Diagnose des Chronischen Erschöpfungssyndroms könnte künftig leichter werden Anomalien im Gehirn von CFS-Patienten entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Anomalien im Gehirn von CFS-Patienten entdeckt

Diagnose des Chronischen Erschöpfungssyndroms könnte künftig leichter werden

Bei CFS-Patienten ist der Fasciculus arcuatus (blau) verändert © Radiological Society of North America

Hoffnung für Menschen mit Chronischem Erschöpfungssyndrom: US-Forscher haben endlich eindeutige Indikatoren für diese mysteriöse Krankheit gefunden. Im Gehirn von CFS-Patienten entdeckten sie gleich drei Anomalien. Das könnte die Diagnose erleichtern und sogar Hinweise auf die Ursache der noch immer rätselhaften Erkrankung geben, wie die Forscher im Fachmagazin „Radiology“ berichten.

Sie ist noch immer rätselhaft und schwer zu diagnostizieren: Etwa 300.000 Menschen leiden allein in Deutschland am Chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, CFS). Weltweit wird die Zahl der Betroffenen auf mehr als 15 Millionen geschätzt. Was diese anhaltenden Erschöpfungsanfälle, Muskelschmerzen und weitere Begleitsymptome auslöst, ist bis heute unbekannt.

Fahndung nach eindeutigen Indikatoren

Weil nicht jeder Betroffene die gleiche Symptompalette aufweist und bisher unverwechselbare körperliche Marker für die Krankheit fehlten, ist eine eindeutige Diagnose zudem schwierig. „CFS ist eine der größten wissenschaftlichen und medizinischen Herausforderungen unserer Zeit“, konstatiert Seniorautor Jose Montoya von der Stanford University. Auf der Suche nach einem eindeutigen körperlichen Indikator für die Krankheit, haben er und seine Kollegen das Gehirn von Betroffenen untersucht.

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Gehirnstrukturen von 15 Betroffenen mit Hilfe dreier verschiedener Methoden. Eine davon ist die sogenannte Diffusions-Tensor-Bildgebung. Dieses Verfahren basiert auf der Magnetresonanztomografie, kann aber genauer als diese den Verlauf von Nervenfasern im Gehirn und damit die Strukturen der sogenannten weißen Substanz darstellen. Diese Aufnahmen verglichen die Wissenschaftler anschließend mit Hirnscans von gleichalten gesunden Probanden.

Abnorme Veränderungen in der rechten Hirnhälfte

Und tatsächlich: Die Forscher stießen sogar auf gleich drei auffallende Unterschiede, wie sie berichten. Zum einen entdeckten die Forscher eine abnorme Veränderung in der rechten Hirnhälfte der CFS-Patienten: Ein Nervenstrang, der dort den Frontallappen mit dem Scheitellappen verbindet, sah bei ihnen deformiert aus, wie die Forscher berichten. Der Grad der Abnormität schien dabei mit der Stärke der Symptome zusammenzuhängen, denn je schwerer die Chronische Erschöpfung bei einem Patienten ausgeprägt war, desto stärker war dieser sogenannte Fasciculus arcuatus verändert.

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Einige Bereiche der Hirnrinde sind bei CFS-Patienten verdickt © Radiological Society of North America

Welche Funktion dieser Nervenstrang in der rechten Hirnhemisphäre hat, ist bisher weitgehend unbekannt. Denn bisher wurde meist nur sein Gegenstück in der linken Gehirnhälfte erforscht, wie die Forscher erklären. Von diesem weiß man, dass es die beiden Sprachzentren Wernicke-Areal und Broca-Zentrum verbindet und dass Schäden an dieser Leitung zu Sprachstörungen führen.

Weiße Substanz geschrumpft

Als zweites war bei den CFS-Patienten die weiße Hirnsubstanz im Vergleich zu der der gesunden Personen deutlich reduziert. Möglicherweise, so vermuten die Wissenschaftler, sind unspezifische Entzündungsprozesse schuld, die durch die Krankheit ausgelöst wurden. Dass solche Entzündungen sich besonders auf die weiße Substanz auswirken, ist schon länger bekannt. Der dritte Befund war eine Verdickung der grauen Substanz in den Teilen des Frontal- und Scheitellappens, die durch den Fasciculus arcuatus verbunden wurden.

„Wir haben damit festgestellt, dass sich das Gehirn eines CFS-Patienten in mindestens drei Merkmalen von dem eines gesunden Menschen unterscheidet“, sagt Erstautor Michael Zeineh von der Stanford University. „Das könnte endlich den diagnostischen Marker liefern, den wir schon seit Jahrzehnten verzweifelt suchen.“ Gleichzeitig aber liefern die neuen Erkenntnisse auch Ansatzstellen für eine Suche nach den Ursachen der mysteriösen Krankheit. Die Forscher wollen nun ihre Ergebnisse in einer kommenden größeren Studie überprüfen. (Radiology, 2014)

(Radiological Society of North America / Stanford University, 29.10.2014 – NPO)

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