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Depression: Elektroschocks können helfen

Elektrokrampftherapie ändert Verschaltungen im Gehirn

Eine Elektrokrampftherapie verringert die Kommunikationsfähigkeit zwischen bestimmten Gehirnarealen und wirkt so gegen Depressionen. Betroffen ist eine Hirnrindenregion, die Reaktionen auf Sinneswahrnehmungen entwirft und das Arbeitsgedächtnis verwaltet, berichten schottische Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Künstlich herbeigeführte Krampfanfälle während der Therapie setzten die Verbindungen dieser Region mit anderen Hirnregionen herab. Das bekräftige die Theorie, dass bei Depressiven bestimmte Gehirnareale zu stark miteinander verschaltet seien, heißt es in der Studie.

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„Elektrokrampftherapie ist die wirksamste Behandlungsform gegen schwere Depressionen“, schreiben die Forscher um Jennifer Perrin von der University of Aberdeen. „Aber obwohl seit über 70 Jahren eingesetzt, ist ihre Wirkungsweise unbekannt.“ Bei der Behandlung versetzt man dem Patienten unter Narkose kurze Stromstöße am Schädel, wodurch im gesamten Gehirn ein Krampfanfall ausgelöst wird.

Perrin und ihre Kollegen haben mit dem Magnetresonanztomographen das Gehirn von Patienten vor und nach einer Elektrokrampftherapie untersucht. Sie sahen, dass bei allen Patienten eine Veränderung an einem Stück Hirnrinde seitlich vorne – am sogenannten dorsolateralen präfrontalen Cortex – geschah. Dieses Areal, das unser Verhalten als Reaktion auf die Umwelt steuert, kommunizierte nach der Therapie sehr viel weniger mit bestimmten anderen Hirnarealen, die beispielsweise Gefühle verarbeiten, berichten die Forscher. Damit einhergehend habe sich der Gesundheitszustand der Patienten erheblich gebessert: Die Depressionen hätten stark abgenommen.

Ohne Nebenwirkungen geht es nicht

Die Ergebnisse erklären auch, warum sich Nebenwirkungen bei der Elektrokrampftherapie kaum verhindern lassen, schreiben die Forscher. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählt – zumindest vorübergehend – der Verlust von Teilen des Gedächtnisses. Das sei verständlich, wenn die Therapie das Areal beeinflusse, in dem das Arbeitsgedächtnis sitze.

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Wenn sich die Wirkung der Elektrokrampftherapie mit einer Behandlungsart nachahmen ließe, die weniger Nebenwirkungen habe und weniger invasiv sei, schreiben die Forscher um Perrin, könne man sehr vielen Depressiven helfen. „Aber dafür muss man erst mal verstehen, wie die Elektrokrampftherapie die Gehirnfunktion verändert.“

Als Foltermethode verschrien

Elektrokrampftherapie, früher als Elektroschocktherapie bezeichnet, wird seit langer Zeit in der Psychiatrie gegen psychische Störungen eingesetzt, beispielsweise bei stark Depressiven, die nicht auf Antidepressiva ansprechen. Aufgrund des extremen Eingriffs in den menschlichen Körper und des drohenden Gedächtnisverlustes ist sie in einigen Kreisen in Kritik geraten.

„Die immer wieder gezielt in die Öffentlichkeit getragene Darstellung der Elektrokrampftherapie als veraltete, überholte oder gar inhumane und grausame Behandlungsmethode ist falsch und beruht weitgehend auf einer mangelhaften Information“, befindet dagegen die Bundesärztekammer in einer Stellungnahme. „Die Elektrokrampftherapie ist wissenschaftlich begründet, stellt für bestimmte psychiatrische Erkrankungen die bestmögliche Behandlung dar und ist im Verhältnis zum angestrebten Therapieerfolg mit einem geringen Risiko verbunden.“ (PNAS, 2012; doi: 10.1073/pnas.1117206109)

(PNAS, 20.03.2012 – BO)

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