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Das Depressions-Risiko hängt auch vom Chronotyp ab

Früh aufstehende "Lerchen" sind weniger anfällig für eine klinische Depression

innere Uhr
Unsere innere Uhr beeinflusst auch unser Risiko für eine schwere Depression. © wildpixel/ Getty images

Der individuelle Takt unserer inneren Uhr hat Einfluss darauf, wie anfällig wir für eine Depression sind. Wer von Natur aus zu den früh ausstehenden Lerchen gehört, ist demnach weniger gefährdet als eine „Nachteule“, wie eine Studie mit mehr als 840.000 Menschen belegt. Schon eine Stunde früheres Aufstehen senkt demnach das Risiko für eine schwere Depression um 23 Prozent. Ausschlaggebend dafür ist vor allem der genetische bedingte Chronotyp – die Veranlagung, die bestimmt, wie unsere innere Uhr tickt.

Unsere innere Uhr bestimmt unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, unseren Stoffwechsel und unsere Stimmung, tickt aber bei jedem Menschen ein wenig anders. Ausschlaggebend für diesen „Chronotyp“ sind vor allem unsere Gene: Sie machen einige Menschen zu früh aufstehenden Lerchen, andere dagegen zu Nachteulen, die von Natur aus erst spät ins Bett finden. Auch das Geschlecht beeinflusst auf subtile Weise den natürlichen Biorhythmus.

Hängen Chronotyp und Depression zusammen?

Jetzt hat ein Team um Iyas Daghlas vom Broad Institute in Cambridge herausgefunden, dass der Chronotyp auch unser Risiko für eine Depression entscheidend beeinflusst. Schon früher hatten Studien erste Hinweise darauf gegeben, dass Menschen, die erst spät aufstehen und in die Nacht hinein wachbleiben eher zu einer Depression neigen. Unklar blieb allerdings bisher, ob dieses „nachteulige“ Verhalten Ursache oder aber Symptom der Depression war.

Für ihre Studie hat das Team die Genetik, das Depressionsrisiko und den Tag-Nacht-Rhythmus bei mehr als 840.000 Männern und Frauen verglichen. Ein Teil der Testpersonen trug dafür mobile Schlaf-Tracker, zudem wurden alle nach ihren Schlafgewohnheiten befragt. Für die Gen-Analyse werteten die Forschenden 340 Genvarianten aus, die für ihren Einfluss auf die innere Uhr bekannt sind. Zusammen bestimmen sie rund zwölf bis 42 Prozent unseres Biorhythmus.

Jede Stunde früher senkt das Risiko

Das Ergebnis: Die Testpersonen, die aufgrund ihrer genetische Veranlagung Frühaufsteher waren, litten auch signifikant seltener an einer schweren Depression. Konkret senkte jede Stunde, um die die Schlafphase früher lag, das Depressionsrisiko um 23 Prozent, wie Daghlas und sein Team feststellten. Dieser Zusammenhang war unabhängig von der Gesamtschlafdauer. Lerchen mit einer genetisch bedingt früheren Schlafphase sind demnach deutlich weniger gefährdet als Nachteulen.

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„Wir wissen schon länger, dass es einen Zusammenhang zwischen der Schlafenszeit und der Stimmung gibt“, sagt Koautorin Celine Vetter von der University of Colorado in Boulder. „Jetzt haben wir herausgefunden, dass dabei schon eine Stunde Unterschied im Schlafbeginn einen entscheidenden Unterschied für das Depressionsrisiko bedeuten kann.“

Positiver Einfluss des Morgenlichts

Als eine mögliche Ursache für diesen Schutzeffekt des frühen Aufstehens sehen die Wissenschaftler den Einfluss des Tageslichts auf die Hirnbotenstoffe und die Stimmung. Gerade das morgendliche Sonnenlicht trägt entscheidend dazu bei, unsere innere Uhr mit der Tageszeit zu synchronisieren, zudem fördert Licht die Ausschüttung des „Glückshormons“ Serotonin, dessen Mangel als ein Treiber der klinischen Depression gilt.

Ein weiterer Grund könnte aber auch sein, dass Nachteulen es schwerer haben, sich dem Rhythmus des Alltags anzupassen: „Wir leben in einer Gesellschaft, die auf Morgenmenschen ausgelegt ist. Nachteulen haben deshalb oft das Gefühl, anders getaktet zu sein als die gesellschaftliche Uhr“, erklärt Daghlas. Diese Diskrepanz zwischen der inneren Uhr und dem äußeren, vorgegebenen Takt könnte ebenfalls dazu beitragen, das Risiko für eine Depression zu verstärken.

Tage hell, Nächte dunkel halten

Noch ist nicht klar, ob und wie Nachteulen das von ihren Uhrengenen beeinflusste Depressionsrisiko verändern können. Die Forschenden raten aber allen Menschen, unabhängig vom Chronotyp: „Haltet eure Tage hell und eure Nächte dunkel“, so Vetter. „Trinkt euren Morgenkaffee auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten.“ Um den positiven Einfluss des morgendlichen Tageslichts auszunutzen, sei es auch sinnvoll, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

Abends dagegen empfehlen die Wissenschaftler, vor allem das blaustichige Licht von Displays zu meiden. Vor allem Handy, Tablet oder Computer sollten nicht bis unmittelbar vor dem Schlafengehen benutzt werden, weil dies die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin stört und damit das frühe Einschlafen behindert. (JAMA Psychiatry, 2021; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2021.0959)

Quelle: University of Colorado at Boulder

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