Rolle von Ionenkanälen bei Herzrhythmusstörungen untersucht Chaos durch gestörte Kanäle - scinexx | Das Wissensmagazin
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Rolle von Ionenkanälen bei Herzrhythmusstörungen untersucht

Chaos durch gestörte Kanäle

Man kann es fühlen: Wie ein Präzisions-Uhrwerk schlägt das Herz des Menschen täglich etwa 100.000 Mal im immer gleichen Rhythmus – sofern es gesund ist. Erkrankt der Herzmuskel, kann der regelmäßige Takt schnell aus dem Lot geraten. Ein Mediziner vom Universitätsklinikum Frankfurt/Main hat zwei Ionenkanäle untersucht, deren Interaktion an der Entstehung von bestimmten Herzrhythmusstörungen beteiligt ist.

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Körpereigene elektrische Impulse sorgen für den Herzrhythmus. Sie lassen das Herz schlagen, wobei jeder Schlag frisches Blut in den Körperkreislauf treibt. Erzeugt wird dieser „elektrische Antrieb“ durch Ströme von geladen Teilchen (Ionen) durch besondere Proteine, die Ionenkanäle. Wie Poren durchziehen sie die äußere Hülle (Membran) der Herzzellen. Störungen des Herzrhythmus gehören zu den häufigen Erkrankungen des zentralen menschlichen Organs.

Medikamente lösen Flimmern aus

Viele Herzrhythmusstörungen wie etwa das „Vorhofflimmern“, behandeln Mediziner mit verschiedenen Medikamenten. Paradoxerweise verursachen diese Arzneien häufig andere Herzrhythmusstörungen, so genannte Proarrhythmien, die von den Herzkammern ausgehen. Anfallsweise fängt das Herz dann zu rasen an. Zuweilen enden diese Nebenwirkungen tödlich und gelten in der Herzmedizin als großes Problem. Joachim Ehrlich beschäftigt sich mit diesem erworbenem „Long-QT-Syndrom“ (LQTS). „Bei dieser Herzrhythmusstörung funktionieren bestimmte Ionenkanäle nicht mehr richtig“, sagt der Nachwuchswissenschaftler, der jetzt für seine Arbeiten ein Graduiertenstipendium der Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung erhalten hat.

Interaktion der Ionenkanäle entscheidend

Der Forscher von der Klinik für Kardiologie des Frankfurter Universitätsklinikums hat jüngst erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen zwei Ionenkanälen namens „KvLQT1“ und „HERG“ entdeckt. Bisher wurden die beiden Proteine nur getrennt betrachtet. „Doch wahrscheinlich arbeiten sie zusammen“, erklärt der Stiftungspreisträger. Denn KvLQT1 scheint einerseits dem HERG-Protein als eine Art Transporthilfe zu dienen und andererseits die molekularen Eigenschaften des HERG-Ionenkanals zu beeinflussen. Und es könnte sein, dass die Medikamente gegen bestimmte Herzrhythmusstörungen genau diese Interaktion stören und so in den betreffenden Patienten das LQTS mit verursachen. Zwar dienen die jetzt geplanten Studien über die beiden Ionenkanäle zunächst nur der Grundlagenforschung. Doch die Erkenntnisse könnten helfen, eines Tages Wege zu finden, um das LQTS zu mindern und gar zu verhindern.

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(Novartis Stiftung für therapeutische Forschung, 14.09.2004 – NPO)

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