Die kindliche Entwicklung ist individuell sehr verschieden und schwer vorhersehbar Frühe erste Schritte sprechen nicht für höhere Intelligenz - scinexx | Das Wissensmagazin
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Die kindliche Entwicklung ist individuell sehr verschieden und schwer vorhersehbar

Frühe erste Schritte sprechen nicht für höhere Intelligenz

Säugling © SXC

Viele halten sie auf Videos oder Bildern fest: Die ersten Schritte der Sprösslinge. Dass dabei unwichtig ist, ob die Kleinen schon mit acht Monaten herumflitzen oder erst ein paar Monate später, haben jetzt Schweizer Kinderärzte nachgewiesen. Sie raten den Eltern daher zu ein bisschen mehr Gelassenheit beim Vergleich mit gleichaltrigem Nachwuchs. Denn der Zeitpunkt der ersten Schritte stehe in keinem Zusammenhang mit späteren kognitiven und motorischen Leistungen der Kinder, so die Forscher im Fachmagazin „Acta Neuropathologica“.

Weil Eltern ihrem Nachwuchs große Aufmerksamkeit schenken, vergleichen sie ihn oft mit anderen Kindern beim Spielen im Sandkasten oder beim Herumtollen auf Spielplätzen. Wenn das Kleine später aufrecht sitzt oder zu laufen beginnt als andere Kinder, fürchten viele, dass ihr Kind in der Entwicklung hinterherhinkt. Schweizer Forscher haben nun untersucht, ob diese elterliche Angst begründet ist oder Nachzügler-Eltern ganz beruhigt die Entwicklung ihres Kindes verfolgen können. Es zeigte sich: die meisten dieser Befürchtungen sind unbegründet.

Große zeitliche Spannbreite

Im Rahmen der Studie haben die Kinderärzte um Oskar Jenni vom Kinderspital Zürich die Entwicklung von 119 Jungen und 103 Mädchen genau verfolgt. Die Forschenden haben die Kinder in den ersten beiden Lebensjahren sieben Mal untersucht und später im Schulalter alle zwei bis drei Jahre Bewegungs- und Intelligenztests mit ihnen durchgeführt. Die Resultate zeigen, dass die Kinder im Alter zwischen etwas weniger als vier und 13 Monaten erstmals aufrecht sitzen. Zu laufen beginnen sie im Alter zwischen 8,5 und 20 Monaten, im Schnitt mit zwölf Monaten. Die Streuung ist somit beträchtlich.

In einer statistischen Auswertung verglichen die Forscher diese Daten mit den Ergebnissen zur späteren Intelligenz und Entwicklung der Kinder. Es zeigte sich, dass kein Zusammenhang zwischen dem Alter besteht, in dem die Kinder diese motorischen Meilensteine erreichen, und den späteren kognitiven und motorischen Leistungen. Mit anderen Worten: Kinder, die später als andere zu gehen beginnen, sind im Schulalter genau so geschickt und intelligent wie die Kinder, die schon früh auf ihren Beinen waren.

Mehr Gelassenheit

„Ich rate deshalb Eltern zu mehr Gelassenheit, wenn ihr Kind erst mit 16 oder 18 Monaten zu gehen beginnt“, sagt Jenni. Seine Ergebnisse bedeuteten jedoch nicht, dass auf das Alter bei den ersten Schritten nicht mehr zu achten sei. Wenn ein Kind nach 20 Monaten noch nicht selbstständig geht, seien weitergehende medizinische Abklärungen angebracht.

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(Schweizerischer Nationalfonds SNF, 28.03.2013 – KBE)

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