Neue Methode könnte zu einer besseren Vorbeugung und Therapie führen Blutplättchen-Blockade schützt vor Schlaganfällen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neue Methode könnte zu einer besseren Vorbeugung und Therapie führen

Blutplättchen-Blockade schützt vor Schlaganfällen

Schlaganfälle werden meist durch Verstopfungen der Blutgefäße verursacht, die das Hirn versorgen. Ein deutsches Forscherteam hat nun eine Möglichkeit gefunden, diese gefährlichen Pfropfen zu verhindern: Sie stellten Antikörper her, die auf der Oberfläche von Blutplättchen andocken und dort die Rezeptoren Glykoprotein(GP)Ib und GPVI blockieren. Dadurch können sich die Plättchen nicht mehr an die Gefäßwände anheften, so dass erst gar kein Blutgerinnsel entsteht.

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Die neuen Forschungsergebnisse könnten zu einer besseren Vorbeugung und Therapie von Schlaganfällen führen, so die Wissenschaftler um Christoph Kleinschnitz, Guido Stoll und Martin Bendszus von der Universität Würzburg sowie Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow- Zentrum/DFG-Forschungszentrum in der Fachzeitschrift Circulation.

Schlaganfälle gehören bei uns zu den häufigsten Todesursachen. Auch wer ein solches Ereignis überlebt, kann danach schwer behindert bleiben – das Gehirn war dann zu lange zu schlecht mit Blut versorgt und wurde dadurch geschädigt.

Versuchstier Maus

Bei ihren Laboruntersuchungen an Mäusen setzten die Würzburger Wissenschaftler nun bei Blutplättchen an, weil die bei der Entstehung von Blutgerinnseln in den Arterien und damit bei Schlaganfällen eine tragende Rolle spielen.

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Die Forscher fanden heraus: Bei Labormäusen, deren Blutplättchen nach einer Injektion der Antikörper blockiert sind, kommt es zu deutlich geringeren Schlaganfällen als bei unbehandelten Artgenossen. In den kleinen Gehirnarterien der Nager entwickeln sich weniger Gerinnsel, so dass die Durchblutung im Bereich des Hirninfarktes deutlich besser ist als bei einem „vollen“ Schlaganfall. Nach dem Hirninfarkt zeigen sich außerdem weitaus weniger neurologische Ausfallerscheinungen.

Ergebnisse auf den Menschen übertragbar?

„Falls sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, könnte es durch eine medikamentöse Hemmung der beiden Blutplättchen- Rezeptoren in Zukunft unter Umständen gelingen, das Auftreten bestimmter Typen von Schlaganfällen besser zu verhindern und besser zu behandeln, als das bisher der Fall ist“, sagt Assistenzarzt Kleinschnitz. Damit meint er Schlaganfälle, die durch eine plötzliche Verstopfung der Blutgefäße zustande kommen. Dieser Typus macht rund 85 Prozent aller Schlaganfälle aus, der Rest entsteht durch Blutungen im Gehirn.

Doch die Blockade der Blutplättchen birgt auch eine Gefahr in sich, nämlich dass die Blutgerinnung nicht mehr richtig funktioniert und deshalb das Risiko für innere Blutungen steigt. „Aber glücklicherweise bluten die Mäuse nach der Verabreichung der Antikörper nicht stärker als ohne Behandlung. Das haben wir durch kernspintomographische Untersuchungen nachgewiesen, darin liegt die Stärke dieser neuen Plättchenhemmer“, so Kleinschnitz. Innere Blutungen, etwa im Gehirn, kommen dem Mediziner zufolge bei den bisher zum Schutz vor Schlaganfällen eingesetzten Blutplättchen-hemmenden Medikamenten – wie beispielsweise Acetylsalicylsäure oder Clopdiogrel – nicht selten vor.

Mittelfristig wollen die Wissenschaftler diese Therapie so weit bringen, dass sie auf den Menschen übertragen werden kann. „Dazu werden aber unter anderem noch die Entwicklung von Antikörpern oder pharmakologischen Substanzen nötig sein, die beim Menschen anwendbar sind – ein heute lösbares Problem, gefolgt von Sicherheitsstudien und großen klinischen Therapiestudien“, so die Forscher.

(idw – Universität Würzburg, 24.04.2007 – DLO)

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