Zu viel Fruchtzucker kann bei Bluthochdruck-Patienten zu Herzvergrößerung und -versagen beitragen Fruktose kann dem Herzen schaden - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zu viel Fruchtzucker kann bei Bluthochdruck-Patienten zu Herzvergrößerung und -versagen beitragen

Fruktose kann dem Herzen schaden

Fruchtzucker kann im Herzen einen Teufelskreis des Wachstums in Gang setzen © Sergey Novens/ Thinkstock, Fruktose: gemeinfrei

Von wegen gesund: Forscher haben einen zuvor unbekannten Nebeneffekt des Fruchtzuckers entdeckt. Nimmt ein Bluthochdruck-Patient viel davon zu sich, kann der Zucker eine krankhafte Vergrößerung des Herzmuskels fördern. Denn die Fruktose setzt im Herzgewebe ein Enzym frei, das einen Teufelskreis des Wachsens antreibt, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten. Sie empfehlen, Limonaden und Fertiggerichte mit viel Fruchtzucker zu meiden.

Fruktose galt bisher eigentlich als gesund, ist dieser Zucker doch in vielen Früchten von Natur aus enthalten. Zudem lässt der Fruchtzucker den Blutzuckerspiegel nur langsam steigen und löst im Gegensatz zur Glukose keine überschießende Insulin-Ausschüttung aus. Weil Fruktose süßer schmeckt als der Traubenzucker, setzt die Lebensmittelindustrie diesen Zucker besonders gerne ein. Er ist in unzähligen Limonaden und Fertigprodukten zugesetzt – oft in rauen Mengen.

Versteckter Dickmacher

Oft ist der Fruktosegehalt eines Produkts nicht auf den ersten Blick zu erkennen. „Gehen Sie einmal durch einen Supermarkt und schauen Sie sich die Etiketten von Lebensmitteln an“, sagt Wilhelm Krek von der ETH Zürich. „In sehr vielen davon ist Fruktose auch in Form von Saccharose, also Haushaltszucker, enthalten.“ Anderen ist Maissirup als Süßungsmittel zugesetzt –und damit auch Fruktose.

Das Problem dabei: Inzwischen ist bekannt, dass die Fruktose schädlicher für unsere Gesundheit ist als angenommen. Denn dieser Zucker wird von der Leber besonders effizient in Fett umgewandelt. Als Folge nimmt man bei ständig hohem Fruktosekonsum eher zu, als wenn man die gleichen Kalorien durch normale Nahrung aufnehmen würde, wie Studien mit Mäusen bereits vor Jahren gezeigt haben. Auch das Risiko für Bluthochdruck, Insulinresistenz und das metabolische Syndrom steigt.

Fruktose lässt die Herzzellen unkontrolliert wachsen. © P. Mirtschink, Tatiana Simka/ ETH Zürich

Fatale Kettenreaktion

Wilhelm Krek und seine Kollegen haben nun eine weitere brisante „Nebenwirkung“ der Fruktose entdeckt. Bei Versuchen mit Mäusen und in Gewebeproben von Menschen entdeckten sie einen molekularen Mechanismus, über den der Zucker ein unkontrolliertes Wachstum des Herzmuskels verursachen kann. Dies kann sogar zu einem tödlichen Herzversagen führen.

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Leidet der Mensch unter Bluthochdruck, wächst der Herzmuskel, um trotz des Drucks genügend Blut in den Kreislauf pumpen zu können. Die Energie dafür gewinnen die Herzmuskelzellen unter anderem aus der Glykolyse, der Aufspaltung von Zuckern. Ist nun viel Fruktose verfügbar, wird dabei ein Enzym gebildet, Ketohexokinase-C (KHK-C), wie Krek und seine Kollegen feststellten.

Dies jedoch setzt einen Teufelskreis in Gang: Das Enzym kurbelt die Glykolyse und damit das Wachstum des Herzmuskels immer weiter an, weil es keine negative Rückkopplung und damit auch keine natürliche Bremse für dieses Enzym gibt, wie die Forscher erklären. In Gewebeproben von Patienten mit krankhafter Herzvergrößerung fanden sie tatsächlich mehr KHK-C als bei gesunden Menschen. Schalteten sie bei Mäusen mit chronischem Bluthochdruck dagegen das Enzym KHK-C aus, ließ sich eine Vergrößerung des Herzens verhindern.

Normaler Fruchtverzehr unbedenklich

Angesichts dieser Erkenntnisse empfehlen die Forscher, auf stark gezuckerte Limonaden und Fruchtsäfte zu verzichten. Auch Fertiggerichte und andere Speisen, bei denen große Mengen an Fruktose als Geschmacksträger eingesetzt werden, sollten nicht zu häufig gegessen werden. „Schon dieser Überschuss an Fruktose kann dazu beitragen, den von uns beschriebenen Mechanismus in Gang zu setzen, wenn einer der Stressfaktoren wie Herzklappenerkrankungen oder Bluthochdruck vorhanden sind“, betont Erstautor Peter Mirtschink von der ETH Zürich.

Der Verzehr von einer normalen Tagesration Früchten sei aber unbedenklich und gesund. „Früchte enthalten neben Fruktose auch zahlreiche wichtige Spurenelemente, Vitamine und Ballaststoffe“, so der Forscher. (Nature, 2015; doi: 10.1038/nature14508)

(Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich), 18.06.2015 – NPO)

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