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Beim Prädiabetes gibt es sechs Subtypen

Untergruppe bei der Diabetes-Vorstufe verrät späteres Krankheitsrisiko

Blutzucker
Schon im Vorstadium des Diabetes lässt sich am Subtyp erkennen, wie hoch das spätere Erkrankungsrisiko ist. © Evgeny Gromov/ iStock

Prädiabetes ist nicht gleich Prädiabetes: Beim Vorstadium zum Diabetes Typ 2 gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen, die sich in Stoffwechselparametern, Leberfett und Genetik unterscheiden. Je nach Untergruppe ist das Risiko für Diabetes und damit verknüpfte Komplikationen unterschiedlich hoch. Deshalb könnte das Wissen um den Subtyp dabei helfen, einer Erkrankung effektiver vorzubeugen, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Medicine“ berichten.

Diabetes Typ 2 ist eine der häufigsten Volkskrankheiten in den Industrieländern. Allein in Deutschland leiden rund sieben Millionen Menschen an der „Zuckerkrankheit“ – Tendenz stark steigend. Als begünstigende Faktoren gelten vor allem Übergewicht und falsche Ernährung, aber auch eine genetische Veranlagung. Die meisten Betroffenen entwickeln vor dem Diabetes zunächst ein Vorstufe. Bei einem solchen Prädiabetes ist der Blutzucker bereits erhöht, aber noch nicht im krankhaften Bereich.

Langzeitstudie über 20 Jahre

Doch wann droht ein Prädiabetes zum Diabetes zu werden? „Bisher konnte man bei Menschen mit Prädiabetes nicht vorhersehen, ob sie einen Diabetes entwickeln und Risiken zu schweren Folgeerkrankungen wie Nierenversagen haben, oder nur eine harmlose Form von leicht höheren Blutzuckerwerten ohne bedeutsames Risiko bekommen“, erläutert Seniorautor Hans-Ulrich Häring von der Universität Tübingen.

Jetzt enthüllt eine Langzeitstudie, dass schon die Vorstufe zeigen kann, wie sich die Krankheit bei einem Menschen manifestieren und entwickeln wird. Dafür hatten die Forscher 899 Probanden mit Prädiabetes über 20 Jahre hinweg immer wieder medizinisch untersucht und dabei wichtige Kenngrößen wie Blutzuckerwerte, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko erhoben.

Prädiabetes-Subtypen
Von den sechs Subtypen haben Typ 3,5 und 6 das höchste Risiko. © Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen

Sechs verschiedene Subtypen

Dabei zeigte sich: Bei Menschen im Vorstadium des Typ-2-Diabetes gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen – und sie sind entscheidend dafür, wie sich die Gesundheit der Betroffenen weiter entwickeln wird. Drei dieser Subtypen (1, 2 und 4) haben ein niedriges Diabetes-Risiko. Angehörige der Subtypen 1 und 2 sind nicht oder kaum übergewichtig, ihre Blutzuckerwerte und Insulinausschüttung funktionieren normal. Zum Subtyp 4 gehören übergewichtige Menschen, deren Stoffwechsel jedoch noch relativ gesund ist. Sie bilden den Typ des „gesunden Dicken“.

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Deutlich höher ist das Risiko für Diabetes und Folgeerkrankungen für die restlichen Subtypen aus (3, 5 und 6). Angehörige des Subtyps 3 haben schon eine gestörte Insulinproduktion, sind übergewichtig und genetisch vorbelastet. Menschen mit Subtyp 5 haben ebenfalls eine genetische Veranlagung zu Diabetes, eine ausgeprägte Fettleber und ihr Körper ist bereits resistent gegen die blutzuckersenkende Wirkung des Insulins.

Besonders ausgeprägt ist das Krankheitsrisiko bei Subtyp 6. Zu ihm gehören Menschen mit Übergewicht und viel Fett im Bauchraum und an den Nieren. Bei ihnen treten schon in dieser Diabetes-Vorstufe Schädigungen der Niere auf, zudem ist auch bei ihnen die Insulin-Sensitivität der Zellen herabgesetzt.

Chance für gezieltere Vorbeugung

„Wie beim Diabetes gibt es auch im Vorstadium unterschiedliche Krankheitstypen, die sich durch Blutzuckerhöhe, Insulinwirkung und Insulinausschüttung, Körperfettverteilung, Leberfett sowie genetischem Risiko unterscheiden“, fasst Erstautor Robert Wagner von der Universität Tübingen zusammen. Die sechs Subtypen fanden sich auch in einer zweiten Langzeitstudie mit 7.0000 Teilnehmern in London wieder.

Nach Ansicht der Wissenschaftler eröffnet das Wissen um diese Subtypen nun die Chance, Betroffene künftig gezielter zu behandeln und einer Erkrankung vorzubeugen. „Die Identifizierung von Subtypen im Vorstadium des Typ-2-Diabetes ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Präzisionsmedizin bei der Prävention des Diabetes und seiner Begleiterkrankungen“, sagt Koautor Martin Hrabe de Angelis vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung in Neuherberg.

Die Forschenden planen schon weiter. „In den nächsten Schritten werden wir zuerst in prospektiven Studien prüfen, wie weit die neuen Erkenntnisse für die Einteilung von einzelnen Personen in Risikogruppen anwendbar sind“, erklärt Andreas Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen. Sollte dies der Fall sein, könnten Menschen mit hohem Risikoprofil künftig früh erkannt und spezifisch behandelt werden. (Nature Medicine, 2021; doi: 10.1038/s41591-020-1116-9)

Quelle: Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

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