Ketogene Ernährung könnte das Immunsystem beim Kampf gegen Influenza unterstützen Hilft die Ketodiät gegen Grippe? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hilft die Ketodiät gegen Grippe?

Ketogene Ernährung könnte das Immunsystem beim Kampf gegen Influenza unterstützen

Ketodiät
Bei der ketogenen Diät stammt ein Großteil der Kalorien aus Fett. © grandriver/ istock

Stärkung fürs Immunsystem: Die sogenannte Ketodiät kann den Körper offenbar gegen Grippeviren wappnen. Zumindest bei mit Influenza infizierten Mäusen führte diese Ernährungsweise zu milderen Krankheitsverläufen und einer geringeren Sterblichkeit, wie Forscher berichten. Offenbar aktiviert die fettreiche Ernährung bestimmte Immunzellen in der Lunge. Ob dieser Effekt auch bei menschlichen Patienten auftritt, ist aber noch unklar.

Die ketogene Diät ist eine besondere Form der Low-Carb-Ernährungsweise. Dabei werden Kohlenhydrate weitestgehend durch Fett ersetzt, das rund 80 bis 90 Prozent der Kalorien liefert. Die Kohlenhydrate machen weniger als ein Prozent der Kalorienzufuhr aus. Diese extreme Form der Ernährung bringt den Körper dazu, seinen Stoffwechsel wie beim Fasten umzustellen: Er verbrennt nun Fett zur Energiegewinnung statt wie sonst Kohlenhydrate. In der Leber entstehen bei diesem Prozess sogenannte Ketonkörper.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Ketodiät nicht nur zum Abnehmen geeignet ist. Sie scheint sich zudem positiv auf die geistige und körperliche Fitness auszuwirken und unter anderem die Blutzuckerwerte verbessern zu können – zumindest bei Männern. Außerdem haben Forscher Hinweise darauf gefunden, dass die fettreiche Ernährungsweise einen positiven Einfluss auf das Immunsystem hat.

Fettreiche Diät vs. normales Futter

Ausgehend von dieser Beobachtung haben sich Emily Goldberg von der Yale School of Medicine in New Haven und ihre Kollegen gefragt, ob eine ketogene Ernährungsweise auch die Reaktion des Immunsystems auf Krankheitserreger wie das Grippevirus verbessern und so zu einem milderen Krankheitsverlauf führen kann.

Um dies herauszufinden, führten die Wissenschaftler Experimente mit Mäusen durch: Sie ernährten die Nager sieben Tage lang nach den Regeln der Ketodiät, bevor sie sie per Nasenspray mit dem Influenza-A-Virus ansteckten. Eine Kontrollgruppe wurde ebenfalls infiziert, diese Tiere hatten sich zuvor jedoch normal ernährt. Das bedeutet, sie nahmen nur 18 Prozent ihrer Kalorien in Form von Fett auf.

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Milderer Krankheitsverlauf

Wie würden sich die unterschiedlichen Ernährungsweisen auf den Verlauf der Infektion auswirken? Die Ergebnisse offenbarten: Die Ketodiät hatte tatsächlich einen positiven Effekt. So verloren die ketogen ernährten Mäuse durch die Grippeerkrankung kein Gewicht, die Virenlast in ihrer Lunge war geringer und der Sauerstoffgehalt in ihrem Blut höher. Außerdem überlebten in der Diätgruppe mehr Tiere die Infektion, wie das Forscherteam berichtet.

Wie lässt sich dies erklären? Weitere Untersuchungen enthüllten, dass die ketogene Ernährungsweise offenbar bestimmte Immunzellen in der Lunge aktiviert. Konkret fördert sie demnach die Vermehrung von Gamma-Delta-T-Zellen. „Das war für uns eine völlig unerwartete Erkenntnis“, erklärt Goldbergs Kollegin Akiko Iwasaki. Bisher seien diese speziellen T-Zellen nicht mit der Reaktion des Immunsystems auf Influenza-Erreger in Verbindung gebracht worden.

Schützende Schleimbarriere

Interessant auch: Dieser Effekt zeigte sich nur bei einer ketogenen Ernährung – die Gabe von Ketonen als Nahrungsergänzungsmittel beeinflusste die Gamma-Delta-T-Zellen dagegen ebenso wenig wie eine fettreiche Ernährung mit höherem Kohlenhydratanteil. Dass die Aktivierung dieser Immunzellen entscheidend für den positiven Einfluss auf den Grippeverlauf ist, bestätigte ein weiteres Experiment: Mäuse, denen das Gen für die Gamma-Delta-T-Zellen fehlte, bescherte eine ketogene Ernährungsweise keinen milderen Krankheitsverlauf.

Warum aber schwächen die Gamma-Delta-T-Zellen die Durchschlagskraft der Viren ab? Die Wissenschaftler vermuten, dass die Immunzellen die Erreger nicht direkt abtöten. Stattdessen kurbeln sie wahrscheinlich die Schleimproduktion der Epithelzellen in den Atemwegen an. Dies wirkt dann gewissermaßen als Barriere, die die Viren nicht durchdringen können – und schützt die Lunge so vor einer Invasion der Krankheitserreger.

Neuer Ansatz für die Prävention?

„Die Studie zeigt, dass die Art, wie unser Körper Fett verbrennt und aus unserer Nahrung Ketonkörper produziert, das Immunsystem beim Kampf gegen Grippeviren unterstützen kann“, konstatiert Goldbergs Kollege Vishwa Deep Dixit. Welche Mechanismen jedoch im Detail hinter diesem Phänomen stecken und ob sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, müssen weitere Studien erst noch zeigen. Doch bestätigt sich der Effekt, gäbe es damit eine neue Präventionsmöglichkeit gegen die Influenza – eine Virusinfektion, die jedes Jahr weltweit tausende von Todesopfern fordert.

Allerdings ist auch die Ketodiät mit Risiken verbunden: Diese Low-Carb-Diät ist sehr unausgewogen und damit nicht nur schwer durchzuhalten. Es besteht auch die Gefahr, mit dem vielen Fett zu viele Kalorien aufzunehmen oder einen Mangel an lebensnotwendigen Nährstoffen und Vitaminen zu entwickeln. Eine Ernährungsumstellung sollte daher nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen. (Science Immunology, 2019; doi: 10.1126/sciimmunol.aav2026)

Quelle: AAAS/ Yale University

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