Männliche Forscher nutzen häufiger Adjektive wie "einzigartig" oder "vielversprechend" Fachartikel von Männern sind selbstlobender - scinexx | Das Wissensmagazin
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Fachartikel von Männern sind selbstlobender

Männliche Forscher nutzen häufiger Adjektive wie "einzigartig" oder "vielversprechend"

Forscher
Die oft bessere Selbstvermarktung männlicher Wissenschaftler zeigt sich auch in ihren Fachartikeln. © poba/ iStock

Subtiles Framing: Männliche Forscher „verkaufen“ ihre Forschungsergebnisse in Fachartikeln besser als Frauen, wie eine Studie enthüllt. Demnach nutzen Männer häufiger Adjektive wie „einzigartig“, „neuartig“ oder „vielversprechend“ in den Titeln oder Kurzzusammenfassungen ihrer Studien als Frauen – und das zahlt sich aus: Im Schnitt bringt dieses Eigenlob bis zu 13 Prozent mehr Zitierungen.

Eigentlich sollen wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachartikeln sachlich, faktenbasiert und natürlich korrekt und überprüfbar sein – dafür sorgen unter anderem Kontrollinstanzen wie die Peer-Review, die Begutachtung durch Fachkollegen. Zudem sollte die Bewertung des Inhalts unabhängig davon sein, wer die Autoren sind und welches Geschlecht sie haben. Einige Fachjournale sind deshalb schon dazu übergegangen, nur noch die Initialen der Autoren anzugeben.

Framing in Fachartikeln
Nutzung positiver Adjektive in Fachartikeln von Männern und Frauen. © Name /CC-by-nc 4.0

Framing durch subtiles Eigenlob?

Doch auch innerhalb der Fachartikel gibt es offenbar einen subtilen Gender-Effekt, wie nun Marc Lerchenmüller von der Universität Mannheim und seine Kollegen herausgefunden haben. Für ihre Studie hatten sie mithilfe eines Analyseprogramms die Sprache von mehr als sechs Millionen Fachpublikationen aus dem Bereich der Medizin und der Biowissenschaften ausgewertet. Verglichen wurden dabei jeweils Artikel mit männlichen oder weiblichen Erst- und Seniorautoren aus demselben Journal und Jahr im Zeitraum von 2002 bis 2017.

Ziel der Forscher war es, in ihren Analysen nach Hinweisen auf ein „positives Framing“ zu suchen – sprachlichen Ausdrücken, die in den eigentlich sachlich-neutralen Studien und Ergebnissen eine positive Wertung verliehen. Beispiele dafür sind wertende Adjektive wie „vielversprechend“, „einzigartig“, „neuartig“ oder auch „exzellent“. Lerchenmüller und sein Team verglichen, ob es einen Geschlechterunterschied im Gebrauch von 25 dieser Ausdrücke gibt.

Mehr positive Ausrücke bei Männern

Sie wurden fündig: Männliche Forscher nutzen in ihren Fachartikeln signifikant häufiger Ausdrücke des positiven Framings. Im Schnitt ergab der Vergleich bis zu 13 Prozent mehr positiv wertende Adjektive bei Veröffentlichungen mit männlichen Hauptautoren als bei denen von Forscherinnen. Am stärksten ausgeprägt war dieser Geschlechterunterschied dabei ausgerechnet bei den Fachjournalen mit dem größten Prestige – dort lag er sogar bei 21 Prozent, wie die Forscher ermittelten.

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„Damit liefert unsere Studie klare Belege dafür, dass Männer in Medizin und Lebenswissenschaften ihre Forschung positiver präsentieren als es Frauen tun“, konstatieren Lerchenmüller und sein Team. ‚“Diese Unterschiede in der Selbstvermarktung könnten mit dazu beitragen, dass Frauen in der akademischen Medizin und in der Wissenschaft allgemein noch immer unterrepräsentiert sind.“ Denn die Bewertung und Wirkung der eigenen Publikationen spielen für die wissenschaftliche Karriere eine entscheidende Rolle.

Wer sich mehr lobt, wird häufiger zitiert

Dass das positive Framing konkrete Vorteile bringt, belegen die Analysen: Die Fachartikel, die selbstlobende Ausdrücke enthielten, wurden bis zu 13 Prozent häufiger von anderen Publikationen zitiert, wie Lerchenmüller und sein Team berichten. Auch hier war der Unterschied umso ausgeprägter, je renommierter das Fachjournal war. „Das deutet darauf hin, dass die beobachteten Geschlechterunterschiede beim positiven Framing durchaus wichtige Konsequenzen hat“, so die Forscher.

Dies demonstriert, dass es auch in der vermeintlich sachlichen Wissenschaftswelt durchaus auf die richtige Selbstvermarktung ankommen kann – und dass es dabei noch immer Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Die Forscher vermuten, dass diese Form des „Verkaufens“ eigener Leistungen und Ergebnisse bei Männern gesellschaftlich stärker akzeptiert ist. Mädchen und Frauen werden dagegen eher dazu angehalten, bescheidener aufzutreten.

„Die Faktoren, die den Gender-Disparitäten in der akademische Welt zugrundeliegen, sind vielfältig und komplex“, betont Koautor Anupam Jena von der Harvard University. „Aber es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass auch Sprache dabei eine Rolle spielt – sowohl als Triebkraft der Ungleichheit als auch als Symptom der Genderunterschiede in der Sozialisation.“ (British Medical Journal (BMJ), 2019; doi: 10.1136/bmj.l6573)

Quelle: Universität Mannheim, Harvard Medical School

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