Entscheidung für oder gegen bestimmtes Essen ist stark vom Gedächtnis beeinflusst Erinnerung übertrumpft Vorlieben - scinexx | Das Wissensmagazin
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Entscheidung für oder gegen bestimmtes Essen ist stark vom Gedächtnis beeinflusst

Erinnerung übertrumpft Vorlieben

Die Auswahl zwischen verschiednen Snacks hängt von der Erinnerung ab - oft auch gegen die eigentlichen Vorlieben. © thinkstock

Schokolade oder Salzstangen? Wir entscheiden uns bei zwei Snacks häufig für denjenigen, der mit einer stärkeren Erinnerung verbunden ist – selbst wenn wir die Alternative eigentlich lieber mögen. Diesen starken Einfluss des Gedächtnisses auf Entscheidungsprozesse haben Neurowissenschaftler nun im Experiment nachgewiesen. Auch was dabei im Gehirn geschieht, berichten sie im Fachmagazin „Neuron“.

Wer sich einmal den Magen an Muscheln oder zu viel Tequila verdorben hat, denkt danach häufig „Nie wieder!“ Wie unangenehme Konsequenzen mancher Nahrungsmittel zu einer extremen Abneigung führen können, wissen viele Menschen aus eigener Erfahrung. Sie werden sich zukünftig wahrscheinlich eher für anderes Essen entscheiden, das nicht mit leidvollen Erinnerungen verknüpft ist.

Die Erinnerung spielt jedoch auch in subtileren Fällen eine Rolle bei der Auswahl des Essens, und kann sogar den Vorlieben widersprechen. „Viele unserer alltäglichen Entscheidungen wie zum Beispiel ‚In welches Restaurant gehen wir essen?‘ stützen sich auf den Abruf relevanter Informationen aus dem Gedächtnis“, sagt Christian Büchel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Die neuronalen und kognitiven Mechanismen solcher Entscheidungen sind aber bisher kaum untersucht worden.“

Snacks im Magnetresonanztomographen

Büchel und seine Kollegen untersuchten darum den bekannten Zusammenhang zwischen der „Gedächtnis-Region“ im Hippocampus und der „Entscheidungs-Region“ im ventromedialen präfrontalen Kortex des Gehirns genauer. Sie befragten zunächst 30 hungrige, jüngere Probanden nach deren Vorlieben bei bestimmten Snacks wie Chips, Schokoladenriegel, Salzgebäck und Gummibonbons.

Anschließend zeichneten sie mit einem Magnetresonanztomographen die Hirnaktivität auf, während sich die Studienteilnehmer zwischen zwei angebotenen Snacks entscheiden mussten. Allerdings bekamen die Probanden die Auswahl nur auf Bildern gezeigt, zusammen mit Bildern verschiedener Orte. Während der eigentlichen Entscheidung bekamen sie dann nur die Orte zu sehen – an die damit verknüpften Snacks mussten sie sich erinnern.

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Brücke zwischen Gedächtnis- und Entscheidungs-Region

Das Ergebnis: Die Probanden bevorzugten tendenziell Snacks, an die sie sich besser erinnern konnten. Bemerkenswert daran ist, dass sie auch dann eher der besseren Erinnerung folgten, wenn sie den damit verbundenen Snack vergleichsweise wenig mochten. Einzig solche Snacks, die ihnen absolut zuwider waren, wählten sie gar nicht. Einer Kontrollgruppe zeigten die Forscher die Snacks bei der Auswahl zusammen mit den Orten – bei ihnen deckten sich die Entscheidungen mit ihren Vorlieben.

Die Daten der funktionellen Magnetresonanztomografie lieferten einen tieferen Einblick in die im Gehirn ablaufenden Entscheidungsprozesse. Die Forscher fanden heraus, dass sich die Kommunikation zwischen den Hirnregionen für Gedächtnis und Entscheidung verstärkt. Ein darauf basierendes mathematisches Modell beschreibt, welche Gehirnareale an welchen psychologischen Teilprozessen beteiligt sind und wie die verschiedenen Areale miteinander zusammenspielen. „Unsere Untersuchung bildet eine Brücke zwischen zwei zentralen Forschungsfeldern der Psychologie, der Gedächtnis- und der Entscheidungsforschung“, fasst Erstautor Sebastian Gluth von der Universität Basel zusammen. (Neuron, 2015; doi: 10.1016/j.neuron.2015.04.023)

(Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 21.05.2015 – AKR)

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