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Diabetes-Medikament als Diätmittel?

Der Wirkstoff Semaglutid erweist sich als Helfer für das langfristige Abnehmen

Übergewicht
Gerade Menschen mit starkem Übergewicht fällt das dauerhafte Abnehmen meist nicht leicht. Möglicherweise könnte künftig ein Diabetesmittel helfen. © Mustafagul/ iStock

Medikamentöse Hilfe gegen Fettleibigkeit? Das gegen Diabetes zugelassene Medikament Semaglutid könnte stark übergewichtigen Menschen das Abnehmen erleichtern. In einer klinischen Studie verloren Menschen, die den Wirkstoff wöchentlich gespritzt bekamen und zusätzlich ihren Lebensstil anpassten, durchschnittlich 15,3 Kilogramm in gut einem Jahr – deutlich mehr als die Placebogruppe. Eine Zulassung des Wirkstoffs gegen Adipositas wurde inzwischen beantragt.

Starkes Übergewicht beeinträchtigt die Lebensqualität und hat zahlreiche negative Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit. Doch gerade Menschen mit Adipositas fällt das Abnehmen besonders schwer: Oft macht der Jojo-Effekt den Diäterfolg zunichte und nur wenige schaffen es, dauerhaft Pfunde zu verlieren. Deshalb wird daran geforscht, das Abnehmen durch Medikamente oder sogar elektronische Appetithemmer zu unterstützen. Bisher aber nur mit mäßigem Erfolg.

Als Appetitzügler getestet

Jetzt haben Forscher um John Wilding von der University of Liverpool in einer klinischen Studie mit fast 2.000 Übergewichtigen untersucht, inwieweit der Wirkstoff Semaglutid beim Abnehmen helfen kann. Das Mittel ist bereits zur Behandlung von Diabetes zugelassen. Es ahmt die Wirkung des Darmhormons Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) nach. Dieses fördert die Insulinausschüttung sobald Glucose im Darm präsent ist, bindet aber auch an Rezeptoren im Gehirn, die ein Sättigungsgefühl auslösen.

In der Studie bekam eine Gruppe der Probanden 68 Wochen lang einmal wöchentlich das Medikament unter die Haut gespritzt. Die Dosis lag bei 2,4 Milligramm – eineinhalb mal höher als bei Diabetes verabreicht wird. Eine andere Gruppe erhielt stattdessen eine Placebo-Behandlung. Alle Teilnehmer wurden zudem durch einen Diätassistenten zu Ernährung und Bewegung beraten und erhielten Anreize, einen gesunden Lebensstil zu pflegen.

Deutlicher Gewichtsverlust

„Die Ergebnisse dieser Studie stellen einen großen Durchbruch für die Verbesserung der Gesundheit von Menschen mit Adipositas dar“, berichtet Co-Autorin Rachel Batterham vom University College London. Demnach verloren drei Viertel der Probanden, die Semaglutid erhielten, mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichts, mehr als ein Dritttel der Probanden sogar über 20 Prozent.

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„Kein anderes Medikament hat bisher auch nur annähernd eine derartige Gewichtsabnahme erreicht – das ist wirklich ein entscheidender Fortschritt“, so Batterham. „Zum ersten Mal können Menschen durch Medikamente erreichen, was bisher nur durch eine Operation zur Gewichtsreduktion möglich war.“

Im Durchschnitt verloren die Studienteilnehmer aus der Semaglutid-Gruppe 15,3 Kilogramm Gewicht und auch Risikofaktoren für Herzkrankheiten und Diabetes verringerten sich, darunter Taillenumfang, Blutfette, Blutzucker und Blutdruck. Außerdem berichteten sie von einer Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensqualität. Teilnehmer aus der Placebogruppe dagegen reduzierten ihr Gewicht nur um 2,6 Kilogramm.

Zulassung beantragt

Als Nebenwirkung stellten einige der Testpersonen Übelkeit und Durchfall fest. 4,5 Prozent der Probanden, die Semaglutid erhielten, brachen die Studie aufgrund der Nebenwirkungen ab, in der Placebogruppe nur 0,8 Prozent. In den meisten Fällen klangen die Symptome aber mit der Zeit ab.

Insgesamt bewerten die Forscher das Ergebnis ihrer Studie als positiv: „Dies ist ein bedeutender Fortschritt in der Behandlung von Adipositas“, sagt Wilding. „Semaglutid ist bereits zugelassen und wird in einer niedrigeren Dosis klinisch zur Behandlung von Diabetes eingesetzt, so dass wir als Ärzte mit seiner Anwendung bereits vertraut sind.“ Beantragt wurde nun die Zulassung als Medikament gegen Adipositas.

Finanziert wurde die Studie von dem Pharmakonzern Novo Nordisk, dem Hersteller von Semaglutid. (New England Journal of Medicine, 2021; doi: 10.1056/NEJMoa2032183)

Quelle: University College London

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