Schlafentzug stört Insulin-Stoffwechsel im Tierversuch so stark wie sechs Monate fettreiche Diät Insulin-Resistenz durch Schlafmangel? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schlafentzug stört Insulin-Stoffwechsel im Tierversuch so stark wie sechs Monate fettreiche Diät

Insulin-Resistenz durch Schlafmangel?

Fehlender Schlaf hat Folgen für die Gesundheit: Eine durchwachte Nacht führt zu ähnlicher Insulin-Resistenz wie sechs Monate fettreicher Ernährung. © Thinkstock / OcusFocus

Schon eine einzige Nacht ohne Schlaf kann ähnliche Folgen haben wie sechs Monate lang fettiges Essen: Beides bringt den Insulin-Haushalt ähnlich stark aus dem Gleichgewicht, wie eine Studie an Hunden zeigt. Mediziner sollten darum Patienten darüber aufklären, dass im Kampf gegen Diabetes und Übergewicht eine ungestörte Nachtruhe ebenso wichtig ist wie eine ausgewogene Ernährung, meinen die Forscher.

Müde, schlapp und unaufmerksam fühlen wir uns nach einer schlaflosen Nacht schon unmittelbar am nächsten Tag. Schlafmangel kann aber auch langfristige Folgen haben: Unser Gehirn braucht die Ruhepause, um zuvor Gelerntes zu verarbeiten und Stoffwechsel-Abfälle zu beseitigen. Fehlt die Zeit dafür, nimmt das Gehirn auf Dauer schweren Schaden und unser Gedächtnis lässt nach. Gerät unser Schlafrhythmus zu sehr aus dem Takt oder stören Lärm und Licht den Schlaf, kann das sogar zu Depressionen und Übergewicht führen. Schichtarbeiter haben aus diesem Grund ein höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Insulin-Resistenz durch Schlafmangel

Eine Vorstufe von Diabetes ist die sogenannte Insulin-Resistenz: Dabei reagieren die Zellen weniger empfindlich auf das Hormon Insulin und nehmen weniger Zucker aus dem Blut auf. Der Körper muss darum mehr Insulin produzieren, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Mögliche Folgen dieser geringeren Insulin-Empfindlichkeit sind Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„Frühere Forschung hat gezeigt, dass sowohl Schlafmangel als auch eine fettreiche Ernährung die Empfindlichkeit für Insulin senken“, sagt Josiane Broussard vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles. Allerdings waren die Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren bislang wenig erforscht, und es blieb daher unklar, welcher Faktor die schwerwiegenderen Konsequenzen hat.

Dies haben Broussard und seine Kollegen nun an Hunden genauer untersucht. Dazu bestimmten sie mit einem sogenannten Glukose-Toleranztest, wie stark die Versuchstiere auf Insulin reagierten. Ein Teil der Hunde verbrachte zuvor eine ruhige Nacht, während andere wach bleiben mussten. Anschließend erhielt eine Gruppe der Tiere für sechs Monate eine sehr fettige Diät. Am Ende dieser Phase wiederholten die Forscher das Schlafmangel-Experiment inklusive Insulinmessung.

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Schlaflose Nacht senkt Insulin-Empfindlichkeit um ein Drittel

Es stellte sich heraus, dass schon eine einzige gestörte Nachtruhe den Insulinstoffwechsel in ähnlicher Weise stört wie sechs Monate lang fettiges Futter: Nach der ersten Nacht unter Schlafmangel reagierten die Hunde um rund ein Drittel weniger auf Insulin als die Kontrollgruppe. Die fettreiche Diät allein senkte die Insulin-Empfindlichkeit um 21 Prozent. Hatte durch das fettige Futter jedoch bereits eine Insulin-Resistenz begonnen, so wirkte sich der Schlafmangel am Ende der sechs Monate nicht weiter aus.

Da der Schlafmangel im Anschluss an diese fetten Monate keine weiteren Folgen hat, vermuten die Forscher, dass beide Faktoren Auslöser für ähnliche Mechanismen sind. Es könne jedoch auch sein, dass Ernährung der schwerwiegendere Faktor ist, so dass fehlender Schlaf die beginnende Insulinresistenz nicht weiter in die Höhe treibt. Die möglichen Mechanismen wollen die Wissenschaftler nun genauer erforschen. Außerdem wollen sie herausfinden, ob und wie schnell sich die durch Schlafmangel gestörte Insulin-Empfindlichkeit wieder erholt.

Schlafentzug so verheerend wie fettreiche Ernährung

„Unsere Studie deutet daraufhin, dass eine Nacht mit völligem Schlafentzug sich genauso verheerend auf die Insulin-Empfindlichkeit auswirkt wie sechs Monate einer fettreichen Ernährung“, fasst Broussard zusammen. „Sie zeigt, wie wichtig ausreichend Schlaf für einen stabilen Blutzuckerspiegel und damit ein niedrigeres Risiko für Stoffwechselkrankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes ist.“

Daher sei es wichtig, dass Ärzte und Ernährungsberater ihre Patienten auch über die Bedeutung von gesundem Schlaf aufklären, betont Caroline Apovian von der Obesity Society: „Viele Patienten begreifen die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung, aber sie haben möglicherweise keine klare Vorstellung davon, wie kritisch Schlaf für das innere Gleichgewicht des Körpers ist.“

(Obesity Society, 05.11.2015 – AKR)

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