Fetale Entwicklung beeinflusst spätere Herz-Kreislauferkrankungen Diabetes bereits im Mutterleib vorprogrammiert - scinexx | Das Wissensmagazin
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Fetale Entwicklung beeinflusst spätere Herz-Kreislauferkrankungen

Diabetes bereits im Mutterleib vorprogrammiert

Eine Insulinresistenz entsteht nicht nur durch falsche Ernährung im Laufe des Lebens, sondern kann auch bereits beim Neugeborenen vorhanden sein. Das hat nun erstmals eine Studie an der Charité nachgewiesen, die in der Fachzeitschrift Circulation erschienen ist. Die Insulinresistenz ist eine Vorstufe der Typ 2-Diabetes und begünstigt Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzmuskelschwäche und Bluthochdruck.

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Basis der Studie war die so genannte Barker-Hypothese, die vor etwa 15 Jahren für eine Art medizinische Revolution sorgte: Es wurde ein direkter Zusammenhang zwischen einem geringen Geburtsgewicht und der Neigung zu Herz-Kreislauferkrankungen festgestellt. Kurz gesagt: Je leichter das Baby, umso höher das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt, Herz- Rhythmusstörungen oder aber Diabetes mellitus Typ 2.

Gängiges Erklärungsmodell für diesen Zusammenhang ist der Mechanismus des "fetalen Programmierens". In der Entwicklung des Fötus gibt es sensible kurze Phasen, in denen bestimmte Stoffwechselfunktionen eingestellt werden. Bei einer Unterernährung etwa arbeitet der Organismus auf Hochtouren, um eine maximale Verwertung zu erreichen. Diese Adaption ist irreversibel und gilt damit lebenslang. Wenn also später eine normale Ernährung erfolgt, wird diese überproportional gut verwertet und sorgt damit für Übergewicht.

Neues Verständnis von Diabetes

Während man bisher annahm, dass eine Insulinresistenz beispielsweise erst durch eine ungesunde Lebensweise im Erwachsenenalter erworben wird, konnten die Charité–Forscher um Professor Berthold Hocher vom Center for Cardiovascular Research zeigen, dass bereits im Mutterleib die Insulinresistenz geprägt werden kann. Das führt zu einem grundlegend neuen Verständnis von Diabetes.

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In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, wie dieser sensible Mechanismus genau funktioniert und ob im Krankheitsfall vielleicht sogar ein "Re-Programmieren" möglich sein könnte. "Das ist allerdings noch blanke Zukunftsmusik", so Hocher.

Generell empfiehlt er werdenden Müttern einen sehr bewussten Umgang mit Ernährung. Denn wie Hochers Arbeitsgruppe in einer anderen Studie herausfand, kann nicht nur Unterernährung, sondern generell Fehlernährung im Mutterleib zu Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter führen. Dies wurde tierexperimentell untersucht. Nicht nur Proteinmangel, sondern auch ein Überangebot an Eiweiß kann im sehr frühen Stadium der Schwangerschaft zu einem geringen Geburtsgewicht und damit zu Herzkreislauferkrankungen der Nachkommen führen.

(idw – Charité-Universitätsmedizin Berlin, 09.11.2006 – DLO)

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