Schub für die Entartung: Forscher haben einen Mutationstyp in unserem Erbgut identifiziert, der besonders krebsfördernd ist. Die karzinogene Wirkung dieses „Mutationsnebels“ ist sogar stärker als die von Tabakrauch oder UV-Strahlung. Er kann hunderte von DNA-Fehlern auf einmal erzeugen – und trifft dabei besonders oft Tumorsuppressorgene. Auslöser dieser Mutationen ist ein körpereigenes Enzym, das normalerweise das Erbgut von Viren zerstören soll.
Krebs entsteht, wenn DNA-Schäden oder Mutationen die normalen Kontrollmechanismen der Zelle außer Kraft setzen. Dadurch beginnen die entarteten Zellen sich unkontrolliert zu vermehren, statt im zellulären Selbstmordprogramm abzusterben. Auslöser von krebsfördernden Mutationen können äußere Faktoren wie Strahlung, Tabakrauch und andere krebserregende Chemikalien sein, aber auch interne Auslöser wie fehlgeleitete Enzyme oder der explosive Zerfall ganzer Chromosomen.
Enzyme gegen Viren greifen eigene DNA an
Eine neue Form von krebsfördernden Mutationen durch körpereigene Faktoren haben nun David Mas-Ponte und Fran Supek vom Barecelona Institut für Wissenschaft und Technologie aufgespürt. Dabei handelt es sich um „Klumpen“ gehäufter Mutationen, die wie ein Nebel über das Genom verteilt sind. Typisch für diesen „Mutationsnebel“ ist, dass dabei falsche Basen in einen der beiden DNA-Stränge eingebaut werden.
Verursacher dieser DNA-Veränderungen ist eine Gruppe von sogenannten Cytosin-Desaminasen. „Diese Enzyme verteidigen uns gegen Viren, indem sie deren genetisches Material schädigen“, erklären die Forscher. Dafür lagern sich diese Enzyme an einzelne Erbgutstränge an, beispielsweise an die Boten-RNA eines Virus oder auch an einen einzelnen DNA-Strang, tauschen dort Basen aus und machen so den Gencode unbrauchbar.









