Eine Testosteron-Gabe fördert jedoch auch bei Frauen die Orientierung Männer haben den besseren Richtungssinn - scinexx | Das Wissensmagazin
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Eine Testosteron-Gabe fördert jedoch auch bei Frauen die Orientierung

Männer haben den besseren Richtungssinn

Wo geht's lang? Der Richtungssinn ist bei Männern stärker ausgeprägt. © FreeImages.com / Rita Mezzela

Rechts, links oder geradeaus? Männer und Frauen orientieren sich auf unterschiedliche Weise: Männer haben den besseren Sinn für Richtungen, Frauen finden sich besser vor Ort zurecht. Entscheidend dafür ist offenbar das Geschlechtshormon Testosteron, wie ein Experiment nun belegt: Erhalten Frauen zusätzliches Testosteron, aktiviert dieses auch bei ihnen die Hirnregion, die den Sinn für die vier Himmelsrichtungen kontrolliert.

Das Gehirn von Männern und Frauen unterscheidet sich nicht grundsätzlich, wie eine Studie erst kürzlich gezeigt hat. Allerdings nutzen beide Geschlechter das Gehirn in einigen Situationen unterschiedlich. So gilt es beispielsweise als erwiesen, dass Männer im Schnitt einen besseren Orientierungssinn haben als Frauen – auch über unterschiedliche Kulturen hinweg. Wissenschaftler um Carl Pintzka von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in Trondheim haben die Unterschiede bei der Orientierung nun genauer untersucht.

Stärkerer Richtungssinn bei Männern

In einem ersten Schritt ließen sie dazu 18 Männer und 18 Frauen verschiedene Navigationsaufgaben lösen. Mit einer 3D-Brille erkundeten die Teilnehmer zunächst ein virtuelles Labyrinth. Anschließend versuchten sie, innerhalb von 30 Sekunden Aufträge wie „Finden Sie das gelbe Auto“ zu lösen. Dieses Experiment bestätigte zunächst, dass Männer sich in der Tat besser in den vier Himmelsrichtungen orientieren können: Die männlichen Teilnehmer lösten im Schnitt 50 Prozent mehr Aufgaben als die Frauen.

Mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) fanden die Forscher außerdem heraus, dass Männer und Frauen zum Teil unterschiedliche Hirnregionen nutzen, um sich zu orientieren. Bei Männern ist demnach während der Navigation im Labyrinth der Hippocampus aktiver. Dieser Hirnbereich dient unter anderem der Orientierung in den vier Himmelsrichtungen. Frauen nutzten dagegen verstärkt Hirnareale im Frontalbereich.

Navigationsaufgaben im Labyrinth: Blau sind die Routen der Frauen, rot die von den Männern gewählten Wege. © NTNU

„Frauen finden Dinge im Haus, Männer finden das Haus“

„In früheren Zeiten waren die Männer Jäger und die Frauen Sammler“, sagt Erstautor Pintzka. „Unsere Gehirne entwickelten sich daher wahrscheinlich unterschiedlich.“ Dies deckt sich mit früheren Studienergebnissen, nach denen Frauen schneller als Männer Gegenstände in einem lokal begrenzten Gebiet auffinden. „Frauen finden schneller Dinge im Haus, Männer finden das Haus schneller“, verdeutlicht Pintzka.

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In einem Folgeexperiment untersuchten die Forscher den Einfluss des Geschlechtshormons Testosteron. Dazu gaben sie 42 Frauen jeweils eine Dosis Testosteron oder ein Placebo als Tropfen unter die Zunge. Die Probandinnen lösten anschließend ebenfalls die Navigationsaufgaben im 3D-Labyrinth.

Geschlechtsunterschiede bei Alzheimer durch Hormone?

Das Testosteron steigerte zwar nicht die Zahl der Aufgaben, die die Frauen erfolgreich lösten. „Aber sie hatten eine bessere Kenntnis vom Layout des Labyrinths“, beschreibt Pintzka, „und sie nutzten in größerem Ausmaß ihren Hippocampus, der auch von Männern mehr zum Navigieren genutzt wird.“

Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse auch dabei helfen, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gehirnerkrankungen zu erklären. „Fast alle Hirnkrankheiten sind bei Männern und Frauen verschieden, entweder in Häufigkeit oder Schwere der Krankheit“, sagt Pintzka. „Daher schützt oder schadet wahrscheinlich irgendetwas den Menschen jeweils eines Geschlechts.“ Der Verlust des Orientierungssinnes ist eines der ersten Symptome der Alzheimer-Krankheit. „Da wir wissen, dass doppelt so viele Frauen wie Männer mit Alzheimer diagnostiziert werden, gibt es vielleicht einen schädlichen Zusammenhang mit Geschlechtshormonen“, meint Pintzka. (Behavioral Brain Research,2015; doi: 10.1016/j.bbr.2015.10.056)

(Norwegian University of Science and Technology, 07.12.2015 – AKR)

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