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Corona: Länger als zehn Tage infektiös?

Bei gut einem Zehntel der Patienten mit mildem Covid-19 bleiben die Coronaviren länger aktiv

Coronavirus
Wie lange bleibt ein mit dem Coronavirus infizierter Mensch infektiös? © Anet89, BlackJack3D/ Getty images

Länger infektiös auch bei mildem Verlauf: Inmitten der Debatte zur Verkürzung der Isolationszeit liefern britische Forscher nun neue Anhaltspunkte zur Dauer der potenziell ansteckenden Phase bei Covid-19. Demnach sind die Coronaviren bei rund ein Drittel der Patienten noch fünf Tage nach Symptombeginn aktiv. Nach zehn Tagen sind noch rund 13 Prozent der Infizierten potenziell ansteckend. Eine Verkürzung der Quarantäne sei daher nur nach negativem Test ratsam, sagen die Wissenschaftler.

Mit der rasanten Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante hat die Corona-Pandemie wieder Fahrt aufgenommen. Nahezu überall steigen die Infektionszahlen rasant. Deshalb wurden in einigen Bundesländern schon verkürzte Quarantäne- und Isolationszeiten beschlossen – von 14 Tagen auf nur noch sieben oder zehn Tage. Das allerdings weckt die Frage, wie lange ein infizierter Patient noch ansteckend sein kann. Gängiger Annahme nach sind rund zehn Tage nach Symptombeginn bei den meisten Patienten keine aktiven Coronaviren mehr nachweisbar.

Subgenomische RNA als Indiz für aktive Viren

Das Problem: PCR-Tests weisen zwar die RNA des Coronavirus SARS-CoV-2 mit hoher Präzision nach. Sie geben aber keine Auskunft darüber, ob dieses virale Erbgut von sich aktiv vermehrenden Viren stammt oder ob es sich um bloße Fragmente der Viren handelt. Meist wird daher über die Virenlast abgeschätzt, ob ein Patient noch infektiös ist oder nicht. „Genauere Untersuchungen zur langfristigen Abgabe infektiöser Viren vor allem bei milden und symptomlosen Verläufen fehlen jedoch“, erklären Merlin Davies von der University of Exeter und seine Kollegen.

Sie haben daher einen neuen Weg gewählt, um die potenzielle Infektiosität von Covid-19-Patienten zu ermitteln. Dafür analysierten sie Proben von Covid-19-Patienten auf die subgenomische RNA des Coronavirus. „Solche RNAs werden bei der Transkription der Virionen-Strukturgene im Zuge der aktiven Replikation des Virus gebildet“, so die Forschenden. „Sie enthalten Gensequenzen, die anders arrangiert sind als im ursprünglichen RNA-Genom des Virus.“

Diese sogenannte sgRNA liefert daher Anhaltspunkte dafür, ob ein Patient noch sich aktiv vermehrende Viren in sich trägt. Zudem stehen die Menge an nachweisbarer sgRNA und die Viruslast der Patienten in linearem Zusammenhang, wie Davies und ihre Kollegen erklären. Für ihre Studie führten sie diese Analyse bei 176 Covid-Patienten mit keinen oder milden Symptomen durch, 40 Teilnehmende wurden täglich getestet.

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Ein Drittel nach fünf Tagen, ein Zehntel nach zehn Tagen

Das Ergebnis: „Unsere Daten zeigen, dass 30 Prozent der Corona-Infizierten nach fünf Tagen noch klinisch relevante Mengen von potenziell aktiven Viren aufwies“, berichtet Davies’s Kollegin Lorna Harris. „Das bedeutet, dass diese Personen weiterhin infektiös sein könnten.“ Zehn Tage nach Symptombeginn waren bei 13 Prozent der Testpersonen noch potenziell aktive Viren in Form von sgRNA nachweisbar. Einige Patienten waren sogar noch Tage bis Wochen später sgRNA-positiv.

„Auch wenn dies nur eine kleine Studie war, deuten die Resultate dennoch darauf hin, dass das Coronavirus in einigen Fällen auch länger als zehn Tage aktiv bleiben kann“, sagt Harris. Zwar wurden solche längeren Infektionszeiten bei schweren Verläufen schon häufiger nachgewiesen. Die aktuellen Ergebnisse legen aber nahe, dass dies auch für milde oder symptomlose Verläufe von Covid-19 gelten kann. „An diesen Patienten war nichts klinisch Auffallendes, was bedeutet, dass man nicht ohne weiteres erkennen kann, bei wem dies der Fall ist“, sagt Harris.

Verkürzung der Isolation ist ein Risiko

Nach Ansicht des Forschungsteams legen ihre Resultate nahe, dass eine Verkürzung der Isolationszeit ein erhebliches Risiko bergen könnte. „Wir sollten dann darauf achten, dass diese Menschen einen negativen Virentest aufweisen, um sicherzustellen, dass sie nicht länger infektiös sind“, sagt Davies. Allerdings räumen die Forschenden ein, dass noch genauer untersucht werden muss, inwiefern ihre Ergebnisse auf die Omikron-Variante übertragbar sind. Denn die Studie wurde noch mit dem Ursprungstyp von SARS-CoV-2 durchgeführt.

Dazu kommentiert der nicht an der Studie beteiligte Virologe Julian Tang von der University of Leicester: „Die Alpha-, Delta- und Omikron-Varianten führen vermutlich sogar zu einem höheren Anteil von noch nach zehn Tagen infektiösen Patienten als in der Studie ermittelt.“ Bei geimpften Infizierten könnte die Virenlast aber so weit abgesenkt sein, dass dies nicht gelte, so der Forscher. Weitere Studien sind demnach nötig.

Dennoch legen diese Erkenntnisse nahe, dass es bei einer verkürzten Quarantäne und Isolation auf weniger als zehn Tage sinnvoll ist, die Patienten zu Sicherheit noch einmal abschließend zu testen. (International Journal of Infectious Diseases, 2022; doi: 10.1016/j.ijid.2021.12.312)

Quelle: University of Exeter

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