Der Geschmackssinn für Bitterstoffe wird durch das Rauchen dauerhaft geschädigt Gebremster Kaffeegenuss für Raucher - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der Geschmackssinn für Bitterstoffe wird durch das Rauchen dauerhaft geschädigt

Gebremster Kaffeegenuss für Raucher

Rauchen schädigt den Geschmackssinn dauerhaft © SXC

Viele Raucher können den Geschmack einer Tasse Kaffee nicht voll auskosten, denn sie können die Bitterstoffe ihres Koffein-Kicks nicht schmecken. Und auch das Aufhören hilft da nicht: Ex-Raucher erlangen den Geschmackssinn für die bitteren Aromen des Kaffees nicht zurück, wie Forscher in der Fachzeitschrift „Chemosensory Perception“ berichten.

Durch die giftigen Chemikalien im Tabak führt Rauchen zu Geschmacksverlust. Es verursacht außerdem Strukturveränderungen der Pilzpapillen der Zunge, in denen sich die Geschmacksknospen befinden. Das ist bereits bekannt. Ob sich der Geschmackssinn wieder vollkommen regeneriert, nachdem jemand mit dem Rauchen aufgehört hat und wie lange dies dauert, war allerdings noch nicht erforscht.

Auch Ex-Raucher können Bitterstoffe schlechter schmecken

Nelly Jacob vom Pitié-Salpêtrière Hospital APHP in Frankreich und ihre Kollegen gingen diesen Fragen nach und testeten 451 Mitarbeiter von Pariser Krankenhäusern darauf, ob und wie intensiv sie die vier grundlegenden Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig schmecken können. Die Teilnehmer wurden in Raucher, Nichtraucher und Ex-Raucher aufgeteilt. An drei aufeinanderfolgenden Weltnichtrauchertagen erprobten die Probanden ihren Geschmackssinn an den Testsubstanzen.

Raucher können den Geschmack einer Tasse Kaffee nicht voll auskosten. © SXC

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass alle Teilnehmer – egal, ob Raucher oder nicht – die Geschmacksrichtungen salzig, süß und sauer gut schmecken konnten. Bei der Wahrnehmung von Bitterstoffen im Koffein sah das jedoch anders aus: Hier mussten sowohl die Raucher als auch die ehemaligen Raucher öfter passen. Die Bitterrezeptoren der Zunge können diesen Geschmack normalerweise noch in sehr geringen Konzentrationen wahrnehmen. Jedem fünften Raucher (19,8 Prozent) sowie jedem vierten Ex-Raucher (26,5 Prozent) gelang dies allerdings nicht. Bei den Nichtrauchern hingegen konnten nur 13,4 Prozent die bitteren Prüfmuster bei den Geschmackstests nicht richtig zuordnen.

Geschmacksknospen bleiben dauerhaft geschädigt

Doch wie kommt es, dass Raucher die Bitterstoffe weniger gut schmecken können? Einige Verbrennungsprodukte des Tabaks reichern sich im Körper der Raucher an. Dort verhindern sie, dass Geschmacksknospen sich regenerieren können, wie die Wissenschaftler vermuten. Dadurch sei die Wahrnehmung bestimmter Geschmacksrichtungen auch dann noch beeinträchtigt, wenn man das Rauchen aufgegeben hat.

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Wie genau das Rauchen den Geschmackssinn beeinflusst wollen die Forscher in Zukunft noch genauer hinterfragen. „Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, die Wahrnehmung von Bitterstoffen genauer zu untersuchen, um so zum einen besser bei der Raucherentwöhnung unterstützen zu können und zum anderen auch bereits präventiv den Einstieg in ein Raucherdasein zu verhindern. Generell halten wir es für sinnvoll, die Rolle der chemosensorischen Wahrnehmung beim Rauchverhalten näher zu untersuchen“, erklärt Jacob. (Chemosensory Perception, 2014; doi: 10.1007/s12078-014-9164-5

(Springer, 25.03.2014 – KEL)

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