Weder Impfung noch Heilmittel: Ende der bislang schwersten Ebola-Epidemie ist nicht abzusehen Außer Kontrolle: Ebola in Westafrika - scinexx | Das Wissensmagazin
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Weder Impfung noch Heilmittel: Ende der bislang schwersten Ebola-Epidemie ist nicht abzusehen

Außer Kontrolle: Ebola in Westafrika

Quarantänestation in Kinshasa, DR Kongo (damals Zaire) während der Ebola-Epidemie von 1976. Die Patientin war der dritte bekannte Fall des hämorrhagischen Ebola-Fiebers und starb wenige Tage nach Aufnahme des Fotos. © CDC / gemeinfrei

Tödliches Virus: Ebola gehört zu den größten Schrecken unserer Zeit. Das Virus ist hochansteckend, in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich und es gibt keine Heilung gegen das verursachte hämorrhagische Fieber. Die momentane Epidemie in Westafrika ist der bisher schlimmste Ausbruch des Ebola-Fiebers und ein Ende der Epidemie ist nicht in Sicht. Was macht das Virus und diese Epidemie so tückisch?

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In den westafrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone wütet bereits seit Ende Februar 2014 die bislang schlimmste Ebola-Epidemie seit der Entdeckung des tödlichen Virus. Nach dem Ausbruch in Guinea griff das Ebola Fieber zunächst im April auf den Nachbarstaat Liberia über, im Mai schließlich auch auf Sierra Leone.

Immer wieder tödliche Ebola-Epidemien

Über 670 Tote sind seit Anfang der Epidemie zu beklagen – fast dreimal so viele wie beim ersten und bislang schwersten Ebola-Ausbruch im Jahr 1976. Damals brach die Krankheit am namensgebenden Ebola-Fluss in der Demokratischen Republik Kongo aus und forderte 280 Menschenleben. Seitdem kommt es in Afrika immer wieder zu Epidemien des tödlichen Ebola-Fiebers.

Die vom Ebola-Virus verursachte Krankheit ist ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber: Die Symptome ähneln zunächst denen der Grippe: Fieber, Muskelschmerzen, Heiserkeit, Schüttelfrost und Übelkeit. Das Nervensystem ist ebenfalls betroffen, wodurch es zu Krämpfen und vorrübergehender Lähmung kommen kann. Bald darauf folgen jedoch die erschreckenden und typischen Zeichen der Krankheit: Durchlässige Blutgefäße führen besonders an den Schleimhäuten zu inneren Blutungen. Blut aus Nase und Augen sowie blutige Durchfälle sind die Folge. Todesursache ist jedoch nicht der Blutverlust. Stattdessen versagen schließlich lebenswichtige Organe unter dem Ansturm des Virus.

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Todesrate bis zu 90 Prozent

Die ersten Symptome des Ebola-Fiebers treten zwischen zwei und 21 Tage nach der Ansteckung auf. Von diesem Zeitpunkt an dauert es oft nur wenige Tage bis zum Tod. Bei der jetzigen Epidemie in Westafrika überlebte bislang etwas weniger als die Hälfte der über 1.200 Erkrankten. Frühere Epidemien hatten Todesraten von schlimmstenfalls bis zu 90 Prozent. Selbst bei den Ausbrüchen mit der bislang niedrigsten Sterblichkeit starb mindestens jeder vierte Infizierte.

Als Ursprung des Virus gilt sogenanntes Buschfleisch: In Afrika ist es nicht ungewöhnlich, das Fleisch von Tieren wie Antilopen, aber auch Affen oder Fledermäusen zu essen. Besonders die Fledermäuse gelten als Wirte und Überträger des Ebola-Virus, ohne jedoch selbst von der Krankheit betroffen zu sein. Als eine der ersten Maßnahmen im Kampf gegen die momentane Epidemie rieten die Gesundheitsbehörden in Guinea darum vom Verzehr von Buschfleisch ab. Mittlerweile sind Handel und Verzehr von Fledermausfleisch dort verboten.

Einzige Möglichkeit: Ausbreitung verhindern

Von Mensch zu Mensch übertragen wird das Virus durch den Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten. Auch vor den ersten Symptomen kann das Virus bereits weitergegeben werden – diese Inkubationszeit dauert bis zu drei Wochen. Die Kontakte eines infizierten Menschen in dieser Zeit zurückzuverfolgen und zu kontrollieren stellt eine der größten Schwierigkeiten der Helfer in Westafrika dar. Vor allem infizierte Reisende tragen das Virus weiter. Die Regierung von Liberia hat darum mittlerweile die Grenzen abgeriegelt und versucht so, das ganze Land unter Quarantäne zu stellen.

