Forscher finden Zusammenhang zwischen Gesichtsform, Linkshändigkeit und Tuberkulose Linkshändigkeit ist am Gesicht ablesbar - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher finden Zusammenhang zwischen Gesichtsform, Linkshändigkeit und Tuberkulose

Linkshändigkeit ist am Gesicht ablesbar

Menschen mit schmalem Kinn sind mit höherer Wahrscheinlichkeit Linkshänder. © pixabay

Verrät unser Gesicht, welche Hand wir bevorzugen? Tatsächlich sind Menschen mit schmalem Gesicht mit 25 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit Linkshänder, wie eine neue Studie zeigt. Gleichzeitig gilt ein schlanker Kiefer als Zeichen für erhöhte Tuberkuloseanfälligkeit. Das könnte darauf hindeuten, dass die gleichen Gene hinter all diesen Merkmalen stehen, so zumindest die Vermutung der Forscher.

Nur zehn bis 15 Prozent der Menschen sind Linkshänder. Welche Hand wir als „starke“ Hand zum Schreiben oder Werfen benutzen, steht schon vor unserer Geburt fest – und ist durch die Gene, aber auch durch Umwelteinflüsse bestimmt. Eine Studie von Philippe Hujoel der University of Washington hat nun einen Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und der Gesichtsform aufgedeckt.

Ein Gesicht mit konkavem Profil geht oft mit Überbiss und Linkshändigkeit einher. © Philippe Hujoel

Das Gesicht der Linkshändigkeit

Der Wissenschaftler wertete medizinische Daten von 13.536 Probanden aus, um herauszufinden welche Zusammenhänge zwischen der Gesichtsform und der Händigkeit besteht. Dazu untersuchte er, wie die unteren und oberen Zähne im geschlossenen Mund aufeinanderliegen.

Das Ergebnis der statistischen Analyse: Teilnehmer mit einem schmaleren Kiefer hatten nicht nur häufiger einen deutlichen Überbiss, sondern waren auch mit 25 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit linkshändig. Ihre Gesichter werden von Hujoel einem konvexen Typ zugeordnet, bei dem Stirn und Kinn stärker abgeflacht sind, während Oberkiefer und Nasenregion mehr hervorstehen.

Anfällig für Tuberkulose?

Besondere Bedeutung erhält die Studie aufgrund der Tatsache, dass schmale Kiefer als typisch für das schlanke körperliche Erscheinungsbild von Tuberkulose-anfälligen Menschen gelten: „Das niedrige Körpergewicht bei solch einer schmalen Figur wird noch heute vom amerikanischen Zentrum für Krankheitskontrolle als Marker für Tuberkulose-Anfälligkeit genutzt“, erklärt Hujoel.

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Für den Forscher stellt sich nun die Frage: Erhöhen die genetischen Faktoren, die den Kiefer formen und ebenfalls die Tuberkulose-Anfälligkeit beeinflussen, auch die Wahrscheinlichkeit von Linkshändigkeit? Die Hinweise sind seinen Angaben nach vorhanden. Aber noch reichen die Ergebnisse nicht aus, um das abschließend zu beantworten.

Geografische Auffälligkeiten

Ein Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und Tuberkulose würde jedenfalls einige geografische Auffälligkeiten erklären. So werde Hujoel zufolge Großbritannien allgemein als „Tuberkulose-Zentrum Westeuropas“ beschrieben – und habe zudem eine auffällig weite Verbreitung von schmalen Gesichtern und Linkshändigkeit in der Bevölkerung.

Auch der umgekehrte Zusammenhang von robuster Gestalt, Rechtshändigkeit und Tuberkuloseresistenz könnte sich in historischen Beschreibungen von Eskimos aus dem neunzehnten Jahrhundert widerspiegeln, spekuliert Hujoel. Diese galten gemeinhin als immun gegen Tuberkulose und wurden in zeitgenössischen Darstellungen „alle“ als Rechtshänder gezeigt, wenn sie zum Beispiel mit dem Speer jagten.

Ob diese geografischen Auffälligkeiten wirklich mehr als bloße Zufälle sind, müssen aber weitere Untersuchungen überprüfen, betont der Wissenschaftler. (Laterality: Asymmetries of Body, Brain and Cognition, 2017; doi: 10.1080/1357650X.2017.1317265)

(University of Washington Health Sciences/UW Medicine, 02.05.2017 – CLU)

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