Gehalt von sechs Molekülen in der Ausatemluft verändert sich bei gestressten Menschen messbar Atemtest verrät Stress-Niveau - scinexx | Das Wissensmagazin
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Gehalt von sechs Molekülen in der Ausatemluft verändert sich bei gestressten Menschen messbar

Atemtest verrät Stress-Niveau

Stress - bald auch am Atem erkennbar? © SXC

Ein tiefes Ausatmen könnte künftig ausreichen, um unser Stress-Niveau zu verraten. Denn britische Forscher haben sechs Moleküle identifiziert, deren Gehalt sich bei gestressten Menschen in der Ausatemluft verändert. Auf Basis dieser Erkenntnisse wäre es möglich einen Test zu entwickeln, der die psychische Belastung anhand dieser Komponenten erkennt, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Breath Research“ berichten.

Schon seit längerem sind Mediziner nicht mehr nur auf Blut- oder Urinproben angewiesen, wenn sie Hinweise auf eine Erkrankung finden wollen. Denn über die Lungen geraten verräterische Anzeiger für eine Infektion oder eine andere Krankheit auch in unsere Ausatemluft. Über chemische Nachweismethoden lassen sich so bereits Biomarker für Tuberkulose, verschiedene Krebsarten, Lungenentzündungen und Asthma identifizieren. Ob sich aber auch ein physiologischer Ausnahmezustand wie Stress in unserer Ausatemluft manifestiert, war bisher ungeklärt. Paul Thomas von der Loughborough University in Leicestershire und seine Kollegen sind dieser Frage nun nachgegangen.

Bisherige Stresstests bei Menschen und Tieren ermitteln meist die Konzentration bestimmter Stresshormone wie Cortisol und erfordern dafür eine Blut- oder Speichelprobe. „Wenn wir Stress zukünftig objektiv messen könnten, ohne irgendwelche invasiven Methoden einzusetzen, dann wäre das eine große Hilfe für viele Betroffenen“, erklärt Thomas. Zudem ließe sich so auch die psychische Belastung von Patienten ermitteln, die nicht mehr selbst fähig sind, über ihren Zustand Auskunft zu geben, wie beispielsweise Demenzkranke.

Atemprobe nach Mathestres

Für ihre Studie nahmen die Forscher zunächst von ihren Probanden – 22 jungen Frauen und Männern – eine Atemprobe. Dann wurden alle Teilnehmer zwei verschiedenen Situationen ausgesetzt: In einer durften sie sich entspannt hinsetzen und ruhiger Musik lauschen, in der anderen mussten sie unter Zeitdruck mathematische Aufgaben lösen – für die meisten von uns purer Stress. Während dieser Sitzungen überwachten die Forscher Puls und Blutdruck der Probanden, am Ende jeder Sitzung nahmen sie erneut von jedem eine Atemprobe.

Alle Atemproben wurden mit Hilfe der Gas-Chromatografie auf ihre Inhaltsstoffe hin analysiert und verglichen. Die Vermutung der Forscher: Weil Stress unseren Stoffwechsel ankurbelt, erhöhen sich Puls und Blutdruck und wir atmen schneller. Dadurch könnte sich auch die Zusammensetzung der von uns ausgeatmeten Gase verändern. Tatsächlich identifizierten Thomas und seine Kollegen sechs chemische Verbindungen in der Atemluft der Probanden, die sich möglicherweise als Stress-Indikatoren eignen.

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Zwei Substanzen erhöht, vier verringert

Die Konzentrationen für zwei der Verbindungen, Indol und 2-Methylpentadekan, waren nach den stressigen Mathe-Aufgaben deutlich erhöht. Vier andere Stoffe schienen dagegen durch die verstärkte Atmung verdünnt – ihr Gehalt sank bei den gestressten Probanden, wie die Forscher berichten. Sie seien daher gute Ausgangspunkte, um einen Schnelltest auf Stress zu entwickeln.

Allerdings seien noch weitere Tests mit größeren Teilnehmerzahlen nötig, um ihre Ergebnis zu bestätigen, betonen sie. „Eine Krankheit scheint aber demnach nicht der einzige Faktor zu sein, der unsere Ausatemluft beeinflusst – das muss auch berücksichtigt, wenn solche Tests zur -Krankheitsdiagnose eingesetzt werden.“

(Institute of Physics (IOP), 01.03.2013 – NPO)

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