Neuer Tumormarker zur Früherkennung entdeckt? Darmkrebs durch Proteine - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neuer Tumormarker zur Früherkennung entdeckt?

Darmkrebs durch Proteine

L1 heißt das Molekül, das möglicherweise einen neuen Ansatzpunkt für die Früherkennung von Darmkrebs bietet. Schon länger ist bekannt, dass dieses Oberflächenprotein das Wachstum und die Metastasierung von Tumoren begünstigt. Doch nun fanden Wissenschaftler heraus, dass ein enzymatisches Spaltprodukt an den Tumorzellen gehäuft auftritt und somit als neuer Tumormarker zur Früherkennung beitragen könnte.

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Das Adhäsionsmolekül L1 befindet sich auf der Oberfläche von Zellen und sorgt normalerweise dafür, dass Zellen aneinander haften. In Nervenzellen spielt das Protein eine wichtige Rolle bei deren Wanderung sowie beim Wachstum der Zellfortsätze (Axone) entlang bestimmter Bahnen. Auch in Tumoren kommt L1 vor. Bereits in einem früheren Kooperationsprojekt haben die israelischen und deutschen Forscher herausgefunden, dass sich anhand des Proteins sowohl Eierstockkrebs als auch Tumoren des Gebärmutterkörpers besser diagnostizieren lassen.

Bei ihren jüngsten Untersuchungen an Darmkrebszellen fanden Dr. Avri Ben-Ze’ev und Kollegen vom Weizmann Institute of Science in Rehovot sowie Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität Erlangen ebenfalls das Adhäsionsmolekül. Überraschend war die unterschiedliche zelluläre Lokalisation von L1 in Abhängigkeit von der Zelldichte.

Zelldichte entscheidend

Wachsen die Zellen in großer Dichte, wie es innerhalb eines Krebsherdes der Fall ist, war das Molekül nur in geringem Umfang auf der Zelloberfläche nachweisbar; dagegen zeigten Zellverbände mit geringer Dichte eine höhere Konzentration an. Derartige lockere Zellverbände treten bei Tumoren in der Peripherie, der „invasiven Front“, auf, von wo aus Krebszellen in andere Gewebe einwachsen. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass L1 eine wichtige Rolle für das Wachstum und die Metastasierung von Tumoren spielt.

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Untermauert wird diese Annahme durch die Beobachtung, dass eine Blockade von L1 die Ausbreitung eines Krebsherds verhindert. Dagegen zeigten sich bei Zelllinien, die normalerweise das Adhäsionsmolekül nicht bilden, einige typische Merkmale von Krebszellen, wenn sie mit dem L1-Protein ausgestattet wurden. Das Auftreten des Moleküls an der invasiven Front geht einher mit der Bildung des Enzyms ADAM10 in dieser Region. Das Enzym spaltet den extrazellulären Anteil von L1 ab, so dass sich das Spaltprodukt in der Mikroumgebung der Tumorgrenzen anhäuft. Künftige Untersuchungen müssen zeigen, ob sich dieses Spaltprodukt als Tumormarker in der Diagnostik einsetzen lässt und ob L1 als Ansatzpunkt für die Therapie in Frage kommt.

(idw – Deutsches Krebsforschungszentrum, 02.03.2005 – AHE)

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