Setzt erst das hämorrhagische Fieber ein, steigt die Ansteckungsgefahr durch die zahlreichen Blutungen stark an. Bei der Pflege von Patienten oder auch der Bestattung von Toten lässt sich naher Kontakt jedoch kaum vermeiden. Dies gilt besonders in der afrikanischen Gesellschaft, wo oft viele Menschen auf engstem Raum zusammen leben. Aus Angst, sich selbst mit dem Ebola-Fieber anzustecken, haben bereits viele medizinische Angestellte der Krankenhäuser in den Großstädten ihren Dienst verweigert. Dass diese Angst nicht unberechtigt ist, zeigen die Fälle mehrerer Mediziner: Ein führender Arzt aus Sierra Leone infizierte sich trotz aller Sicherheitsvorkehrungen mit dem Virus. Zwei Mitarbeiter einer US-amerikanischen Hilfsorganisation sind ebenfalls erkrankt.

Ärzte gegen Misstrauen und Aberglauben

Wirksame Medikamente oder Impfungen gegen das Fieber gibt es bislang nicht. Die einzige Behandlungsmöglichkeit besteht darin, die Infizierten so gut es geht bei Kräften zu halten und auf deren eigene Widerstandskraft zu hoffen. Die Gründe, warum manche Menschen bessere Überlebenschancen haben als andere, sind noch nicht bekannt. Überlebende sind jedoch anschließend immun gegen den jeweiligen Stamm des Virus. Mediziner forschen darum auf der Suche nach einem möglichen Heilmittel mit Hochdruck nach diesen Ursachen.

Den Überlebenden der Epidemie in Westafrika kommt jedoch noch eine weitere wichtige Rolle zu: Sie werden gewissermaßen zu „Ebola-Botschaftern“, die in ihren Heimatorten bei der Aufklärungsarbeit über die Ansteckungsgefahr durch das Virus und die Arbeit der Ärzte helfen. Viele einheimische Menschen begegnen den Mitarbeitern der internationalen Hilfsorganisationen vor Ort nämlich misstrauisch oder sogar feindselig. Sie trauen den fremden Medizinern nicht und beharren auf eigenen Behandlungsmethoden. Eine erkrankte Frau wurde von ihren Familienmitgliedern regelrecht aus dem Krankenhaus entführt.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes desinfizieren einen Leichensack während einer Ebola-Epidemie im Jahr 1995 in Kikwit, DR Kongo. © CDC / gemeinfrei

Im Extremfall wird den Helfern sogar die Schuld an der Epidemie zugewiesen. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ beschloss wegen solcher Anfeindungen sogar zwischenzeitlich, ihre Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus Westafrika abzuziehen. Mittlerweile haben deren Ärzte die Arbeit jedoch wieder aufgenommen.

Vollkommen außer Kontrolle

In amerikanischen und europäischen Krankenhäusern wie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf gibt es speziell eingerichtete Isolations-Stationen für Patienten mit derartig hochansteckenden Krankheiten. Aus diesem Grund halten Experten es für unwahrscheinlich, dass sich das Ebola-Fieber bei uns ebenso epidemisch ausbreiten könnte wie derzeit in Westafrika, selbst wenn infizierte Menschen mit dem Flugzeug aus dem Epidemie-Gebiet hierher gelangen.

In Afrika sieht die Lage allerdings anders aus: Bei hunderten von infizierten Menschen und unter wesentlich schlechteren Bedingungen ist es für die Hilfsorganisationen vor Ort ein harter Kampf, die Ausbreitung des Ebola-Virus einzudämmen. Mit dem jüngsten Ausbruch des Ebola-Fiebers erreicht das Virus zum ersten Mal auch dicht besiedeltes Gebiet wie die Hauptstädte Conakry und Monrovia. Frühere Epidemien hatten sich auf abgelegene Dörfer beschränkt, wo sich die großflächige Ausbreitung des Virus relativ leicht verhindern ließ. Nun dagegen sind die Ärzte der Hilfsorganisationen nahezu machtlos. Die „Ärzte ohne Grenzen“ bezeichneten die Lage noch im Juni 2014 als „vollkommen außer Kontrolle“.

(Ärzte ohne Grenzen / WHO, 29.07.2014 – AKR)

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