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Corona-Impfung macht nicht unfruchtbarer

Studie findet erneut keinerlei Effekt auf Fruchtbarkeit und Empfängnis

Befruchtung
Die Impfung gegen Corona steht einer erfolgreichen Befruchtung nicht im Wege. © Dr_Microbe/ Getty images

Ängste unbegründet: Die Impfung gegen Covid-19 hat keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und Empfängnis – eine Corona-Infektion hingegen schon, wie nun eine US-Studie belegt. Demnach beeinträchtigen die gängigen Corona-Impfstoffe weder die Menstruation noch die Zeugungsfähigkeit. Die Chance, schwanger zu werden, war für geimpfte und ungeimpfte Paare gleich. Hatte sich hingegen ein Mann mit dem Coronavirus infiziert, verringerte dies seine Fruchtbarkeit in den folgenden 60 Tagen.

Die Corona-Impfstoffe sind zurzeit der beste Schutz gegen eine schweren Verlauf von Covid-19. Vor allem die mRNA-Vakzinen haben sich zudem als relativ nebenwirkungsarm erwiesen – trotz Milliarden verimpfter Dosen sind kaum schwere Komplikationen bekannt. Nur in sehr wenigen Fällen kann es – vor allem bei jungen Männern und bei zu früher Belastung – zu einer Herzmuskelentzündung kommen, die aber behandelbar ist. Dennoch grassieren vor allem in den sozialen Medien zahlreiche Berichte über angeblich fatale Impfwirkungen oder schwere Langzeitfolgen.

Menstruation, Plazentaprotein und die Impfung

Zu den sich am hartnäckigsten haltende Gerüchten gehört die Befürchtung, dass eine Corona-Impfung Störungen des Menstruationszyklus auslöst und sogar unfruchtbar machen kann. Als einer der Gründe dafür wird eine Ähnlichkeit des Oberflächenproteins von SARS-CoV-2 mit dem für die Plazentabildung wichtigen Protein Syncytin-1 angeführt. Dies soll, so das Gerücht, zur Bildung von Antikörpern gegen das Plazentaprotein führen und so eine Schwangerschaft verhindern.

„Inzwischen haben allerdings schon drei Studien nachgewiesen, dass nach Verabreichung eines mRNA-Impfstoffs keinerlei Anti-Syncytin-Antikörper gebildet werden“, erklären Amelia Wesselink von der Boston University und ihre Kollegen. Drei weitere Studien fanden zudem bei Paaren in der Kinderwunsch-Behandlung keinerlei Zusammenhang zwischen Erfolg der In-Vitro-Fertilisation und dem Impfstatus. Und schon in den Zulassungsstudien für die Impfstoffe wurden in den Vakzingruppen genauso viele Teilnehmerinnen unbeabsichtigt schwanger wie in den Placebogruppen.

Kein Impfeffekt bei Zeugung und Schwangerschaft

Eine weitere Bestätigung dafür, dass die Corona-Impfung keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern hat, liefert nun die Studie von Wesselink und ihrem Team. Teilgenommen hatten 2.126 Frauen im Alter von 21 bis 45 Jahren aus Kanada und den USA. Alle versuchten gemeinsam mit ihrem Partner, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Knapp drei Viertel der Paare hatten mindestens eine Impf-Dosis erhalten. Durch regelmäßige Untersuchungen und Befragungen ermittelte das Forschungsteam, wie lange es im Schnitt bis zur Empfängnis dauerte.

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Das Ergebnis: „Frauen, die mindestens eine Impfdosis erhalten hatten, hatten im folgenden Zyklus eine 1,08-Mal höhere Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden als ungeimpfte Teilnehmerinnen“, berichten die Forschenden. Die Chance war demnach nahezu gleich groß und blieb es auch nach einer vollständigen Impfung. Bezogen die Wissenschaftler den Impfstatus der Männer mit ein, blieben die Chancen ebenfalls gleich.

Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt

„Unsere Studie zeigt damit klar, dass die Covid-19-Impfung keinerlei Effekt auf die Fruchtbarkeit von Paaren mit Kinderwunsch hat“, sagt Wesselink. „Die Dauer bis zu einer Zeugung und Schwangerschaft wurde nicht vom Impfstatus beeinflusst.“ Dabei spielt es keine Rolle, ob die Teilnehmenden mit einem der mRNA-Vakzinen geimpft worden waren oder mit dem Vektorimpfstoff von Johnson&Johnson. Auch für die Zeit seit der Impfung zeigten sich keine Effekte.

„Diese Ergebnisse sind eine beruhigende Bestätigung dafür, dass die Corona-Impfung die Fruchtbarkeit von Paaren nicht beeinträchtigt“, sagt Wesselinks Kollegin Lauren Wise. Weil diese Studie die Paare über längere Zeit und schon vor ihrer Schwangerschaft begleitet habe, liefere sie aussagekräftigere Daten als eine Kohortenstudie, die erst im Nachhinein beispielsweise die Fruchtbarkeit zweier Gruppen vergleicht. Zudem seien die Teilnehmenden von der Herkunft, dem Einkommen und den Wohnorten her sehr divers.

Corona-Infektion senkt männliche Zeugungsfähigkeit

Durchaus einen negativen Effekt auf die Fruchtbarkeit kann hingegen eine Corona-Infektion haben: Bei Männern, die sich mit dem Coronavirus infizierten, sanken die Chance auf eine erfolgreiche Zeugung in den ersten 30 Tagen danach um rund 80 Prozent ab. Vom 30. bis 60. Tag war die Fruchtbarkeit noch um rund 18 Prozent verringert, wie die Forschenden ermittelten.

Nach Ansicht von Wesselink und ihrem Team zeigen diese Resultate relativ klar, dass die Ängste vor einer Unfruchtbarkeit durch die Corona-Impfung unbegründet sind. „Wenn man alle bisher verfügbaren Informationen in Betracht zieht, spricht alles dafür, sich impfen zu lassen“, so Wesselink. (American Journal of Epidemiology, 2022; doi: 10.1093/aje/kwac011)

Quelle: Boston University

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