Rätsel gelöst? Lange war unklar, wie das Coronavirus in die eigentlich unempfänglichen Hirnzellen eindringen kann. Jetzt enthüllt eine Studie ihren Trick. Demnach nutzt SARS-CoV-2 neuronale Nanoröhrchen, um in die Gehirnzellen zu gelangen. Diese Verbindungsleitungen zwischen Zellen führen direkt ins Innere der Neuronen – und ermöglichen es dem Erreger so, von empfänglichen Zellen in die eigentlich nicht anfälligen Neuronen zu gelangen. Hinzu kommt: Das Coronavirus fördert die Ausbildung solcher Nanotunnel und erleichtert sich damit die Ausbreitung.
Neurologische Symptome zeugen davon, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 auch das Gehirn und Nervensystem in Mitleidenschaft zieht. So leiden viele Long-Covid-Patienten unter Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie kognitiven Defiziten, auch der Hirnstoffwechsel ist bei einigen von Neuro-Covid Betroffenen gestört. Studien mit Hirn-Organoiden haben bereits nachgewiesen, dass sich das Virus in Neuronen vermehren kann und auch in den Gehirnen von mit Covid-19 gestorbenen Patienten wurden Coronavirus-Partikel nachgewiesen.

Wie kommt das Coronavirus in die Neuronen?
Die Frage ist jedoch, wie das Coronavirus in die Gehirnzellen hineinkommt. Zwar stellen Nase und Riechnerv eine Eintrittspforte ins Gehirn dar, aber die Neuronen selbst sind für das Virus eigentlich nicht so leicht zu knacken. Denn anders als bei vielen anderen Körperzellen fehlt der für das Eindringen des Virus nötige ACE2-Rezeptor auf Neuronen oft oder ist nur in sehr geringer Zahl vertreten. „Deshalb ist bisher nicht klar, wie das Virus sich im Gehirn ausbreiten kann“, erklären Anna Pepe vom Institut Pasteur in Paris und ihre Kollegen.
Um diese Frage zu klären, ist das Team einer neuen Spur nachgegangen: Sie haben untersucht, welche Rolle interzelluläre Nanotunnel dabei spielen könnten. „Nanotunnel sind dünne, membranöse und actinhaltige Leitungen, die den direkten Transport von zellulärer Fracht wie Organellen, Amyloid-Proteinen und auch Virenpartikeln zwischen entfernten Zellen ermöglichen“, erklären die Forschenden. Weil diese Tunnel in das Innere der verbundenen Zellen führen, müssen diese „Frachtstücke“ nicht erst Membrankanäle oder Rezeptoren auf der Zelloberfläche passieren.









