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Antigentests: Wie zuverlässig sind Selbstabstriche?

Abstrich aus der vorderen Nase ist kaum weniger präzise als klassischer Nasen-Rachen-Abstrich

Nasenabstrich
Ein gründlicher Selbst-Abstrich aus der vorderen Nase ist beim Antigen-Schnelltest kaum weniger treffsicher als der klassische Nasen-Rachen-Abstrich. © Nenad Cavoski/ iStock

Coronatest leichter gemacht: Bisher muss auch für einen Antigen-Schnelltest ein Abstrich aus dem hinteren Rachen- oder Nasenraum gemacht werden – eine unangenehme Prozedur. Doch nun belegt eine Studie deutscher Forscher, dass auch ein gründliches Abstreichen im vorderen Nasenraum kaum weniger präzise Ergebnisse beim Antigentest liefert. Das könnte den Weg zum Selbsttest auf Covid-19 ebnen.

Antigen-Schnelltests verraten innerhalb von 15 bis 30 Minuten, ob jemand mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert und potenziell ansteckend ist. Zwar sind sie weniger präzise als der klassische PCR-Test, dafür können sie beispielsweise im Altersheim, in Schulen oder vor dem Verwandtenbesuch schnell klären, ob jemand gerade infektiös ist oder nicht. Bisher allerdings läuft der Einsatz dieser Schnelltests nur schleppend an.

Muss es der tiefe Rachen-Abstrich sein?

Das Problem: Die in Deutschland verwendeten Antigen-Schnelltests erfordern einen Nasen-Rachen-Abstrich – eine unangenehme und schwierige Prozedur. Dabei muss ein langes Wattestäbchen am Zäpfchen vorbei tief in den Rachen oder durch die Nase bis in die hintere Nasenhöhle gesteckt werden. Deshalb müssen diese Tests von geschultem Personal durchgeführt werden. Als Selbsttest sind sie bislang nicht zugelassen.

„Ein solcher professioneller Nasen-Rachen-Abstrich ist aus zwei Gründen eine Hürde für den breiten Einsatz von Antigen-Schnelltests“, erklärt Frank Mockenhaupt von der Charité Universitätsmedizin in Berlin. „Erstens ist ein tiefer Nasenabstrich für viele Menschen unangenehm, sie werden eine regelmäßige Testung deshalb vielleicht eher meiden. Zweitens bindet der Abstrich medizinisches Personal, ist organisatorisch aufwendig und benötigt eine Schutzausrüstung.“

Selbst-Abstrich aus der vorderen Nase

Doch ist diese Prozedur überhaupt nötig? Immerhin belegen Studien, dass das Coronavirus Zellen der Nasenschleimhaut und nicht des Rachens als Eintrittspforte nutzt. Zudem legten schon vor einiger Zeit Experimente nahe, dass selbst Speichel als Probenmaterial geeignet sein kann. Deshalb haben nun Mockenhaupt, Erstautor Andreas Lindner von der Charité und ihr Team untersucht, wie verlässlich ein Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich im Vergleich zum klassischen Nasopharyngial-Abstrich ist.

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Für die Studie wurden 289 Patienten mit verdächtigen Symptomen zunächst angeleitet, einen Selbstabstrich im vorderen Nasenraum durchzuführen. Dabei wird das Wattestäbchen eingeführt und 15 Sekunden lang kräftig mehrfach rundherum an den Nasenwänden entlanggestrichen. Dann führte eine Pflegekraft zum Vergleich zwei professionelle Nasen-Rachen-Abstriche durch. Einer davon wurde wie die Nasenprobe einem Antigen-Schnelltest unterzogen, der zweite war für die PCR.

Ähnlich sensitiv wie klassische Prozedur

Das Ergebnis: Die Kontrolluntersuchung mittels PCR-Test ergab für 39 Patienten eine Coronavirus-Infektion. Der Antigen-Schnelltest erkannte 31 dieser Infektionen beim tiefen Nasen-Rachen-Abstrich und 29 infizierte Patienten bei Abstrich aus der vorderen Nase. Damit liegt die Sensitivität bei der klassischen Abstrich-Prozedur bei 79,5 Prozent, beim einfacheren Nasenabstrich bei 74,4 Prozent – und damit nur wenig darunter.

Von den zwei Patienten, die zwar mit Nasopharyngial- nicht aber mit dem Nasenabstrich positiv getestet wurden, hatte einer beim Probennehmen zu wenig aufgedrückt. Der zweite hatte eine sehr geringe Virenlast, weil seine Infektion schon mehr als zehn Tage zurücklag, wie die Wissenschaftler berichten. Betrachtete das Forschungsteam nur die Erkrankten mit einer hohen Viruslast, schlugen die Antigentests bei tiefen Nasenabstrichen jedes Mal an, bei den Selbstabstrichen in knapp 96 Prozent der Fälle.

Bald Schnelltests zum Selbermachen?

„Die Studie zeigt uns, dass die angeleiteten Selbstabstriche für den untersuchten Antigentest nicht schlechter als professionelle Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum sind“, erklärt Koautorin Caroline Denkinger vom Universitätsklinikum Heidelberg. „Festere Tupfer, die sich besser für den Abstrich im Nasenvorhof eignen, könnten die Genauigkeit des Tests noch erhöhen.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten die einfacheren Testprozeduren künftig dazu beitragen, die Antigen-Schnelltests künftig breiter einsetzbar zu machen. „Allerdings sind Selbstabstriche und Selbsttestungen nicht unkritisch: Eine fehlerhafte Durchführung oder ein falsches Ablesen kann eine falsche Sicherheit nach sich ziehen“, betont Mockenhaupt. Bisher sind sie daher offiziell nicht empfohlen.

Im nächsten Schritt wollen er und sein Team nun untersuchen, ob Antigen-Schnelltests auch dann zuverlässige Ergebnisse liefern, wenn sie von Laien komplett ohne professionelle Unterstützung durchgeführt werden. (European Respiratory Journal, 2020; doi: 10.1183/13993003.03961-2020)

Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin

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