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Darmkrebs: Risiko steigt mit der Dauer des Übergewichts

Jedes übergewichtige Lebensjahr erhöht das Krebsrisiko

Darmkrebs
Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken ist für langjährig übergewichtige Menschen erhöht. © peterschreiber.media / GettyImages

Auf die Dauer kommt es an: Menschen mit langanhaltendem Übergewicht erkranken bis zu zweieinhalbmal häufiger an Darmkrebs als Menschen, die ihr Normalgewicht ein Leben lang halten können. Dabei steigt das Risiko mit der Anzahl der übergewichtigen Lebensjahre, da das Fettgewebe kontinuierlich entzündliche Stoffe freisetzt. Damit kommt der Vermeidung des Übergewichts eine noch wichtigere Rolle in der Krebsprävention zu als bislang angenommen.

Schon länger ist bekannt, dass zahlreiche Krebsarten bei übergewichtigen Menschen häufiger auftreten als bei Normalgewichtigen. Dazu zählen unter anderem Brustkrebs, Krebs der Gebärmutter, der Niere oder der Speiseröhre. Auch ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, wird mit dem Übergewicht assoziiert. Doch bei den meisten vorangegangenen Untersuchungen hatte man das Körpergewicht der Probanden lediglich einmal bestimmt – der Wert sagte daher nichts darüber aus, wie lange die Testpersonen schon zu viele Pfunde mit sich herumtrugen.

Daher haben nun Xiangwei Li und seine Kollegen von der Universität Heidelberg den Einfluss von länger anhaltendem Übergewicht untersucht. „Unsere Überlegung war, dass es für das Darmkrebsrisiko eine noch größere Rolle spielen müsste, wie lange ein Mensch die überzähligen Kilos mit sich herumträgt“, erklärt Seniorautor Hermann Brenner.

Daten aus DACHS-Studie

Zur Überprüfung dieser Hypothese werteten die Forschenden Daten der DACHS-Studie aus, welche Gewichtsdaten von Darmkrebspatienten seit ihrem 20. Lebensjahr bereitstellt. Anhand dieser Angaben errechneten sie für jeden der 5.635 Patienten und 4.515 Kontrollpersonen, die man zwischen 2003 und 2017 für Studie rekrutierte, die Anzahl an Lebensjahren, in denen die Patienten zu viel wogen.

Bei einem Erwachsenen sprechen Wissenschaftler ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 von Übergewicht und ab einem BMI von 30 von Adipositas, also einer Fettleibigkeit. Durch die Betrachtung des BMI berücksichtigten die Forschenden also auch das Ausmaß der überzähligen Pfunde.

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Krebsrisiko 2,5-fach erhöht

Das Ergebnis weist langjährige Fettleibigkeit als eindeutigen Risikofaktor aus: Verglichen mit dauerhaft normalgewichtigen Personen haben Übergewichtige ein höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Und dieses Risiko steigt mit der Anzahl der übergewichtigen Lebensjahre und dem Ausmaß des Übergewichts, wie Li und seine Kollegen feststellten. Die Teilnehmenden, die langfristig ein erhöhtes Gewicht aufwiesen, erkrankten zweieinhalbmal so oft an Darmkrebs wie die dauerhaft Normalgewichtigen.

Übergwicht Jugend
Wenn das Übergewicht bereits seit der Jugend anhält, kann das die Gesundheit besonders gefährden. © kwanchaichaiudom / iStock.com

Aber warum steigt das Risiko, je länger man überschüssiges Fett mit sich herumträgt? Wissenschaftler gehen davon aus, dass Übergewicht die Entwicklung von Darmkrebs fördert, weil das Fettgewebe konstant Wachstumsfaktoren, Hormone oder entzündungsfördernde Substanzen abgibt. Daher macht es einen Unterschied, ob der Körper diesem schädlichen Einfluss nur über einen kurzen Zeitraum ausgesetzt ist oder über Jahrzehnte hinweg. Vor allem seit der Jugend bestehendes Übergewicht würde demnach die Darmkrebs-Entstehung begünstigen.

Vorbeugung wichtiger denn je

Die Ergebnisse bestätigen damit, dass das Darmkrebsrisiko auch davon abhängt, wie lange ein Mensch zu viele Pfunde mit sich herumträgt. „Aus unserer Studie wird deutlich, dass das Übergewicht einen noch größeren Einfluss auf das Darmkrebsrisiko hat als bislang angenommen. Es ist zu vermuten, dass das auch für viele andere Erkrankungen gilt, für die das Übergewicht ein bekannter Risikofaktor ist“, erklärt Brenner.

Die neuen Erkenntnisse bedeuten aber auch, dass eine Vorbeugung möglich und sinnvoll ist: Je eher es übergewichtigen und fettleibigen Menschen gelingt, wieder abzunehmen, desto stärker können sie ihr Darmkrebsrisiko wieder verringern. Die Forschenden betonen außerdem, wie wichtig es ist, bereits im Kinder- und Jugendalter einer zu starken Gewichtszunahme vorzubeugen. (Jama Oncology; 2022, doi: 10.1001/jamaoncol.2022.0064)

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

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