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Corona: Wie häufig sind Impf-Durchbrüche?

Deltavariante verursacht vermehrt Coronavirus-Infektionen trotz Impfung

Coronavirus
Die mRNA-Impfstoffe schützen zwar auch bei der Deltavariante gut vor schweren Verläufen von Covid-19, eine Ansteckung Geimpfter kommt aber deutlich häufiger vor. © ismagilov/ iStock

Angesteckt trotz Impfung: Die Berichte über Coronavirus-Infektionen bei vollständig Geimpften mehren sich – vor allem für die Deltavariante von SARS-CoV-2. In den USA gab es nach Sommerfesten einen Ausbruch, bei dem sogar zu 74 Prozent Geimpfte betroffen waren. Allerdings: Die meisten Fälle verliefen symptomlos oder mild, nur in wenigen Ausnahmen mussten Patienten mit stärkeren Covid-19-Symptomen ins Krankenhaus. Erhöhtes Risiko besteht offenbar vor allem bei stark abgesunkenen Antikörper-Werten.

Die Impfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 sollen uns vor Covid-19 und vor allem vor schweren Verläufen der Infektion schützen. Laut Zulassungsstudien gelingt dies den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna immerhin zu knapp 95 Prozent. Diese Impfstoffe mobilisieren die Immunabwehr, indem sie unsere Zellen dazu bringen, das virale Spike-Protein herzustellen. Dies löst die Produktion passender T-Zellen und Antikörper aus.

CDC warnt vor Ansteckung trotz Impfschutz

In jüngster Zeit häufen sich jedoch Berichte von Menschen, die sich trotz Impfung mit SARS-CoV-2 infizieren und teilweise auch erkranken. Das weckt die Sorge, dass die Vakzine möglicherweise doch keinen genügenden Schutz vor dem Coronavirus bieten oder dass mutierte Formen des Virus wie die Delta-Variante den Impfschutz umgehen können.

In den USA nahm die Seuchenbehörde CDC jüngste Fälle dieser Art zum Anlass, auch allen Geimpften erneut das Maskentragen in geschlossenen Räume zu empfehlen. „Die Daten sprechen dafür, dass die Infektion mit der Deltavariante bei geimpften Menschen ähnlich hohe Viruslasten hervorruft wie bei ungeimpften“, sagte CDC-Direktorin Rochelle Walensky am 30. Juli. „Hohe Viruslasten deuten darauf hin, dass auch Geimpfte nach Infektion mit der Deltavariante dieses Virus übertragen können.“

USA: Corona-Ausbruch unter Geimpften

Der Anlass für diese Warnung ist ein Corona-Ausbruch im US-Bundesstaat Massachusetts. Dort kam es nach mehreren Sommerfesten in einem Landkreis zu einer auffällig erhöhten Zahl von Covid-19-Fällen. Die Inzidenz schnellte innerhalb von 14-Tagen von Null auf mehr als 177 hoch, insgesamt wurden bis 26. Juli 469 Fälle gemeldet. Die meisten Betroffene hatten kurz zuvor an einer der Veranstaltungen teilgenommen oder sich in dicht gedrängten Bars und Restaurants aufgehalten.

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Das Bedenkliche jedoch: Von den 469 Infizierten waren 346 Personen vollständig geimpft – sie hatten bereits Wochen zuvor ihre zweite Dosis der mRNA-Impfstoffe BioNTech/Pfizer oder Moderna erhalten, wie das CDC berichtet. Damit handelte es sich bei 74 Prozent der Fälle in diesem Ausbruch um sogenannte Durchbruchs-Infektionen – Infektionen trotz bestehendem Impfschutz. Ein Großteil dieser Fälle ging auf die Deltavariante von SARS-CoV-2 zurück.

Schutz vor schweren Verläufen, aber hohe Viruslast

Immerhin legen die Daten nahe, dass die Impfstoffe weiterhin vor schweren Verläufen schützen: Zwar entwickelten 79 Prozent der infizierten Geimpften in Massachusetts Covid-19-Symptome wie Husten, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Erschöpfung und Fieber. Aber nur vier Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, keiner von ihnen starb. Allerdings lag das Durchschnittsalter der Betroffenen bei 42 Jahren, hochaltrige Personen waren kaum darunter.

Weniger positiv ist zudem das Ergebnis vergleichender PCR-Tests: Bei diesen zeigte sich, dass die geimpften Infizierten eine ähnlich hohe Viruslast aufwiesen wie die ungeimpften oder erst teilgeimpften Patienten. Das spreche dafür, dass geimpfte Personen nach einer Infektion mit der Deltavariante ähnlich ansteckend für ihre Umgebung sein könnten wie ungeimpfte, so das CDC.

Insgesamt legen diese Ergebnisse nahe, dass die mRNA-Impfstoffe auch bei der Deltavariante vor schweren Verläufen schützen – zumindest bei Menschen ohne schwere Vorerkrankungen oder in hohem Alter. Aber eine Ansteckung oder Weitergabe dieses Virustyps verhindern sie weniger effektiv.

Erhöhtes Risiko bei niedrigen Antikörper-Titern

Damit unterscheidet sich die Deltavariante von früheren Formen von SARS-CoV-2 wie der Alphavariante. Bei dieser waren die Viruslasten bei Geimpften deutlich niedriger als bei ungeimpften und auch Durchbruchs-Infektionen traten weniger oft auf. So ermittelte eine Studie bei Pflegekräften in einem israelischen Krankenhaus im Frühjahr 2021 nur 2,6 Prozent Durchbruchs-Infektionen: Von den 1.497 vollständig geimpften Studienteilnehmern infizierten sich 39 Personen, die meisten davon mit einem asymptomatischen oder milden Verlauf.

Schon bei dieser Studie wurde allerdings klar, dass sich vor allem geimpfte Personen mit relativ niedrigen Antikörper-Werten ansteckten. „Die Titer der neutralisierenden Antikörper waren bei den infizierten Geimpften niedriger als bei den nicht-infizierten“, berichten Moriah Bergwerk von der Universität Tel Aviv und seine Kollegen. Bei denjenigen, die sich ansteckten, waren höhere Antikörper-Titer vor der Infektion mit niedrigeren Viruslasten danach verknüpft.

Dritte Dosis und zusätzliche Schutzmaßahmen

Wegen der starken Zunahme der Deltavariante in Israel und diesen Antikörper-Befunden hat die israelische Regierung entschieden, jetzt allen Über-60-Jährigen eine dritte Corona-Impfung anzubieten. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass die Immunreaktion gerade bei Älteren schwächer ausfällt und die Antikörper-Titer schneller wieder absinken.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es eine Abschwächung der Immunität mit der Zeit gibt. Das Ziel der zusätzlichen Dosis ist es, den Immunschutz wieder aufzubauen und damit das Risiko einer Infektion und schwerer Verläufe signifikant zu verringern“, erklärte Israels Premierminister Naftali Bennett dazu in einer Pressekonferenz.

In den USA empfiehlt das CDC auch allen Geimpften, die Schutzmaßnahmen gegen Corona weiterhin einzuhalten. „Veranstaltungs-Organisatoren und lokale Gesundheitsämter sollten sich darauf einstellen, dass trotz Impfungen zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig bleiben“, konstatieren Catherine Brown von der Gesundheitsbehörde von Massachusetts und ihre Kollegen. Dazu könne neben dem Maskentragen auch eine Beschränkung der Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen gehören. (Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR), 30.07.2021; New England Journal of Medicine, 2021; doi: 10.1056/NEJMoa2109072)

Quelle: Centers for Disease Control (CDC), University of Minnesota, Times of Israel

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