einnehmen, so die Empfehlung der Experten. Sie haben bereits zwei weitere Studien begonnen, um den Zusammenhang von Lungenkrebs und Vitamin B6 und B12 näher zu untersuchen. Zudem wollen sie herausfinden, warum der negative Effekt bei Frauen nicht aufzutreten scheint. (Journal of Clinical Oncology, 2017)

(Ohio State University, 23.08.2017 – NPO)

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