Stress der Mutter im ersten Lebensjahr macht Kinder anfällig für Übergewicht Dick durch mütterlichen Stress? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Dick durch mütterlichen Stress?

Stress der Mutter im ersten Lebensjahr macht Kinder anfällig für Übergewicht

Kind auf der Waage
Kinder gestresster Mütter neigen zu überflüssigen Pfunden. © adrian825/ istock

Stress mit Folgen: Mütterlicher Stress wirkt sich offenbar negativ auf das Gewicht von Kleinkindern aus. Eine Studie offenbart: Empfindet eine Mutter im ersten Jahr nach der Geburt viel Stress, neigt ihr Kind in den ersten fünf Lebensjahren häufig zu Übergewicht. Dieser Zusammenhang zeigte sich bei Mädchen besonders deutlich. Um kindliche Gewichtsprobleme zu vermeiden, müsse man demnach auch einen Blick auf die Belastung der Mütter werfen, betonen die Forscher.

Stehen wir häufig oder sogar dauerhaft unter Stress, hat dies Folgen für Körper und Geist. Doch nicht nur wir selbst leiden unter dieser Belastung – auch unser direktes Umfeld kann Schaden nehmen. Bekannt ist dieser Zusammenhang zum Beispiel für Mutter und Kind. So kann sich mütterlicher Stress nicht nur während der Schwangerschaft negativ auf die Entwicklung des Nachwuchses auswirken. Zunehmend zeichnet sich ab, dass dies auch für die Phase nach der Geburt gilt.

Stress als Risikofaktor

„Mütterlicher Stress steht unter anderem im Verdacht, zu einer Entwicklung von Übergewicht bei Kindern beizutragen“, sagt Kristin Junge vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Um dies zu überprüfen, haben die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen nun Daten von 498 Mutter-Kind-Paaren ausgewertet.

Konkret analysierten sie, wie sich der Body-Mass-Index (BMI) der Kinder in deren ersten Lebensjahren entwickelte und verglichen dies mit dem empfundenen Stress der Mütter während der Schwangerschaft und den ersten beiden Jahren nach der Geburt. Das Stressniveau erhoben sie dabei mithilfe von Fragebögen, in denen die Frauen zu ihren Sorgen, Ängsten, ihrer allgemeinen Zufriedenheit und dem Umgang mit alltäglichen Anforderungen Auskunft gegeben hatten.

Das erste Jahr ist prägend

Das Ergebnis: „Wir haben deutlich gesehen, dass der Stress der Mutter während des ersten Lebensjahres des Kindes mit der Gewichtsentwicklung des Kindes in den ersten fünf Lebensjahren zusammenhängt“, sagt Junges Kollegin Irina Lehmann. Je stärker das Stressempfinden, desto größer war dabei die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder einen erhöhten BMI hatten. Dieser Zusammenhang zeigte sich den Forschern zufolge bei Mädchen besonders deutlich.

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Interessant dabei: Der mütterliche Stress während der Schwangerschaft und des zweiten Lebensjahres des Kindes schien dagegen keinen Einfluss auf das Gewicht des Nachwuchses zu haben. „Das erste Lebensjahr scheint eine sensible Phase und für die Neigung zu Übergewicht prägend zu sein“, sagt Junge.

„Nicht alleine lassen“

Aus den Daten konnten die Wissenschaftler auch mögliche Gründe für den Stress der Mütter ablesen. So zeigte sich, dass gestresste Frauen häufiger in einem ungünstigen Wohnumfeld lebten und über ein niedrigeres Haushaltseinkommen verfügten als entspannte Mütter. Zudem waren sie öfter Lärm und Straßenverkehr ausgesetzt.

„Wir wollen mit unserer Studie auf das Problem der gestressten Mütter aufmerksam machen“, sagt Lehmann. „Keinesfalls sollte man sie in dieser Situation allein lassen.“ Das Forscherteam plädiert dafür, dass Kinderärzte bei den Untersuchungen der Kinder im ersten Lebensjahr vermehrt auch einen Blick auf die Mütter werfen – und sie bei Anzeichen für Stress auf ihre Situation ansprechen.

Über Hilfsangebote informieren

„Es gibt bereits viele gute Hilfsangebote für junge Mütter, viele wissen aber nichts davon. Wenn man hier ansetzt, könnte man den Müttern helfen und damit womöglich ihren Kindern späteres Übergewicht ersparen“, sagt Mitautorin Saskia Trump. Aktuell sind in Deutschland rund zehn Prozent der Kinder zwischen zwei und sechs Jahren übergewichtig, davon drei Prozent sogar fettleibig. (BMC Public Health, 2018; doi: 10.1186/s12889-018-6110-5)

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung/ Berliner Institut für Gesundheitsforschung

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