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Kaffeetrinken kann die Leber schützen

Drei bis vier Tassen Kaffee am Tag senken Risiko für Fettleber, Zirrhose und Co

Kaffee
Kaffee enthält zahlreiche gesunde Inhaltsstoffe – und kann offenbar auch leberschützend wirken. © Alex Raths/ thinkstock

Wohlschmeckende Prävention: Schon ein paar Tassen Kaffee am Tag können offenbar das Risiko für Lebererkrankungen wie Zirrhose, Fettleber oder Leberkrebs verringern – um bis zu 20 Prozent. Das legt eine Langzeitstudie mit fast 500.000 Teilnehmern nahe. Sie bestätigt damit frühere Beobachtungen, nach denen Kaffee und auch entkoffeinierter Kaffee leberschützend wirken können. Welche Kaffee-Inhaltsstoffe für diesen positiven Effekt verantwortlich sind, ist jedoch noch unklar.

Kaffee ist nicht nur eines der beliebtesten Getränke weltweit, entgegen früheren Annahmen ist er sogar gesund. Die Inhaltsstoffe des Kaffees scheinen Herz und Gefäße zu schützen, können das Risiko für verschiedene Krebsarten senken und dem Diabetes vorbeugen. Zudem hilft das koffeinhaltige Heißgetränk gegen Stress und Gewichtszunahme und kann sogar unsere DNA vor Schäden bewahren.

Leber
Im Jahr 2017 starben 1,3 Millionen Menschenweltweit an einer chronischen Lebererkrankung. © magicmine/ Getty images

Hilft Kaffee gegen Zirrhose, Fettleber und Co?

Einen weiteren positiven Gesundheitseffekt des Kaffees bestätigt nun eine Langzeitstudie aus Großbritannien. Oliver Kennedy von der University of Southampton und sein Team haben bei 495.585 Teilnehmern einer Langzeitstudie untersucht, wie der Kaffeekonsum das Risiko für Lebererkrankungen wie Zirrhose, nichtalkoholische Fettleber oder Leberkrebs beeinflusst. „Chronische Lebererkrankungen gehören zu den schwerwiegendsten Gesundheitsproblemen weltweit“, erklären die Forschenden.

Erste Beobachtungen und Tierversuche legten bereits nahe, dass Kaffee einen leberschützenden Effekt haben könnte. Es fehlten jedoch umfangreichere Langzeitstudien – dies hat das Team nun nachgeholt. „Unsere Studie ist unseres Wissens nach die erste, die die Effekte verschiedener Kaffeearten auf chronische Lebererkrankungen direkt und in einer großen Kohorte untersucht“, so das Team. In der Studie wurden die tägliche Kaffeemenge und -art dokumentiert und der Gesundheitszustand der Testpersonen über zehn Jahre hinweg verfolgt.

Geringstes Risiko bei drei bis vier Tassen am Tag

Das Ergebnis: Insgesamt traten in den zehn Jahren 3.600 Fälle chronischer Leberschäden, 5.439 Fälle von Fettleber und 184 Leberkrebsfälle auf, 301 Teilnehmer starben an einem Leberleiden. Signifikant häufiger waren davon jedoch Personen betroffen, die wenig oder keinen Kaffee getrunken hatten. „Das Risiko nahm umgekehrt proportional zum Kaffeekonsum ab, am niedrigsten war es bei drei bis vier Tassen Kaffee am Tag“, berichten Kennedy und seine Kollegen.

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Ihren Analysen zufolge senkte das regelmäßige Kaffeetrinken das Risiko der Teilnehmer für Fettleber und andere chronische Lebererkrankungen um rund 20 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Lebererkrankung zu sterben, reduzierte sich sogar um 49 Prozent. Für Leberkrebs waren ebenfalls leicht positive, aber nicht signifikante Effekte erkennbar, so die Forschenden. Diese positiven Effekte traten bei allen Kaffeevarianten auf, waren aber bei normalem Bohnenkaffee stärker als bei Instantkaffee und entkoffeiniertem Kaffee.

Welche Inhaltsstoffe könnten verantwortlich sein?

Nach Ansicht der Wissenschaftler bestätigen ihre Ergebnisse, dass Kaffee eine schützende Wirkung auf die Leber. „Dieser protektive Effekt des Kaffeekonsums ist biologisch durchaus plausibel“, erklären sie. So ist vom Kaffeeinhaltsstoff Koffein bereits bekannt, dass er eine übermäßige Kollagenbildung von Leberzellen hemmen kann, wie sie für die Zirrhose typisch ist.

Weil aber auch entkoffeinierter Kaffee in der Studie kaum weniger wirksam war, sehen Kennedy und sein Team eher andere Inhaltsstoffe als die entscheidenden Akteure. Mögliche Kandidaten wären die als Antioxidans wirkende Chlorogensäure, aber auch die Terpenverbindungen Kahweol und Cafestol. Beide haben sich im Tierversuch bereits als entzündungshemmend und zellschützend erwiesen, außerdem wirkten sie bei Ratten und Hamstern tumorhemmend.

Neuer Ansatzpunkt für die Prävention

Noch müssen die genauen Zusammenhänge weiter erforscht werden, wie auch die Wissenschaftler einräumen. Dennoch sehen sie in ihrer Studie eine wichtige Bestätigung früherer Annahmen – und eine große Chance: „Unsere Resultate sind bedeutsam, weil es bislang kaum effektive Vorbeugungs- und Behandlungsstrategien für chronische Lebererkrankungen gibt“, so Kennedy und seine Kollegen. „Das gilt besonders für Länder mit geringem und mittlerem Einkommen, in denen die Häufigkeit dieser Lebererkrankungen am höchsten ist.“ (BMC Public Health, 2021; doi: 10.1186/s12889-021-10991-7)

Quelle: Biomedcentral

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