Als Nahrungsergänzung eingenommen erhöht das Mineral das Risiko für Herzinfarkte Kalzium: Zu viel schadet - scinexx | Das Wissensmagazin
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Als Nahrungsergänzung eingenommen erhöht das Mineral das Risiko für Herzinfarkte

Kalzium: Zu viel schadet

Brausetablette im Glas. In dieser Form nehmen Hunderttausende weltweit Kalzium als Nahrungsergänzung ein. © Stefanie Wulf / CC-by-sa 3.0

Kalzium ist unverzichtbar für unsere Knochen, aber auch für Zähne und die Zellfunktion. Viele Menschen nehmen das Mineral daher als Brausetablette oder Pulver zusätzlich ein – im Glauben, ihrem Körper etwas Gutes zu tun. Aber das stimmt nicht unbedingt: Schon seit Längerem gibt es Hinweise darauf, dass die zusätzliche Einnahme von Kalzium zu mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen und Todesfällen führen kann. Zwei aktuelle Studien haben dies nun erneut bestätigt. Experten raten daher dazu, sich auf die normale Kalziumzufuhr über die Nahrung zu verlassen und es nicht ergänzend einzunehmen.

Das Mineral Kalzium macht etwa 1,5 Prozent der Körpermasse im menschlichen Organismus aus. Es ist essenziell für die Festigkeit von Knochen und Zähnen, aber auch wichtig für die Signal-Weiterleitung innerhalb der Zellen. Normalerweise nehmen wir genügend von diesem Mineral mit unserer Nahrung zu uns. Kalzium ist insbesondere in Milch und Milchprodukten, einigen Gemüsen wie Brokkoli, Grünkohl, Fenchel oder Lauch und Mineralwässern, aber auch in normalem Trinkwasser enthalten, insbesondere wenn keine Kalkfilter in den Leitungen eingebaut sind.

Obwohl die meisten Menschen genügend Kalzium mit Essen und Trinken aufnehmen, gehört das Mineral zu den am häufigsten verwendeten Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Erhebung aus dem vergangenen Jahr ergab, dass etwa die Hälfte der US-amerikanischen Bevölkerung Kalzium als Tabletten oder Brause zuführt. „Eine zusätzliche Einnahme von Kalziumsupplementen zur Vorbeugung einer Osteoporose ist jedoch nur dann empfehlenswert, wenn eine ausreichende Kalziumaufnahme über die Nahrung nicht gewährleistet ist, wie es gerade bei älteren Menschen oft der Fall ist“, erläutert Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in Bochum.

Mehr Herzinfarkte und mehr Todesfälle

Eine Auswertung von Daten einer Studie der National Institutes of Health (NIH) von etwa 380.000 Männern und Frauen über einen Zeitraum von zwölf Jahren zeigt nun Besorgnis erregende Ergebnisse. Die Kalziumeinnahme ab 1.000 Milligramm pro Tag war bei Männern mit einem um 20 Prozent höheren Sterberisiko an kardiovaskulären Erkrankungen verbunden. Bei Frauen hingegen beobachteten die Forscher keinen Anstieg. Nicht berücksichtigt wurden allerdings in dieser großen Analyse andere Faktoren wie beispielsweise zusätzlich eingenommenes Vitamin D. Es bleibe somit offen, ob es einen Geschlechtsunterschied wirklich gebe, so der Experte aus Bochum.

Eine weitere aktuelle prospektive schwedische Kohortenstudie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde, untersuchte bei über 60.000Frauen ebenfalls den Zusammenhang von Kalziumeinnahme und Sterblichkeit. Eine hohe tägliche Kalziumaufnahme von über 1.400 Milligramm war dabei mit mehr Todesfällen infolge von Herzinfarkten verbunden, nicht aber mit mehr Todesfällen durch Schlaganfall. Bei niedrigeren Mengen von 600 bis 1.000 Milligramm pro Tag fanden die Forscher keine erhöhte Sterblichkeit.

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„Beide Studien zeigen, dass es bei einer Kalziumsupplementierung ab 1.000 Milligramm aufwärts pro Tag zu einem erhöhten kardiovaskulären Risiko kommt“, warnt Schatz. „Das gilt – solange wir keine weiteren Studien haben – gleichermaßen für Männer und Frauen.“ Kalzium sollte man also nicht zusätzlich zu sich nehmen, sondern besser nur mit der Nahrung, rät der Endokrinologe aus Bochum. (JAMA Intern. Med., 2013; British Medical Journal, 2013)

(Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 27.02.2013 – NPO)

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