Neue, zuverlässigere Schnelltests könnten bald verfügbar sein Coronavirus: Kommen bald die Antikörpertests? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Coronavirus: Kommen bald die Antikörpertests?

Neue, zuverlässigere Schnelltests könnten bald verfügbar sein

Covid-Test
Bisher verfügbare Schnelltests auf Covid-19 wie dieser hier sind eher unzuverlässig. Jetzt kommen aber neue Antikörpertests auf den Markt. © jarun011/ iStock

Bisher waren Schnelltests auf eine Coronavirus-Infektion eher unzuverlässig – Experten rieten daher ab. Doch nun kommen mehrere neue Antikörpertests auf den Markt, die mehr Sicherheit versprechen. Mit ihnen lässt sich nachweisen, wer infiziert ist, aber auch, wer die Covid-19-Erkrankung schon hinter sich und daher immun ist. Das könnte dabei helfen, die Dunkelziffer bei den Fallzahlen zu erhellen, aber auch den Grad der Herdenimmunität aufzeigen.

Bisher wird eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 mithilfe von PCR-Tests nachgewiesen. Sie vermehren Teile des Virenerbguts und können so die Präsenz des Erregers in den Abstrichen nachweisen. Diese Tests sind daher gut geeignet, eine akute Infektion mit SARS-CoV-2 zu detektieren. Der Nachteil jedoch: Diese Tests benötigen mehrere Stunden und spezielle Laborgeräte, was ihre Kapazität begrenzt. Deshalb werden in Deutschland und den meisten Ländern momentan nicht alle Covid-19-Verdachtsfälle getestet. Dadurch ist die Dunkelziffer hoch.

Nur Antikörpertests können zeigen, wer schon immun ist

Ein weiteres Problem: Die PCR-Tests können nicht anzeigen, ob ein Mensch eine Coronavirus-Infektion überstanden hat. Doch dies ist wichtig, um festzustellen, welche Menschen schon immun gegen den Erreger sind. Denn dem gängigem Wissensstand nach schützen die nach einer Covid-Erkrankung gebildeten Antikörper ihren Träger vor einer Neuinfektion mit dem gleichen Virus. Je mehr Menschen in einer Bevölkerung diese Immunität besitzen, desto schlechter kann sich das Virus daher ausbreiten.

„Wir wissen nicht, wie viele jetzt schon immun sind. Deshalb wissen wir streng genommen nicht, wo in dieser Krise wir stehen“, sagt Ralf Ehricht vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena. Abhilfe schaffen könnten aber Tests, die gezielt die Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut nachweisen. „Antikörpertests liefern wichtige Informationen zum Verständnis und zur Eindämmung der Corona-Pandemie“, betont der Forscher. Bislang fehlte es aber an Antikörpertests mit ausreichender Zuverlässigkeit.

Antigene des Virus nachgebaut

Inzwischen haben gleich zwei solcher Antikörper-Schnelltests die Zulassung erhalten. Einer wurde von der Berliner Firma PharmACT in Kooperation mit Medizinern entwickelt, einen zweiten Test haben Ehricht und ein internationales Team entwickelt, hergestellt wird er von der Diagnostik-Firma Senova in Weimar. Beide Schnelltest sind bereits auf dem Markt, ihre Validierung im Rahmen von läuft jedoch noch.

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Grundlage dieser sogenannte Lateral Flow Tests sind gentechnisch nachgebaute Fragmente wichtiger Hüllproteine von SARS-CoV-2. Diese Proteinteile dienen der Immunabwehr normalerweise als Erkennungszeichen und Andockstellen für die körpereigene Antikörper gegen das Virus. Diese sogenannten Antigene haben die Forscherteams nun nachgebaut und im Inneren des Teströhrchens auf einer speziellen Matrix fixiert.

Reaktion auf zwei verschiedene Antikörper

Wird nun ein Blutstropfen auf das Teströhrchen gegeben, transportiert die poröse Matrix im Inneren das Blut samt Pufferlösung bis zu den Streifen, an denen die viralen Antigene verankert sind. Befinden sich nun Antikörper gegen diese Antigene im Blut der Testperson, binden diese an die Antigene. Als Folge verfärbt sich der Teststreifen an dieser Stelle rötlich – der Nachweis ist positiv.

Der Clou dabei: Die Antikörper-Schnelltests können unterscheiden, ob eine Person mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert ist oder bereits eine Immunität gegen den Erreger entwickelt hat. Möglich wird dies durch die Reaktion der Tests auf zwei verschiedenen Immunglobuline gegen das Virus. Die IgM-Antikörper finden sich bereits einige Tage nach der Infektion im Blut, sie zeigen daher einen akuten Covid-Fall an – wenn auch erst nachdem er schon mehrer Tage lang infektiös war. Die IgG-Antikörper bilden sich dagegen noch später im Infektionsverlauf. Sie bleiben meist viele Monate nachweisbar und zeigen eine bestehende Immunität an.

In ersten klinischen Vergleichstests mit 114 Covid-Patienten und 126 gesunden Kontrollpersonen zeigte die IgM-Komponente des PharmACT-Tests zwischen dem vierten und zehnten Tag  der Infektion eine Sensitivität von rund 70 Prozent, ab dem elften Tag aber stieg die Rate auf gut 92 Prozent. Der für die Immunität wichtige IgG-Nachweis erreichte eine Trefferquote von 98,6 Prozent, wie das Unternehmen berichtet.

Hoffnung auf Herdenimmunität

Noch gibt es diese Tests nicht in der millionenfachen Stückzahl, die man für eine flächendeckende Testung bräuchte. Experten schätzen aber, dass es in wenigen Wochen so weit sein könnte. Dann könnten solche Antikörpertests dabei helfen präziser abschätzen, wie viele Menschen in Deutschland und anderswo sich tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert haben. Für die Früherkennung einer Infektion allerdings eignen sich diese Tests nicht – dazu werden weiterhin die PCR-Tests benötigt.

Der Nachweis von Antikörpern aber erlaubt Rückschlusse darauf, wann sich eine sogenannte Herdenimmunität einstellt. Nach bisherigem Kenntnisstand könnte dies der Fall sein, wenn rund 70 Prozent der Bevölkerung dank einer durchlebten Infektion immun gegen SARS-CoV-2 ist. Aber auch für Pflegekräfte und Ärzte könnten Antikörpertests hilfreich sein. Denn wenn sie sich als immun erweisen, können sie Erkrankte pflegen, ohne selbst ansteckend oder gefährdet zu sein. Ähnliches gilt auch für andere exponierte Berufsgruppen.

Quelle: Leibniz-Institut für Photonische Technologien, Universität Jena, PharmACT

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