Schlechte Bedingungen in Westafrika machen das Virus schwer kontrollierbar Ebola-Epidemie breitet sich aus - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schlechte Bedingungen in Westafrika machen das Virus schwer kontrollierbar

Ebola-Epidemie breitet sich aus

Forscherin in Vollschutzanzug unter Hochsicherheitsbedingungen © GfV/DZIF, Thomas Strecker

Hochansteckend und meistens tödlich: Eine Epidemie des Ebola-Virus breitet sich im westafrikanischen Staat Guinea aus und hat bereits über 60 Todesopfer gefordert. Für die Nachbarstaaten besteht ein hohes Risiko, und nach Ansicht von Medizinern wird die Epidemie nur schwer zu stoppen. Eine zunächst befürchtete Ausbreitung außerhalb von Afrika gibt es noch nicht.

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Die momentane Epidemie konzentriert sich vor allem auf die Waldgebiete im Süden von Guinea in der Grenzregion zu Liberia. Vor etwa sechs Wochen waren dort die ersten Krankheitsfälle aufgetreten. Ein medizinisches Labor in der französischen Stadt Lyon untersuchte Blutproben von infizierten Personen und wies das Ebola-Virus nach. Das Gesundheitsministerium von Guinea bestätigte anhand dieser Ergebnisse am vergangenen Freitag, 21.März 2014, Ebola als Ursache für die beobachteten Krankheitsfälle.

Seit dem Ausbruch der Krankheit meldeten die Behörden 62 Tote. In Conakry, der Hauptstadt Guineas, gab es bislang zwei Todesfälle durch Ebola-ähnliches hämorrhagisches Fieber. Die Gesundheitsbehörden meldeten jedoch zuletzt, dies seien keine Ebola-Fälle und die Hauptstadt sei bisher von der Epidemie verschont.

Hohes Risiko und düstere Prognose

Das Risiko für die an Guinea grenzenden Staaten Sierra Leone, Liberia und Elfenbeinküste gilt als besonders hoch. Die Gesundheitsbehörden dieser Staaten sind bereits in Alarmbereitschaft. Liberia meldete bereits 11 Verdachtsfälle mit Ebola-ähnlichen Symptomen und fünf Tote. Allerdings ist noch nicht bestätigt, ob es sich bei diesen Erkrankten tatsächlich um eine Infektion mit dem Ebola-Virus handelt.

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Simplice Dagnan, Vorsitzender des Staatlichen Hygieneinstituts der Elfenbeinküste, warnte davor dass „Tiere keine Grenzen erkennen“ und zeigte sich besorgt, dass das Virus leicht in andere Staaten gelangen könnte. Wilde Tiere, von Schimpansen und Antilopen bis hin zu Stachelschweinen und Fledermäusen, sind Hauptüberträger des Virus auf den Menschen. Besonders Fledermäuse stehen unter Verdacht, hinter der momentanen Epidemie zu stehen: Um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, verbot die guineische Regierung den Verkauf und Verzehr von Fledermäusen.

Die Prognose für die betroffene Region in Westafrika ist düster: „Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen in Guinea und anderen Ländern Westafrikas ist davon auszugehen, dass das Ebolavirus sich zunächst weiter ausbreiten wird“, sagt Stephan Becker von der Gesellschaft für Virologie und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Ebola ist hochansteckend und überträgt sich von Mensch zu Mensch durch Kontakt mit Schweiß, Fäkalien und Blut von infizierten Personen. Bei der Pflege der Kranken muss das Personal sichere Schutzkleidung tragen. Bei Beerdigungen kommt es durch unvorsichtigen Umgang mit den Verstorbenen besonders leicht zu einer Infektion.

Keine Therapie, keine Impfung

Das vom Virus verursachte Ebola-Fieber gehört zur Gruppe der Hämorrhagischen Fiebererkrankungen. Die Krankheit verursacht zunehmend durchlässige Blutgefäße, dadurch kommt es zu Blutergüssen unter der Haut, Übelkeit, hohem Fieber und Durchfall. Schwere innere Blutungen führen zu Schock und Organversagen. Besonders verstörend erscheint der Anblick von Patienten, die aus Augen, Ohren und Nase bluten. Je nachdem, wie aggressiv der entsprechende Stamm des Virus ist, verläuft die Krankheit in 50 bis 90 Prozent der Fälle tödlich.

Eine Therapie gegen das Virus gibt es nicht, auch eine Impfung ist bislang nicht bekannt. Eine Ebola-Epidemie lässt sich daher nur eindämmen, indem infizierte Personen isoliert und Neuansteckungen verhindert werden. Gerade diese Maßnahmen sind wegen der mangelnden Infrastruktur in Westafrika aber nur schwer in ausreichendem Maße umsetzbar. Umgehende internationale Hilfe ist deshalb extrem wichtig, um das Ausmaß der Epidemie zu begrenzen.

„Wir konzentrieren uns auf Prävention“, erklärt Timothy La Rose, ein Sprecher der Hilfsorganisation UNICEF. „Wir informieren die Öffentlichkeit, wie man eine Ansteckung mit Ebola vermeidet. Da es keine Therapie gibt, ist dies der beste Weg, die Ausbreitung zu stoppen.“ Die Organisation Ärzte ohne Grenzen will ebenfalls ihre Teams vor Ort noch verstärken.

Geringes Risiko außerhalb der Gefahrenzone

Für Touristen in Guinea und angrenzenden Staaten besteht nur geringe Gefahr, , sofern sie sich an einige Sicherheitsregeln halten, beruhigt Virologe Becker: Kontakt mit Kranken müssen Reisende auf jeden Fall vermeiden. Da das Ebola-Virus durch Tiere übertragen wird, sollten Touristen nicht in der Wildnis übernachten, sondern nur in Hotels. Buschfleisch und Tierkadaver sind ebenfalls tabu.

Ein kanadischer Reisender zeigte nach seiner Rückkehr aus Liberia Ebola-ähnliche Symptome. Der Mann wurde in ein Krankenhaus in der kanadischen Provinz Saskatchewan eingeliefert, meldete das dortige Gesundheitsministerium. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gab jedoch bald darauf Entwarnung, der Verdacht auf Ebola habe sich nicht bestätigt. Andernfalls wäre es das erste Mal gewesen, dass die Krankheit außerhalb Afrikas auftritt.

Gefahr einer Epidemie besteht für Deutschland nach Ansicht der Virologen nicht: Selbst wenn das Virus nach Deutschland eingeschleppt werden sollte, herrschen hier wesentlich bessere Bedingungen. Intensivstationen der Krankenhäuser sind darauf ausgelegt, Patienten mit hochansteckenden Krankheiten isoliert zu halten. Eine Verbreitung des mit Ebola verwandten Marburg-Virus wurde so im Jahr 2008 effektiv verhindert.

In Afrika kommt es immer wieder zu Ebola-Epidemien, seit seiner Entdeckung im Jahr 1976 kamen durch das Virus geschätzte 2.000 Menschen ums Leben. Die letzte Epidemie ereignete sich nach WHO-Angaben mit 34 Toten und 62 Infizierten von Mai bis November 2012 in der Demokratischen Republik Kongo.

(Gesellschaft für Virologie (GfV) / Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), 26.03.2014 – AKR)

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