Tabakkonsum verändert Erbgut des Ungeborenen und erhöht so das Risiko für Übergewicht Dicke Kinder durch rauchende Schwangere - scinexx | Das Wissensmagazin
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Tabakkonsum verändert Erbgut des Ungeborenen und erhöht so das Risiko für Übergewicht

Dicke Kinder durch rauchende Schwangere

Wer in der Schwangerschaft raucht, kann seinem ungeborenen Kind auf vielfältige Weise schaden. © Atno Ydur/ istock

Dicke Folgen: Wenn eine Frau während der Schwangerschaft raucht, neigt ihr Kind später häufiger zu Übergewicht. Die Ursache dafür sind Veränderungen im Erbgut des Kindes, wie Forscher nun herausgefunden haben. Demnach führt das Rauchen beim Ungeborenen zu Modifikation in DNA-Abschnitten, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Fettzellen und überflüssigen Pfunden spielen.

Rauchen ist nicht nur schlecht für die eigene Gesundheit. Bei Schwangeren kann der Zug an der Zigarette auch dem ungeborenen Kind schaden: Es ist anfälliger für eine Frühgeburt und erkrankt später häufiger an Lungenleiden und Krebs. Studien zeigen zudem, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, überdurchschnittlich oft zu Übergewicht neigen.

Spurensuche im Gewebe

Aber warum? Wissenschaftler um Leryn Reynolds von der Old Dominion University in Norfolk haben nun untersucht, auf welche Weise das Rauchen der Schwangeren ihr ungeborenes Kind und dessen Anfälligkeit für überflüssige Pfunde beeinflusst. Dafür analysierten sie Gewebeproben von 31 Neugeborenen nicht rauchender und 15 Neugeborenen rauchender Mütter.

Konkret nutzten die Forscher die Vorhaut direkt nach der Geburt beschnittener Jungen, um darin nach dem Protein Chemerin zu fahnden. Dieses Protein wird von Fettzellen produziert und lässt sich im Blut Übergewichtiger häufiger nachweisen als bei normalgewichtigen Menschen. „Wir haben die Vorhaut genommen, weil sie einfach zu beschaffen ist und ähnliche Eigenschaften hat wie anderes Gewebe, dessen Entnahme bei den Babys aber zu invasiv gewesen wäre“, schreibt das Team.

Epigenetische Veränderungen

Die Analysen ergaben: Tatsächlich fanden sich im Gewebe der Raucherkinder bereits höhere Konzentrationen des Chemerins als bei den anderen Neugeborenen. Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass dies durch epigenetische Veränderungen am Erbgut der Kinder zustande kam – Modifikationen der DNA, die die Genaktivität regulieren. Demnach führte eine geringere Methylierung bestimmter DNA-Abschnitte dazu, dass diese verstärkt abgelesen wurden und in Folge mehr Chemerin synthetisiert wurde.

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Schon früher hatten Studien gezeigt, dass Rauchen das Erbgut Ungeborener verändern kann. Die neuen Ergebnisse legen den Wissenschaftlern zufolge nahe, dass dies auch in Bezug auf Gene passiert, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Fettzellen und Übergewicht spielen. Diese Veränderungen könnten das Risiko erhöhen, dass die Kinder später dick werden.

Gegensteuern möglich?

Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob der bei den männlichen Babys beobachtete Zusammenhang auch bei neugeborenen Mädchen gilt – und wie sich solche Folgen in Zukunft vermeiden lassen. „Leider beobachten wir immer wieder, dass Frauen während der Schwangerschaft rauchen“, berichtet Mitautor Kevin Pearson von der University of Kentucky in Lexington.

„In Zukunft geht es uns daher auch darum, Entwöhnprogramme für schwangere Frauen zu verbessern. Zudem wollen wir untersuchen, ob beispielsweise mehr Bewegung während der Schwangerschaft die negativen Effekte des Rauchens ausgleichen kann“, schließt der Forscher. (Experimental Physiology, 2018; doi: 10.1113/EP087307)

(The Physiological Society, 23.11.2018 – DAL)

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