Forscher decken Zusammenhang zwischen Aufstehschwindel und Gehirnleiden auf Höheres Demenzrisiko bei Schwindel? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher decken Zusammenhang zwischen Aufstehschwindel und Gehirnleiden auf

Höheres Demenzrisiko bei Schwindel?

Häufiger Schwindel könnte ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Demenz und Schlaganfall sein. © Zynkevych/ istock

Früher Hinweis: Wer beim Aufstehen regelmäßig unter Schwindel leidet, könnte ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten haben. Eine Studie zeigt: Betroffene von Aufstehschwindel im mittleren Alter erkranken in späteren Jahren häufiger an Demenz. Zudem erleiden sie öfter einen Schlaganfall. Was hinter diesem Zusammenhang steckt, ist noch völlig unklar – womöglich könnten sich dadurch aber neue Möglichkeiten für die Prävention ergeben.

Schwindel kann viele Ursachen haben. Tritt das schwummerige Gefühl häufig beim Aufstehen aus einer sitzenden oder liegenden Position auf, steckt aber höchstwahrscheinlich ein plötzlicher Abfall des Blutdrucks dahinter. Mediziner sprechen bei diesem Phänomen von orthostatischer Hypotonie. Eine solche Störung des Kreislaufsystems ist nicht nur unangenehm. Weil Betroffene beim Aufstehen mitunter sogar kurz bewusstlos werden, können auch schwere Stürze und Unfälle die Folge sein.

Doch das ist noch nicht alles: Es gibt Hinweise darauf, dass diese Form des niedrigen Blutdrucks zudem mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und andere Leiden einhergeht. „Wir wollten nun herausfinden, ob es auch einen Zusammenhang zu Problemen mit dem Gehirn gibt – insbesondere Demenz„, sagt Andreea Rawlings von der Johns Hopkins University in Baltimore.

Hingelegt und aufgestanden

Für ihre Studie rekrutierten die Wissenschaftler 11.709 Probanden in einem durchschnittlichen Alter von 54 Jahren. Alle Teilnehmer wurden zu Beginn auf orthostatische Hypotonie hin untersucht. Dafür mussten sie sich mehrmals 20 Minuten lang hinlegen und dann zügig aufstehen. Fiel der systolische Blutdruck dabei um mindestens 20 Millimeter-Quecksilbersäule oder der diastolische um mindestens zehn, galten sie als von der Kreislaufstörung betroffen. Dies war bei insgesamt 552 Personen der Fall.

Über einen Zeitraum von 25 Jahren verfolgten Rawlings und ihre Kollegen dann die Krankengeschichte der Studienteilnehmer. Dazu trafen sie sich bis zu fünfmal mit ihnen und lasen außerdem regelmäßig deren Krankenakten. Besonderen Fokus legten sie dabei auf Demenzerkrankungen und den ischämischen oder auch weißen Schlaganfall, der durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns zustande kommt.

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Erhöhtes Risiko

Die Auswertung zeigte: Tatsächlich erkrankten vom Aufstehschwindel Betroffene häufiger an diesen Leiden. So war das Demenzrisiko bei ihnen im Vergleich zu gesunden Personen um 54 Prozent erhöht. Während in der Gruppe der von Schwindel Geplagten 12,5 Prozent krank wurden, waren es in der anderen Gruppe nur neun Prozent.

Beim Schlaganfall war das Risiko in der Schwindelgruppe doppelt so hoch. Hier erkrankten 15,2 Prozent im Vergleich zu 6,8 Prozent in der Kontrollgruppe. Interessanterweise stellten die Forscher hingegen keine Verbindung mit sogenannten roten Schlaganfällen fest, die durch Hirnblutungen verursacht werden.

Was steckt dahinter?

Wie dieser Zusammenhang zwischen Aufstehschwindel, Demenz und Schlaganfall zustande kommt, ist den Wissenschaftlern zufolge noch völlig unklar. Weitere Studien müssten mögliche Ursache-Wirkung-Beziehungen in Zukunft genauer erforschen. Bestätigen sich die Ergebnisse, könnte dies unter anderem Auswirkungen auf die Präventionsmedizin haben.

„Im mittleren Alter den Blutdruckabfall nach einem Lagewechsel zu messen, könnte eine neue Möglichkeit darstellen, Menschen mit einem erhöhten Risiko für Demenz und Schlaganfall frühzeitig zu identifizieren – und entsprechend engmaschig zu beobachten“, schließt Rawlings. (Neurology, 2018)

(American Academy of Neurology, 26.07.2018 – DAL)

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