Forscher decken Zusammenhang zwischen schadhaften Spermien und Fehlgeburten auf Fehlgeburt: Auch der Vater kann schuld sein - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher decken Zusammenhang zwischen schadhaften Spermien und Fehlgeburten auf

Fehlgeburt: Auch der Vater kann schuld sein

Spermium und Eizelle
Welche Rolle spielt die Sperma-Qualität für das Risiko einer Fehlgeburt? © Sashkinw/ thinkstock

Schlechte Spermien-Qualität: Die Ursachen für wiederkehrende Fehlgeburten liegen entgegen gängiger Annahme offenbar nicht nur in der Gesundheit der Mutter begründet. Wie eine Studie nun nahelegt, spielt auch der Vater eine Rolle. Demnach weisen die Spermazellen betroffener Männer auffällig viele DNA-Schäden auf. Diese könnten durch die Anreicherung hochreaktiver Sauerstoffmoleküle entstehen und womöglich eine Folge bakterieller Infektionen oder Alterungsprozessen sein.

Verlieren werdende Eltern ihr Kind, noch bevor der Fötus mithilfe intensivmedizinischer Unterstützung überlebensfähig gewesen wäre, sprechen Mediziner von einer Fehlgeburt. Dieses auch Abort genannte Ereignis ist für betroffene Paare psychisch sehr belastend – vor allem dann, wenn es mehr als einmal passiert.

Solche wiederkehrenden Fehlgeburten werden in der Regel mit gesundheitlichen Problemen der Mutter in Verbindung gebracht. So ist etwa bekannt, dass Infektionen oder Immunerkrankungen das Risiko für eine frühzeitige Beendigung der Schwangerschaft erhöhen. Doch in letzter Zeit zeichnet sich ab, dass auch der Vater das Risiko einer Fehlgeburt beeinflussen kann.

Auffällig viele DNA-Schäden

„Jüngeren Studien zufolge spielt das männliche Sperma unter anderem eine wichtige Rolle für die Bildung der Plazenta, die entscheidend für die Versorgung des Ungeborenen mit Sauerstoff und Nährstoffen ist“, sagt Channa Jayasena vom Imperial College London. Aus diesem Grund haben er und seine Kollegen die mögliche Rolle des Vaters in diesem Zusammenhang nun genauer untersucht.

Für ihre Studie verglichen die Wissenschaftler das Sperma von 50 Männern, deren Frauen bereits mindestens dreimal eine Fehlgeburt erlitten hatten, mit den Samenzellen von 60 Probanden, deren Partnerinnen bisher keinen Abort erlebt hatten. Dabei zeigte sich tatsächlich eine Auffälligkeit: Das Sperma der von Fehlgeburten betroffenen Männer wies zahlreiche DNA-Schäden auf – doppelt so viele wie das Sperma der Probanden aus der Kontrollgruppe.

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Folge von Infektionen?

Jayasenas Team führt diese Schäden auf den Einfluss sogenannter reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) zurück. Denn die Konzentration dieser hochreaktiven Moleküle war bei den betroffenen Männern um das Vierfache erhöht. ROS werden unter anderem im Zuge der Abwehr bakterieller Infektionen in den Körperzellen gebildet – nehmen sie aber Überhand, kann dies schädlich sein.

„Zwar litt zum Zeitpunkt der Untersuchung keiner der Probanden unter einer Bakterieninfektion – zum Beispiel mit Chlamydien. Allerdings könnten von früheren Infektionen noch Keime in der Prostata verblieben sein. Dies könnte zu dauerhaft erhöhten Konzentrationen reaktiver Sauerstoffspezies in den Samenzellen führen“, vermutet Jayasena.

Fehlgeburt-Risiko verringern

Darüber hinaus könnten auch Einflussfaktoren wie Übergewicht und das Alter der Männer eine Rolle spielen. So ergaben die Analysen, dass die Männer, deren Frauen wiederholt Fehgeburten erlitten hatten, im Schnitt sieben Jahre älter waren als die Probanden aus der Kontrollgruppe und zudem etwas mehr überflüssige Pfunde auf die Waage brachten. „Wir untersuchen nun, ob sich diese Faktoren ebenfalls auf die ROS-Konzentration ausgewirkt haben könnten“, schreibt das Team.

„Bestätigen weitere Studien, dass sich reaktive Sauerstoffspezies im Sperma auf das Fehlgeburt-Risiko auswirken, können wir womöglich Therapien entwickeln, die die Konzentration dieser Moleküle reduzieren und die Chance auf eine gesunde Schwangerschaft erhöhen“, schließt Jayasena. (Clinical Chemistry, 2019; doi: clinchem.2018.289348)

Quelle: Imperial College London

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