Geschlechtsunterschiede beim Altern des Herzmuskels erfordern spezifische Prävention Männerherzen werden im Alter schwerer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Geschlechtsunterschiede beim Altern des Herzmuskels erfordern spezifische Prävention

Männerherzen werden im Alter schwerer

Das Herz altert bei Männern und Frauen unterschiedlich - und damit unterscheiden sich auch die Ursachen von altersbedingten Herzkrankheiten. © FreeImages.com

Frauenherzen schrumpfen, Männerherzen werden schwerer: Wie unser Herz altert, hängt vom Geschlecht ab. Altersbedingte Herzkrankheiten haben durch diese biologischen Unterschiede daher bei Männern und Frauen unterschiedliche Ursachen, berichten Mediziner. Präventionsmaßnahmen sollten daher im Idealfall geschlechtsspezifisch angepasst sein, meinen die Forscher im Fachmagazin „Radiology“.

Unser Herz ist das ganze Leben hindurch im Dauereinsatz – und mit zunehmendem Alter macht sich das bemerkbar: Der lebenswichtige Muskel wird mit den Jahren immer kleiner und schwächer. Dies geschieht bei Männern und Frauen gleichermaßen. Dennoch gibt es eindeutige Unterschiede: Das Risiko eines Herzinfarktes steigt ebenfalls mit dem Alter, ist bei Männern aber höher als bei Frauen.

Herzen beim Altern zusehen

Mediziner um João Lima von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore wollten darum herausfinden, wie sich das Herz im Alter abhängig vom Geschlecht verändert. Dazu untersuchten sie mithilfe von Magnetresonanztomographie (MRT) die Herzen von fast 3.000 gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 54 und 94 Jahren. Von jedem Herz machten sich die Forscher zweimal ein detailliertes Bild, und zwar im Abstand von zehn Jahren. Auf diese Weise konnten die Forscher jedem Herzen sozusagen beim Altern zusehen.

Die Ergebnisse zeigen: Bei beiden Geschlechtern wird die Hauptherzkammer, also der linke Herzventrikel, im Laufe der Zeit kleiner. Dadurch kann weniger Blut in das Herz gelangen und weniger Blut wird zurück in den Körper gepumpt. Die Durchblutung des Gehirns und aller anderen wichtigen Körperorgane ist verringert – umgangssprachlich spricht man bei einer deutlich verminderten Leistungsfähigkeit auch von einem Altersherz.

Unterschiedliche Ursachen für Herzerkrankungen

Bei Männern wird der Studie zufolge gleichzeitig jedoch der Herzmuskel, der die Kammer umgibt, größer und dicker. Bei Frauen bleibt dieser unverändert oder schrumpft sogar. Männliche Herzen werden folglich mit dem Alter schwerer, weibliche Herzen nicht. Das Gewicht der Herzkammer nahm bei den Männern im Schnitt acht Gramm zu, während es sich bei den Frauen um 1,6 Gramm verringerte. Das Fassungsvermögen der Kammer nahm dagegen bei beiden Geschlechtern ab – der Effekt war bei den Frauen jedoch stärker: Sie verloren in einem Jahrzehnt dreizehn Milliliter, die Männer nur knapp zehn.

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„Das bedeutet, dass altersbedingten Herzerkrankungen bei männlichen Patienten andere körperliche Veränderungen zugrunde liegen könnten als bei weiblichen Betroffenen“, sagt Studienautor Lima. Sowohl ein verringertes Herzkammervolumen als auch ein dickerer Herzmuskel bedeuten laut den Forschern ein erhöhtes Risiko für altersbedingte Herzschwäche und Herzversagen. Frauen könnten die Erkrankung dabei aus anderen Gründen entwickeln als Männer – auch wenn noch unklar ist, wodurch diese Unterschiede beim Alterungsprozess genau zustande kommen.

Personalisierte Medizin nach Geschlecht

Das würde sich auch auf die Wirksamkeit von medizinischen Präventionsmaßnahmen auswirken. Denn Patienten mit einem schwachen Herzen werden oft Medikamente verschrieben, die einem akuten Herzversagen vorbeugen sollen. Solche Mittel zielen darauf ab, den verdickten Herzmuskel wieder zu verkleinern und so die Pumpleistung des Herzens zu steigern.

Die Entdeckung, dass Herzmuskeln bei Frauen im Alter aber gar nicht dicker werden, lege nahe, dass Patientinnen von einer solchen Behandlung womöglich weniger oder gar nicht profitierten, schreiben die Wissenschaftler. „Vielleicht brauchen wir hier eine Form der personalisierten Medizin und müssen Frauen anders behandeln als Männer.“ (Radiology, 2015)

(Johns Hopkins Medicine / Radiological Society of North America, 20.10.2015 – DAL)

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